Review

„Eine Komödie über Sex“ – daran haben sich schon viele Filmemacher versucht und mal ist es ihnen gut geglückt, mal kommt da aber auch so etwas heraus, wie das von uns zuletzt besprochene „Sexcoach“. Wie man sich mit der schönsten Nebensache der Welt noch auseinandersetzen kann, zeigt nun der Film „Der kleine Tod“, der dem Zuschauer keine unreife Sexkomödie auftischt, sondern sich niveauvoll den Themen Beziehungen, Fetische, Liebe und natürlich Sex nähert.

Im Mittelpunkt des Films stehen fünf unterschiedliche Mittdreißiger-Pärchen einer idyllischen Vorstadt, die auf verschiedene Art und Weise ihre sexuelle Erfüllung in ihren Partnerschaften suchen und auf ihrem Weg zum Orgasmus über Missverständnisse, Kommunikationsprobleme und die eine oder andere ungewöhnliche Vorliebe stolpern.

Ob Rollenspiele helfen, das Sexleben ein wenig aufzupeppen, prüft Evie (Kate Mulvany). (Copyright: Weltkino Filmverleih)

Ob Rollenspiele helfen, das Sexleben ein wenig aufzupeppen, prüft Evie (Kate Mulvany). (Copyright: Weltkino Filmverleih)

Gekonnt verknüpft Regisseur Josh Lawson, der in „Der kleine Tod“ ebenfalls als Schauspieler zu sehen ist, die Einzelepisoden der jeweiligen Paare nach und nach miteinander und sorgt mit oftmals tragisch-komischen Wendungen für Überraschungen und Staunen.

Der Humor in „Der kleine Tod“ ist nicht vordergründig und platt, sondern vielmehr subtil und meist schwarz vorhanden. Indem die Komik oft in einen ernsthaften Kontext gebettet ist, verwischt die Grenze zum Makaberen nicht selten und der Zuschauer fragt sich, ob ein Lacher tatsächlich ob der Dramatik angebracht ist. So katapultiert „Der kleine Tod“ sein Publikum von einer sehr amüsanten in eine äußerst tragisch-komische Situation, ähnlich wie es auch Autor Dirk Bernemann in seinen Werken zu vollbringen vermag.

Indem zu keinem Zeitpunkt auf Klischees gesetzt wird, böten diese sich doch gerade in Bezug auf die unterschiedlichen Fetische an, die hier eine Rolle spielen, wird die Außergewöhnlichkeit des Films untermauert, der dadurch wie ein kleines Unikat in der komödiantischen Filmkunst über Sex erscheint.

Zudem trägt das Cast zur Authentizität von „Der kleine Tod“ bei. Ein Hauch Reality-Atmosphäre versprühend agieren die Schauspieler sehr natürlich und liefern damit viel Identifikationspotenzial. Sieht man von teils überzogenen Details der einzelnen Paare einmal ab, so könnten die einzelnen Figuren durchaus die eigene Nachbarschaft widerspiegeln. Diese authentische Natürlichkeit bringen die Darsteller in ihrem Schauspiel hervorragend rüber.

Wirft man dann noch einen Blick hinter die Kulissen – möglich ist dies durch den entsprechenden Menüpunkt innerhalb des recht umfangreichen Bonusmaterials – so stellt man fest, dass der Film scheinbar sehr improvisiert gedreht und während des Drehs außerdem weiterentwickelt wurde. Dieses Vorgehen zahlt sich aus, zumal das Ergebnis nichts von dieser unkonventionellen Herangehensweise erahnen lässt. Einwandfrei und professionell kommt „Der kleine Tod“ beim Zuschauer an.

Die Bandbreite der Fetische - "Der kleine Tod" zeigt sie uns. (Copyright: Weltkino Filmverleih)

Die Bandbreite der Fetische – „Der kleine Tod“ zeigt sie uns. (Copyright: Weltkino Filmverleih)

Das Ende des Films lässt einen abschließend ein wenig konfus und vielleicht sogar sprachlos zurück. Nach dem Motto „unverhofft kommt oft“ bietet der gewählte, zum Teil offene Abschluss eine Menge Platz für eigene Interpretationen, was zum Gesamtkonzept der Komödie passt. Und auch die Intention(en) des gesamten Films erschließt (erschließen) sich einem nicht unbedingt sofort bzw. lässt (lassen) auch hier verschiedene Möglichkeiten zu, die der Zuschauer ganz individuell für sich herausgreifen kann.
Entsprechend werden die Erwartungshaltungen nicht jedes Zuschauers, erzeugt u.a. durch den offiziellen Trailer, der allerdings nicht ansatzweise das zeigt, was den Film letztlich ausmacht, erfüllt, da diese im Laufe der Komödie bei jedem anders geschürt werden. Doch gerade der Facettenreichtum von „Der kleine Tod“ macht den Film zu einer kleinen Perle.

Insgesamt ist „Der kleine Tod“ somit ein Film, der lange im Gedächtnis bleibt und seine Zuschauer auf unterschiedliche Weise bewegen, unterhalten und erreichen kann. Kurzweilig, aber doch anspruchsvoll schafft die Komödie den Spagat zwischen Unterhaltung und Ernsthaftigkeit. Sie entpuppt sich als originell und witzig und bietet darüber hinaus so viel mehr, was man beim Anblick des Trailers und Covers kaum vermutet.

Trailer und Teaser

Trailer:

Teaser:

Inhalt

Die französische Redewendung la petite mort (dt. „der kleine Tod“) steht für „Orgasmus“, den zu erlangen das erklärte Ziel der fünf Mittdreißiger-Pärchen ist, die in einer mittelmäßigen Vorstadt ihren Mittelklasse-Traum leben. Doch diese scheinbar sehr gewöhnlichen Paare haben sehr ungewöhnliche Fantasien, deren Verwirklichung sie so sehr beschäftigt, dass sie gar nicht den bedrohlichen Neuzugang in ihrer Nachbarschaft bemerken …

(Quelle: Weltkino Filmverleih GmbH)

Der kleine Tod – Homepage
Der kleine Tod – Facebook

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DD Stereo), Englisch (Dolby Digital 5.1), Englisch (DD Stereo)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Weltkino Filmverleih GmbH (Vertrieb Universum Film)
Erscheinungstermin: 28.08.2015
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: 92 Minuten
Extras: Interviews / Behind the Scenes / Trailer / Teaser / Trailershow

Copyright Artikelbild: Weltkino Filmverleih GmbH



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde