Review

Mit seinem Film „Der Killer in mir“ (Original: „Daniel isn’t real“) präsentiert Regisseur Adam Egypt Mortimer einen Genre-Mix aus Horror, Thriller und Fantasy.

Dabei muss das beliebte Motiv eines imaginären Freundes für seine düstere Geschichte herhalten, das in ähnlicher Form vor allem aus dem 1999 erschienenen Psychothriller „Fight Club“ bekannt geworden ist. So titelt die Times in einer Kritik nicht ohne Grund, „Der Killer in mir“ sei wie „Fight Club für die Instagram Generation“.

Wie ebenjener Film basiert auch Mortimers Streifen auf einem Roman. Autor Brian DeLeeuw schrieb das Buch „In This Way I Was Saved“, das hier die Grundlage für vorliegende Adaption darstellt.

Von Selbstwahrnehmung und Selbstverlust

Hauptfigur Luke ist ein Collegestudent und steht nach dem Auszug aus dem Haus seiner labilen Mutter nun endlich auf eigenen Beinen. Sein Leben zu meistern fällt dem sozial Unbeholfenen jedoch alles andere als leicht. Nicht nur Traumata aus seiner Kindheit erschweren ihm einen unbefangenen Umgang mit seiner Umwelt.

Kurzerhand tut er das, was er bereits in seiner Kindheit tat, er sucht Hilfe bei seinem imaginären Freund Daniel.
Dieser komplettiert zunächst Lukes Leben, lässt ihn seine unterdrückten Wünsche ausleben und scheint ihm sogar in positiver Art dienlich zu sein – bis die Beziehung schließlich ins Destruktive umschlägt.

Protagonist und Zuschauer stellen sich schon bald die Fragen: Existiert Daniel tatsächlich nur in Lukes Fantasie? Ist die Imagination ein Hinweis darauf, dass Luke wie seine Mutter an Schizophrenie erkrankt sein könnte? Oder ist Daniel durchaus real und verfolgt eigene dämonische Pläne?

Erst >gut<, dann >geht so<

Bis zum Schluss bleibt Regisseur Adam Egypt Mortimer allerdings eine konkrete Antwort schuldig. Entsprechend unvollendet fühlt sich der Schluss des Films dann leider auch an.

Bis es jedoch so weit ist, tobt sich Mortimer kreativ aus. Inmitten der eingesetzten Drama- und Thriller-Aspekte finden sowohl einige Body Horror-Momente als auch Grenzübergänge zur Fantastik statt.

Das Spiel um Selbstwahrnehmung und Selbstverlust wird damit nicht nur in einen realistischen, erklärbaren Bezug gesetzt, bei dem es um Schizophrenie und falsche Freunde sowie deren toxischen Einfluss geht, sondern zugleich auf eine surreale, unerklärliche Ebene geführt. Diesbezüglich ist es schade mitverfolgen zu müssen, wie Plausibilitäten immer mehr vernachlässigt werden und die Fantastik stattdessen zunimmt. Das nimmt dem Film viel von seiner Tiefgründigkeit, die hier durchaus möglich gewesen wäre, ohne gleichzeitig auf Horror-Unterhaltung verzichten zu müssen.

Zudem gelingt es nicht, diese Entwicklungen schlüssig darzubieten. Vielmehr wirkt es, als wolle man viele einzelne Genre-Zutaten in einem Film unterbringen, ohne auf passende Gelegenheiten für sie zu warten.
Trotz dieser Entwicklungen bleibt „Der Killer in mir“ über weite Strecken darüber hinaus sehr vorhersehbar. Dadurch büßen einige Sequenzen viel von ihrer potenziell vorhandenen Spannung ein.

Zentriert auf die Konflikte und Psychospiele zwischen Luke und seinem imaginären Freund Daniel, stehen ebenjene Figuren demzufolge klar im Vordergrund.

Hollywood-Söhne unter sich

Um diese zu verkörpern, verpflichtete man zwei Youngsters, dessen Eltern bereits gezeigt haben, wie man es in Hollywood an die Spitze schafft.

In „Der Killer in mir“ setzt man auch auf Body-Horror. (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment / Anna Kooris)

Patrick Schwarzenegger, Sohn von Arnold Schwarzenegger, mimt den imaginären Freund Daniel, der durch die schauspielerische Präsenz alles andere als imaginär erscheint.

Miles Robins, Sohn von Susan Sarandon und Tim Robbins, schlüpft indes in die Rolle des Luke. Er verkörpert sowohl diese Figur als auch dessen Alter Ego mit starker, aber nicht übertriebener Mimik.

Wenn auch nicht unbedingt herausragend und brillant, so aber doch passend, intensiv und überzeugend können sowohl Schwarzenegger-Junior als auch Miles Robbins somit sogar eine Mary Stuart Masterson (hier in der Rolle der labilen Mutter) zuweilen in den Schatten stellen.

Fazit

„Der Killer in mir“ hat seine Momente. Von jenen hätte es aber noch einige mehr geben können. Inwieweit es gefällt, die psychischen Konflikte des Protagonisten im Gewand der Fantastik zu demonstrieren, bleibt eine persönliche Geschmacksfrage, wird hier aber zugleich über Ge- oder Missfallen entscheiden.

Trailer

Handlung

Als der junge Collegestudent Luke das Haus seiner labilen Mutter verlassen will, stehen ihm nicht nur seine soziale Unbeholfenheit im Weg, sondern auch die vielen Traumata aus seiner Kindheit. Er sucht daraufhin die Hilfe seines imaginären Jugendfreundes Daniel, den er damals zu seinem Schutz erfand. Zunächst macht dieser Luke zu einem selbstbewussten, erfolgreichen jungen Mann. Doch Daniels geheime Absichten werden immer gefährlicher. Nichts davon ahnend steckt Luke schon bald in einem mörderischen Sog, aus dem es kein Entkommen gibt …

(Quelle: Ascot Elite Home Entertainment)

Details

Sprache: Deutsch / Englisch
Ton: DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 2.39:1 (1080p/ 24fps)
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungstermin: 20.11.2020
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: 100 Minuten

Copyright Cover: Ascot Elite Home Entertainment



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde