Review

„Meine Arbeit fängt da an, wo sich andere Leute vor Entsetzen übergeben.“ Nicht nur durch und mit diesem Satz, der bisher in jeder Staffel mindestens einmal fiel, ist „Der Tatortreiniger“ inzwischen zum Kult geworden, seinen Status untermauern zudem zahlreiche Auszeichnungen wie beispielsweise der Grimme-Preis.
Doch überraschenderweise kommt die fünfte Staffel der TV-Produktion erstmals ganz ohne diese Beschreibung des Arbeitsgebiets von Heiko „Schotty“ Schotte, gespielt von Bjarne Mädel, aus. Und nicht nur das, die aktuelle Staffel wartet noch mit vielen weiteren Neuerungen auf, die den Erfolg der Serie jedoch keineswegs schmälern.

Vor allem die Tatsache, dass zum ersten Mal ganze sechs Folgen in einer Staffel von „Der Tatortreiniger“ anzutreffen sind, dürfte Fans der Serie erfreuen, denn wer einmal „Blut geleckt“ hat, der kann vom Sympathieträger Schotty und seinem außergewöhnlichen Beruf als Tatort- und Leichenfundortreiniger gar nicht genug bekommen. Umso besser, dass sich in der fünften Staffel vom Konzept der zwischen vier und fünf Episoden umfassenden Staffeln abgewandt wurde und nun knapp 30 Minuten zusätzlich geputzt und philosophiert wird.

Die Kombination aus putzen und sprechen klingt simpel, bildet quasi die Basis einer jeden Folge und birgt im Falle von „Der Tatortreiniger“ stets einen großen Unterhaltungswert. Diesbezüglich bieten die Macher, allen voran Regisseur Arne Feldhusen, sowohl spannende Konstellationen mit Fokus auf nur wenige Figuren als auch interessante Themen, die jeder einzelnen Episode viel Tiefe verleihen und den Zuschauern die unterschiedlichsten Emotionen entlocken. So wird es in Staffel 5 abermals zuweilen sehr philosophisch, während fundamentale und existenzielle Fragen thematisiert werden.

Die Episodenenden fallen häufig sehr offen aus, sodass dem Zuschauer zwar keine allgemeingültigen Antworten, dafür aber viel Stoff zum Nachdenken geliefert werden. Dies spricht zudem für eine hohe interpretatorische Freiheit seitens der Zuschauer.

Offen gibt sich auch die Perspektive, zumindest in der Eröffnungsfolge „Bestattungsvorsorge“, die nicht nur den Fokus auf den Protagonisten legt, sondern in Verbindung mit einer leichten Schauplatzerweiterung den Blick des Zuschauers auf weitere Figuren außerhalb des eigentlichen und bisher nahezu gewohnten Settings lenkt. Einen derartigen Perspektivwechsel gab es in den bisherigen vier Staffeln in dieser Form noch nicht – und wenngleich dies nur eine minimale und einmalige Änderung des bisherigen Konzepts ist, so fällt das Überraschungsmoment nicht minder gelungen aus.

Nötig hat „Der Tatortreiniger“ dergleichen Kniffe eigentlich nicht, denn die Serie nutzt sich einfach auch nach fünf Staffeln nicht ab. Und so gestalten sich die szenischen „Rahmenbedingungen“ einer jeden Folge auch in der aktuellen Staffel sehr abwechslungsreich. Es scheint, als gingen den Verantwortlichen die Ideen glücklicherweise nicht aus, und so wird man auch nicht auf bereits Dagewesenes treffen.

Zu Gast in "Der Tatortreiniger": Olli Schulz und Uwe Seeler (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Zu Gast in „Der Tatortreiniger“: Olli Schulz und Uwe Seeler (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Das Hauptaugenmerk liegt dabei meist auf dem Protagonisten und dessen Gesprächspartner, in einigen Fällen gesellen sich zu dem Gesprächsduo weitere Personen hinzu.
Auch der Schauplatz ist eng gesteckt, umso wichtiger, dass die Schauspieler eine aussagekräftige Leistung abliefern. Das können sie ausnahmslos und selten gab es derart renommierte Gastauftritte wie in Staffel 5 mit Olli Schulz (Episode „Freunde“) und Uwe Seeler (Episode „Anbieterwechsel“).

Um sanft aus der Veröffentlichung entlassen zu werden, widmet man sich zum Abschluss noch den „Zusatzstoffen“. Jene bieten obligatorisches Bonusmaterial in Form von kurzen „Behind the Scenes“-Mitschnitten.

Wieder einmal kann „Der Tatortreiniger“ auf ganzer Linie punkten und staubt in diesem Fall nicht nur die Requisiten der stets passend in Szene gesetzten Tat- bzw. Leichenfundorte ab, sondern bei uns ebenfalls die Bestwertung.

Video

Inhalt

Er ist wieder da!

Kaum rückt Heiko „Schotty“ Schotte (Bjarne Mädel) mit seiner speziellen Putzausrüstung an, geht es auch schon um existenzielle Fragen – kein Wunder, beseitigt er doch letzte menschliche Überreste.

In den sechs neuen Folgen von „Der Tatortreiniger“ geht es zum Beispiel darum, wie die perfekte Frau aussieht, ob man sich seine individuelle Religion kaufen kann und wie Geld gute Freunde verändert.

(Quelle: Studio Hamburg Enterprises)

Episoden

Staffel 1
01 Ganz normale Jobs
02 Spuren
03 Nicht über mein Sofa
04 Geschmackssache

Staffel 2
05 Über den Wolken
06 Die Challenge
07 Schottys Kampf
08 Angehörige
09 Auftrag aus dem Jenseits

Staffel 3
10 Fleischfresser
11 Schweine
12 Carpe Diem
13 Ja, ich will

Staffel 4
14 Wattolympiade
15 Der Putzer
16 Damit muss man rechnen
17 Der Fluch
18 Tauschgeschäfte

Staffel 5
19 Bestattungsvorsorge
20 Das freie Wochenende
21 Pfirsichmelba
22 Anbieterwechsel
23 E.M.M.A. 206
24 Freunde

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Studio Hamburg Enterprises
Erscheinungstermin: 11.03.2016
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 150 Minuten
Extras: Behind the Scenes

Coyright Artikelbild: Studio Hamburg Enterprises



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde