Review

Das Sterben und der Tod sind das Geschäft eines Bestatters. Entsprechend ungezwungen geht die Serie „Der Bestatter“ mit diesen Thematiken um und reichert sie zusätzlich mit Krimi-Elementen an. Diese Kombination wirkt dabei phasenweise ebenso gewöhnungsbedürftig wie der offene, tabulose Umgang mit dem Tod, sorgt gleichzeitig aber auch für ein Alleinstellungsmerkmal in der Flut an Veröffentlichungen von Krimiserien.

Staffel 3 der vom SRF produzierten Deutschschweizer Fernsehserie bietet dem Genre-Fan sechs neue in sich abgeschlossene Folgen über außergewöhnliche Todesfälle, die begleitet werden von einem konsequent weitergeführten Nebenhandlungsstrang rund um die Protagonisten.
Trotz dieser nahtlosen Anknüpfung an die erste und zweite Staffel gelingt es auch Quereinsteigern, erst mit vorliegender dritter Staffel in „Der Bestatter“ einzusteigen, ohne Vorkenntnisse nennenswert zu missen.

Neben dem die Hauptfigur Luc Conrad verkörpernden Schauspieler Mike Müller ist es vor allem Quoten-Goth Fabio Testi (gespielt von Reto Stalder), der nicht nur (wenn auch etwas klischeehafte) subkulturelle Nuancen in die Produktion bringt, seine Rolle sorgt auch für etwas „jugendliche“ Frische. Diese hält sich dem Konzept der Serie entsprechend und durch ihre stereotype Darstellungsart jedoch sehr in Grenzen, sodass das in dieser Figur schlummernde Potenzial nicht ansatzweise ausgeschöpft wird. Weniger Fokus und Verlass auf Klischees und mehr Mut zur Eigenständigkeit dieses Charakters hätte die Serie deutlich bereichert.

So aber bleibt „Der Bestatter“ in der dritten Staffel oft zwar trocken-morbide, womit die Schweiz bezogene Krimiserie schon sehr am Charme österreichischer Produktionen kratzt, gleichsam wirkt sie streckenweise dadurch allerdings sehr bieder und langatmig.

Das Lokalkolorit verstärkt diesen Eindruck und macht die Serie mit diesem Alleinstellungsmerkmal sowohl sehr speziell als auch äußerst eng gesteckt, was ihre Zielgruppe angeht. So ist „Der Bestatter – Die komplette dritte Staffel“ eher etwas für ältere Zuschauer, während es einem jüngeren Publikum definitiv an Spritzigkeit, Action und Dynamik fehlt. Die abwechslungsreichen sechs Fälle, verteilt auf zwei DVDs, sorgen zwar hin und wieder für Spannung, emotionslose, fade Dialoge und eine Langsamkeit in Kameraführung, Schnitt und Handlungsablauf ersticken jedoch ein mögliches Mitfiebern der Hobbyermittler vor dem Bildschirm im Keim.

Luc Conrad (Mike Müller) bei der Arbeit als ermittelnder Bestatter oder bestattender Ermittler. (Copyright: Koch Media)

Ein höherer Unterhaltungswert kommt allerdings bei jenen auf, die den Filmfehler in Staffel 3 entdecken. So ist es schon ein wenig amüsant, an Figur Alois Semmelweis in einer Folge eine Verletzung des rechten Ohres mitzuerleben, um in den darauffolgenden Folgen sein linkes Ohr verbunden zu sehen.

Leider ist diese ungewollte kurze Komik beinahe das einzige, was länger vom „Bestatter“ im Kopf des Zuschauers bleibt. Als vielversprechendes Serienformat beginnend, büßt „Der Bestatter – Die komplette dritte Staffel“ zusehends an Überzeugungskraft ein. Wer trotz der großen Auswahl an Krimiveröffentlichungen einfach nicht genug vom Hobbyermitteln bekommt, sollte hier auf seine Kosten kommen, alle anderen sind bereits anderweitig gut bedient.

Trailer

Handlung

Ein ermittelnder Bestatter? Oder doch eher ein bestattender Ermittler?
Bei Ex-Kommissar Luc Conrad (Mike Müller), der einst die Aargauer Kantonspolizei verließ, um ein Bestattungsunternehmen zu übernehmen, kann man nie ganz sicher sein, welchen Beruf er gerade wirklich ausübt. Denn zahlreiche knifflige Mordfälle lassen ihn bei aller Sachlichkeit auch weiterhin ebenso wenig zur Ruhe kommen wie seine Nachfolgerin Anna-Maria Giovanoli (Barbara Teerporten) und ihren Kollegen Reto Döring (Samuel Streiff), die diesmal vor allem von der Suche nach einem Attentäter auf Trapp gehalten werden, der Gerichtsmediziner Semmelweis (Martin Ostermeier) beinahe getötet. hätte. Als sogar Luc selbst unter Verdacht gerät, spitzt sich die Situation bedrohlich zu …

(Quelle: Koch Media)

Episoden

DVD 01
01 Offene Wunden
02 Letzte Runde
03 Schöner Schein

DVD 02
04 Der erste Stein
05 Der Fremde im Sarg
06 Asche zu Asche

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Schweizerdeutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Koch Media GmbH – DVD
Erscheinungstermin: 02.02.2017
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: 350 Minuten

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde