Review

Die rote Jahreszeit bricht an

Diese Aussage sowie der Klappentext und die ersten Minuten der deutsch-österreichischen Produktion „Der Pass – Staffel 1“ lassen zunächst noch offen, in welche Richtung sich die Serie entwickeln wird.

Auch die Presseinformation, die sie als an „Das Schweigen der Lämmer“ und „Sieben“ erinnernd beschreibt, fällt noch vage aus. Konkreter wird die Einordnung von „Der Pass“ durch den Fakt, dass sich die Verantwortlichen, darunter u.a. „4 Blocks“-Produzenten Wiedemann & Berg sowie die Regisseure Cyrill Boss und Philipp Stennert, von dem skandinavischen Erfolgsschlager „Die Brücke“ inspiriert haben lassen.

Tatsächlich lassen sich einige Parallelen dazu feststellen. Schnell wird außerdem deutlich, dass die dritte Eigenproduktion von Sky Deutschland sehr viel aufwartet.

Ohne wie eine Kopie von „Die Brücke“ zu wirken, ist es somit inmitten von Spannung, Drama und Thrill allen voran die Atmosphäre, welche die Krimiserie prägt – und diesbezüglich in die Fußspuren ihres Nordic Noir-Vorbilds tritt.
Dazu tragen sowohl die dunklen, kühlen Bilder des rauen, kalten Schauplatzes (das deutsch-österreichische Grenzgebiet) als auch die Musik von Hans Zimmer bei.

Die Besonderheiten

Beklemmende Momente reihen sich so zunächst aneinander, die ihren Reiz auch dann nicht verlieren, sobald die Zuschauer – zu einem relativ frühen Zeitpunkt – Kenntnis über die Identität des Serienmörders erhalten. Auch der Spannung tut dies keinen Abbruch, wenngleich „Der Pass“ dadurch zuweilen etwas überraschungsarm gerät. Immerhin ermöglicht diese frühzeitige Offenbarung Einblicke in die Täterperspektive. Und von dieser Möglichkeit macht „Der Pass – Staffel 1“ rege Gebrauch.

Insgesamt fällt die außergewöhnliche Erzählweise auf. Es finden Zeitsprünge ebenso wie Rückblenden ihren Platz; es wird resümiert und an zuvor losen Handlungssträngen nahtlos angeknüpft. Mehr und mehr gewinnt die erste Staffel, bestehend aus acht Episoden, an Komplexität.

Für die einen gewöhnungsbedürftig, für die anderen herausragend ist indes der österreichische „Dialekt“, der – entsprechend der Produktion und des Konzepts – häufig zu hören ist. Mit Untertitel versehen treten allerdings auch keinerlei Verständigungsprobleme bei jenen auf, die sich mit dieser Sprechweise schwertun.

Nicholas Ofczarek und Julia Jentsch treffen in „Der Pass – Staffel 1“ in ihren Rollen als Gedeon Winter und Ellie Stocker erstmals aufeinander. (Copyright: Sammy Hart)

Apropos deutsch-österreichisch: Thema in „Der Pass“ ist natürlich auch der deutsch-österreichische „Konflikt“. Hier treffen nicht nur österreichische Morbidität auf deutsche Korrektheit, was für gute Unterhaltung sorgt und der Serie das gewisse Etwas verpasst; darüber hinaus sind die jeweiligen Landesvertreter mit Julia Jentsch (als Ellie Stocker) und Nicholas Ofczarek (als Gedeon Winter) hervorragend besetzt.

Ihre Figuren machen erkennbare und glaubwürdige Entwicklungen durch und werden perfekt von den beiden Hauptakteuren gespielt. So gut, dass man stellenweise meint, das Potenzial, das diese deutsch-österreichische „Hassliebe“ birgt, hätte noch mehr ausgeschöpft werden können. Gerade um einigen Szenen die Langatmigkeit zu nehmen und ein Mehr an Unterhaltung zu bieten. Stattdessen entschied man sich dafür, die aufgebaute bedrückende Stimmung nicht allzu sehr zu stören; ganz zum Gefallen von Fans düsterer Thriller und Krimis.

Fazit

Und so steht für all jene nach einem ereignisreichen und dramatischen Cliffhanger nun das Warten auf eine zweite Staffel an. Diese ist bereits in Arbeit. Bis dahin kann man sich die Zeit mit der Kaufversion von „Der Pass – Staffel 1“ vertreiben oder sich einen ersten Eindruck bei der Free-TV-Premiere im Dezember im ZDF verschaffen.

Welche Variante man auch wählt, belohnt wird man mit einem durchdachten, stimmungsvollen Thrillerserien-Erlebnis, bei dem nicht nur, aber vor allem die schauspielerische Leistung von Nicholas Ofczarek überzeugt und im Gedächtnis haften bleibt.

 

Trailer

Handlung

Die rote Jahreszeit bricht an

Auf der deutsch-österreichischen Grenze wird auf einem Bergpass eine grausam inszenierte Leiche gefunden. Die deutschen Ermittlungsbehörden entsenden die junge engagierte Kommissarin Ellie Stocker (Julia Jentsch) aus Berchtesgaden, für die dieser Fall die erste große Herausforderung ihrer Laufbahn darstellt. Doch ihr Gegenüber aus Österreich, der zynische und wenig engagierte Inspektor Gedeon Winter (Nicholas Ofczarek), zeigt zunächst wenig Interesse an einer Zusammenarbeit. Doch nationale Animositäten müssen bald beiseite gelassen werden, denn es werden weitere Leichen gefunden.

Der offensichtliche Serientäter hinterlässt kryptische Botschaften, die zeigen, dass er die Gesellschaft für ihre Sünden bestrafen will. Der Druck auf Stocker und Winter steigt.

Bei ihren Ermittlungen dringen die beiden Ermittler immer tiefer in die dunklen Täler, die archaischen Bräuche der Region und die wahnhafte Welt des Mörders ein.

(Quelle: Eye See Movies)

Episoden

01 Finsternis
02 Die rote Jahreszeit
03 Der Mann aus dem Wald
04 Die Bösen und Unartigen
05 Masken
06 Aus Fleisch und Blut
07 Der Sturm
08 Engerl

Details

Format: PAL
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Eye See Movies / AV Visionen
Erscheinungstermin: 05.12.2019
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: 480 Minuten
Extras: 12-seitiges Booklet / Interviews mit Cast & Crew

Copyright Cover: © 2010 World wide copyrights and exploitation rights in format: Filmlance International AB
© 2018 W&B Television GmbH & Co.KG/ epo-film produktionsges.m.b.h.



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde