Review

Dass das Internet mehr zu bieten hat als das, was der Durchschnittsnerd beim alltäglichen Ansurfen vorfindet, ist kein Geheimnis. Das sogenannte Deep Web, das den gängigen Suchmaschinen verborgen bleibt, bietet durch die Wahrung der Anonymität der User jedoch nicht nur Vorteile, sondern bereitet auch der Kriminalität eine neue, schwer zu bekämpfende Plattform.

Und so entstand 2011 im Deep Web mit „Silk Road“ der größte Online-Schwarzmarkt, der seinerzeit vor allem durch seine Drogengeschäfte das FBI auf den Plan rief und als „Ebay für Drogen“ publik wurde. Die Festnahme des angeblichen Kopfes hinter der „Silk Road“ – der scheinbar unter dem Pseudonym Dread Pirate Roberts (DPR) auftretende Ross Ulbricht – wurde 2013 bekanntgegeben und zog ein Gerichtsverfahren nach sich, das bis heute noch einige Fragen offen lässt.

Jenes bildet den Schwerpunkt der Dokumentation „Deep Web – Der Untergang der Silk Road“, die darüber hinaus zudem ganz oberflächlich Themen wie Cyberkriminalität, digitale Währungen, Cryptographie und Hacker-Ethos anschneidet.

Regisseur Alex Winter kombiniert in „Deep Web – Der Untergang der Silk Road“ sowohl Originalaufnahmen und O-Töne mit Animationen sowie aussagekräftigem Bild- und Tonmaterial, das die Zuschauer mit der Materie auf sehr einfache und anschauliche Art vertraut macht. Selbst denjenigen, die sich bisher nicht mit dem Fall „Ross Ulbricht“, der „Silk Road“ oder den damit verbundenen Themen auseinandergesetzt haben, wird dadurch die Möglichkeit gegeben, interessante und recht simpel dargestellte Einblicke rund um das Deep Web und die Machenschaften der „Silk Road“ zu erhalten.

Weder wertend noch allzu tief werden die rein sachlichen Informationen hier präsentiert. Dies ist einerseits gut, bleibt damit eine gewisse Objektivität gewahrt, sodass sich der Zuschauer selbst ein verhältnismäßig unverfälschtes Bild des Ganzen machen kann, andererseits wünscht man sich phasenweise in allen Belangen ein wenig mehr; mehr Hintergrundinformationen, mehr Details, mehr Klarheit, mehr Tiefgang.
So wie auch Ross Ulbricht, der auf die Wiederaufnahme seines Falls wartet und – gemeinsam mit seinen Eltern, die ebenfalls hier zu Wort kommen und in ihrem Kampf für ihren Sohn filmisch begleitet wurden – seine Unschuld beteuert, muss sich auch der Zuschauer damit abfinden, die Wahrheit noch nicht zu erfahren, denn „Deep Web – Der Untergang der Silk Road“ zeigt deutlich, dass neben den belastenden Beweisen ebenso viele Fragen noch ungeklärt bleiben und selbst korrupte Behörden und kriminelle Ermittler in diesem Zusammenhang nicht auszuschließen sind.

Schuldig oder nicht? Der Fall Ross Ulbricht in "Deep Web - Der Untergang der Silk Road" (Copyright: Koch Media)

Schuldig oder nicht? Der Fall Ross Ulbricht in „Deep Web – Der Untergang der Silk Road“ (Copyright: Koch Media)

Im Rahmen ihrer Möglichkeiten überzeugt die Dokumentation allerdings, und gerade der neutrale Blick auf den „Untergang der Silk Road“ und die aufklärende Berichterstattung zum Deep Web inklusive seiner Vor- und Nachteile erweitern den Horizont aller Interessierten auf angenehme und – für eine Doku doch untypisch – lockere, nicht trockene Weise.

Wer nun noch den Namen Keanu Reeves auf dem Cover der Veröffentlichung liest, sich aber wundert, den Schauspieler während der knapp 90-minütigen Reportage nicht zu Gesicht zu bekommen, dem sei gesagt, dass Reeves in der Originalfassung (sowie seine deutsche Synchronstimme in vorliegender Variante) die Dokumentation in der Rolle des Sprechers begleitet.

Wer mehr Wissen über das bedeutendste Digitalverbrechen des Jahrhunderts anhäufen möchte, dabei Wert auf eine informative und neutrale Berichterstattung legt, jedoch mit vorläufigen Ungeklärtheiten leben kann, der sollte sich „Deep Web – Der Untergang der Silk Road“ dringend anschauen.

Trailer

Inhalt

Deep Web gewährt Einlass in das Innere, rund um die Story eines der bedeutendsten Digitalverbrechen des Jahrhunderts.

In den geheimen Ecken des Internets – Deep Web für die einen, Dark Web für die anderen – wird mit gestohlenen Identitäten, illegalen Substanzen und geheimem Wissen gehandelt. Die Silk Road, das „Ebay für Drogen“, wird innerhalb weniger Monate zum heiß umkämpften Umschlagsplatz für alles Verbotene. Das Gehirn hinter der von FBI und Europol ins Visier genommenen Webseite ist im Deep Web nur unter dem Pseudonym DPR – Dread Pirate Roberts – bekannt. Als das FBI im Oktober 2013 bekannt gibt, DPR alias Ross Ulbricht festgenommen zu haben, scheint die steile Karriere des Paten des Dark Webs beendet. Doch haben die Ermittler wirklich den echten DPR in Gewahrsam? Oder ist Ulbricht nur ein Bauernopfer sehr viel mächtigerer Interessen?

In die Welt aus Cryptographie und Hacker-Ethos, aus digitalen Währungen und undurchsichtigen Machenschaften begibt sich Regisseur Alex Winter in seiner Dokumentation über die kaum bekannte Schattenseite des Internets. Das Ergebnis: Die Innenansicht eines unsichtbaren Kriegs zwischen Staatsmacht und ihren zu allem entschlossenen High Tech-Gegnern, gegen die Anonymus wie blasse Keyboard-Kiddies wirken.

(Quelle: Koch Media)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Infoprogramm
Studio: Koch Media GmbH – DVD
Erscheinungstermin: 14.04.2016
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 86 Minuten

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde