Review

Mit „Deliler – Sieben für die Gerechtigkeit“ erscheint ein türkischer Historienfilm aus dem Jahr 2018 von Regisseur Osman Kaya durch Koch Media im Heimkino.

Deliler vs. Vlad III.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es sind die Deliler – kurzzeitig sogar mit einem Kind.

Jene, eine Gruppe Krieger des osmanischen Reichs, haben sich dem Kampf gegen Grausamkeiten und Abtrünnige verschrieben – und sich im nach ihnen benannten Film (als ihre Weisung und Pflicht) zum Ziel gesetzt, den rumänischen Prinzen Vlad III. zu ermorden, der hier das Sinnbild der Gräueltaten ist; nicht nur durch seine geschichtlich bekannten Pfählungen, sondern auch, weil er die Pest verbreiten und dadurch die Bevölkerung ausrotten möchte.

Die Einbettung in seinen historischen Kontext sorgte und sorgt im Netz für allerlei Diskussionen, im Zuge dessen „Deliler“ nicht selten als Propagandafilm betitelt wurde. Man mag kritisch darüber denken, inwiefern der Untertitel „Sieben für die Gerechtigkeit“ passend gewählt wurde, davon abgesehen möchten wir uns in dieser Rezension jedoch nicht mit erwähnten Diskussionen und inhaltlichen geschichtlichen sowie politischen Aussagen befassen, sondern das Augenmerk auf die cineastische Machart von „Deliler“ legen.

Bewertung

„Deliler“ entführt die Zuschauer in das osmanische Reich in die Mitte des 15. Jahrhunderts und thematisiert den „Kampf zwischen Gerechtigkeit und Grausamkeit“, wie es im Film durch einen Erzähler kundgetan wird.

Jener Erzähler eröffnet das knapp 121-minütige Historienepos und sorgt bereits zu Beginn für eine Atmosphäre, die – auch durch die Landschaftsaufnahmen, gedeckten Farben und Kameraführungen – augenscheinlich an Produktionen wie „Herr der Ringe“ oder „Game of Thrones“ angelehnt sein will. Die Qualitäten dieser Vorbilder erreicht „Deliler“ allerdings nicht.

Dennoch muss man die durch Zeitlupenaufnahmen effektvoll in Szene gesetzten Filmpassagen sowie die epischen Landschaften und einen alles in allem gelungenen passend archaischen Soundtrack positiv erwähnen.

Mehr Epik hätte man sich aber wiederum von den Kampfszenen erhofft. Nicht zuletzt hätten zudem der martialische Tenor des Films und die FSK-Freigabe ab 18 Jahren deutlich mehr explizite Sequenzen gerechtfertigt. Obschon blutig und grausam inszeniert, werden diese in letzter Konsequenz zu oft ausgeblendet. Gerade die epische Schlacht gegen Ende, der „Showdown“ quasi, gerät dadurch teils eher langatmig denn spektakulär.

Erkan Petekkaya als Vlad III. in „Deliler – Sieben für die Gerechtigkeit“. (Copyright: Koch Media)

Darüber hinaus fehlt es den Figuren und integrierten historischen Persönlichkeiten an Tiefe. Über die eindimensionale Darstellung von Vlad III. als Pfähler und Mehmet II. als Welteroberer geht die Charakterausarbeitung nicht hinaus. Und auch die Nebenrollen verkommen zu sehr zu ebenjenen. Einzig den Deliler versucht man durch Rückblicke in die Vergangenheit der sieben, sich im Laufe der Spielzeit schnell dezimierenden Kämpfer etwas mehr „Fundament“ und Profil zu geben, um letztlich vermutlich auch an der Emotionalität der Zuschauer zu kratzen. Gebraucht hätte es diese jedoch nicht. Stattdessen sorgen die außerdem eingestreuten „Prophezeiungen“ gar für eine Störung im Fluss des Films.

Bonusmaterial

Viele Extras bietet die Veröffentlichung im Anschluss an den Film dann leider nicht. So findet sich neben dem (Original)trailer lediglich eine Bildergalerie unter diesem Menüpunkt wieder. Kann man sich anschauen, muss man aber nicht. Einen nennenswerten Mehrwert besitzt „Deliler – Sieben für die Gerechtigkeit“ dadurch somit nicht.

Trailer

Handlung

Die Deliler haben die Pferde gesattelt und machen dem schrecklichen Herrscher Vlad im Befehl des Sultans eine Kampfansage!

Die sagenumwobenen Deliler sind sieben mythische Krieger und die letzte Hoffnung von Sultan Mehmed II. im Kampf gegen den legendären Sultan Vlad III. Der charismatische Kriegsherr wurde ursprünglich vom Sultan selbst als Kommandant angeheuert und war diesem lange Zeit treu ergeben. Doch als Regent hat Vlad III. zunehmend sein tyrannisches Wesen offenbart, das unter dem Volk Angst und Schrecken verbreitet. So bleibt dem Sultan keine Wahl: Er beauftragt die Deliler, um der grausamen Herrschaft Vlads ein Ende zu setzen. Fest entschlossen, das Unrecht zu vergelten, ziehen die mutigen Krieger in den Kampf gegen einen übermächtigen Gegner.

(Quelle: Koch Media)

Details

Sprache: Deutsch, Türkisch
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Koch Media GmbH
Erscheinungstermin: 20.05.2020
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: 121 Minuten
Extras: Originaltrailer / Trailer / Bildergalerie

Copyright Cover: Koch Media GmbH



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde