Review

Zum fünften Mal beehrt „Der junge Inspektor Morse“ seine Fans in deren Heimkinos. Und so warten mit Erscheinen von „Der junge Inspektor Morse – Staffel 5“ sechs neue Fälle darauf, von den Ermittlern in Oxford und den Krimifans zu Hause gelöst zu werden.

Die Quantität der aktuellen Staffel sticht damit schon einmal heraus, denn von allen bisher erschienenen Staffeln ist sie diejenige mit den meisten Folgen (vgl. Staffel 1 – Pilot + 4 Episoden, Staffel 2 – 4 Episoden, Staffel 3 – 4 Episoden, Staffel 4 – 4 Episoden).

Auch die Qualität bleibt auf ähnlichem Niveau, wenngleich sich die Krimiserie nach Motiven und Figuren aus den Romanen des Autors Colin Dexter auch dieses Mal den einen oder anderen Kritikpunkt gefallen lassen muss. Darunter vor allem der augenscheinlichste:

Alles steht im Zeichen des Wandels und Umbruchs

Sowohl das Privat- als auch das Berufsleben der Hauptfiguren sowie gesellschaftliche Gegebenheiten befinden sich im Wandel. Ob die Beförderung von Morse zum Sergeant, seine damit einhergehende Verantwortung für den Neuzugang Detective Constable George Fancy (gespielt von Lewis Peek), die Rationalisierungsmaßnahmen, die auch vor der eigenen Polizeiwache nicht Halt machen könnten, und viele Umbrüche mehr sind es, mit denen sich die Rollen der Schauspieler Shaun Evans und Roger Allam konfrontiert sehen.

Auch der Soundtrack geht vorliegend etwas neue Wege und es sind einmal gänzlich andere Töne zu vernehmen als bisher gewohnt.

Das alles bringt zum einen frischen Wind in die retro-charmante Krimiserie. Zum anderen fügen sich diese (inhaltlichen) Neuerungen und die daraus resultierenden Konsequenzen nicht immer allzu harmonisch in den aktuellen Staffel-Kontext der britischen Krimireihe ein.

In diesem Zusammenhang ist vor allem die Distanz zwischen Figuren und Zuschauern sehr auffällig, die auch bis zur letzten Folge nicht überbrückt werden kann. Was seit vier Staffeln daher mühsam erarbeitet wurde – mühsam schon alleine deshalb, da Morse als Figur ein sehr eigenbrödlerisch-misanthropischer Charakter ist, was eine gewisse Distanz per se zur Folge hat – , scheint nun wie verpufft zu sein. Darum wirken viele Figuren dieses Mal eher unnahbar, ihr Handeln und Denken wenig nachvollziehbar und alles insgesamt sehr „eigen“.

Dazu zählt auch die Ermittlungsarbeit, die mal mit und mal ohne Morse stattfindet. Indem die Titelfigur entsprechend wenig im Mittelpunkt steht, erscheint sie zeitweise gar wie eine Nebenrolle. Und das, obschon in Staffel 5 durchgehend versucht wurde, tief in die privaten Angelegenheiten der Figuren einzudringen, um die persönliche Charakterebene zu betonen und zur Intensivierung der Charakterdarstellung respektive -entwicklung beizutragen. Insgesamt wird das alles leider äußerst separiert dargestellt oder wirkt zumindest sehr zusammengestückelt.

Da macht es dann auch nicht mehr viel aus, dass – durch die unkonventionelle Denkweise der Hauptfigurmanche Ermittlungsarbeit abermals sehr abrupt zu einer Lösung gelangt und der Zuschauer daheim nur wenig Chancen hat, die Fälle „selbst zu lösen“.

Positiv hervorzuheben

Doch genug der Kritik; erwähnen wir auch noch die offensichtlichen guten Seiten von „Der junge Inspektor Morse – Staffel 5“.

Shaun Evans als Titelfigur in „Der junge Inspektor Morse – Staffel 5“. (Copyright: ITV Pic)

Allen voran sei diesbezüglich die Stimmung erwähnt, die jede Folge zu erzeugen vermag. Schon Staffel 4 haben wir „ein Mehr an Atmosphäre, Düsternis und Tiefe“ bescheinigt. Und auch aktuell sind Atmosphäre und Düsternis reichlich vorhanden. Sehr spannend, sehr dunkel!

Mehr und mehr wird zudem die zunehmende Verbindung zum „alten Morse“ deutlich und damit „Der junge Inspektor Morse“ seiner Rolle als Prequel zur Serie „Inspector Morse“ deutlich gerechter. Dies mag vor allem für Fans beider Serien eine nette Auffälligkeit sein, die z.B. beim vermehrten Kreuzworträtsellösen oder im betonten Einzelgängertum der Hauptfigur ersichtlich wird.

Fazit

Eher zu den schwächeren Staffeln der Fernsehreihe gehörend, kann „Der junge Inspektor Morse – Staffel 5“ eingefleischte Fans trotz der Kritikpunkte sicherlich dennoch überzeugen. Es wäre Staffel 6 aber zu wünschen, dass sie zu einstiger Stärke wieder zurückfinden würde.

Trailer

Handlung

Anfang 1968 wird das Privat- und Berufsleben von Endeavour Morse und seinen Kollegen auf den Kopf gestellt. Durch Morses Beförderung zum Sergeant wird ihm die Verantwortung für den neuen Rekruten Fancy übertragen. Auch Thursdays Leben befindet sich im Wandel: Er beginnt über sein Leben nach der Polizei nachzudenken, wodurch alte Wunden der Vergangenheit wieder aufgerissen werden.

Doch egal, wie viele Veränderungen die Ermittler in Atem halten, sie haben kaum Zeit sich damit auseinanderzusetzen. Denn das Verbrechen schläft nie, ganz im Gegenteil. Die Zahl der Verbrechen steigt an und das Team wird mit einer Reihe von mysteriösen Morden und unglaublichen Fällen konfrontiert, die Oxford für immer verändern. Die Aufklärung einer sadistischen Mordreihe bei einer Auktion, die Ermittlungen zum mysteriösen Todesfall eines ehemaligen Beamten und auch ein Undercover-Einsatz von Endeavour selbst bekommen höchste Priorität. Wird die Cowley Police Station trotz dieser Hürden am Ende des Jahres die gleiche bleiben?

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

01 Muse
02 Kartusche
03 Passagiere
04 Farben
05 Quartett
06 Ikarus

Details

Sprache: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1 / Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel:Motion
Erscheinungstermin: 16.10.2020
Produktionsjahr: 201
Spieldauer: 535 Minuten
Extras: Interviews mit Cast & Crew / Behind the Scenes / DVD-Highlights

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde