Review

Das Unglück am Djatlow-Pass

Als „Unglück am Djatlow-Pass“ ging der bis dato ungeklärte Tod von neun Skiwanderern im nördlichen Ural in der Sowjetunion im Jahr 1959 in die Geschichte ein.

Der genaue Ablauf des Vorfalls ließ sich – auch trotz wiederaufgenommener Ermittlungen im Jahr 2019 – nicht rekonstruieren, da es keine Überlebenden gab. Untersuchungen der Todesfälle kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass die Wanderer wahrscheinlich ihr Zelt von innen aufschlitzten und dieses barfuß und leicht bekleidet verließen. Die Leichen zeigten keine Anzeichen eines Kampfes auf, allerdings hatten zwei Opfer Schädelbrüche, zwei gebrochene Rippen und innere Verletzungen. Dies alles ließ viel Platz für Spekulationen; die Theorien zur Unglücksursache und zu dessen Verlauf reichen auch bis heute noch von Lawinenabgängen über geheime Waffentests bis hin zu außerirdischen Störungen.

Rezeption des Unglücks als Serie

Basierend auf diesen wahren Begebenheiten nimmt sich die russische Serie „Dead Mountain: Djatlow-Pass – Tod im Schnee“ den mysteriösen Todesfällen an.

Aufgeteilt in acht Episoden, die jeweils einer beteiligten Person gewidmet sind, präsentiert sich das Geschehen in zwei Handlungssträngen. Erzählt werden zum einen die Ermittlungsarbeiten, zum anderen zeigt die Serie die Expedition und die Entstehung des Unglücks.

Visualisiert werden diese beiden inhaltlichen Ebenen durch den Wechsel zwischen farbigem und schwarz-weißem Bild sowie durch unterschiedliche Bildverhältnisse.

Damit nicht genug, werden zudem Rückblicke in die Vergangenheit integriert. Dies trifft besonders auf die Screentime des Ermittlers und KGB-Majors Oleg Dmitrijewitsch Kostin zu, der vom Krieg gezeichnet ist, was durch die eingebundenen Kriegsszenen verdeutlicht wird.
Ebenso kommen Bilder und Tagebucheinträge der Verstorbenen zum Einsatz, die den Machern (neben geheimem Material des Falls) zur Verfügung standen und als Basis für die dokumentarische Genauigkeit der Serie dienen.

Das alles mag auf den ersten Blick ein wenig verwirrend wirken und so braucht manch eine/r ein wenig mehr Zeit, um Zugang zur Serie zu finden. Diese Zeit sollte man sich jedoch genau dann nehmen, wenn man an „True Crime“ Verfilmungen interessiert ist. Diesbezüglich gibt sich „Dead Mountain: Djatlow-Pass – Tod im Schnee“ nämlich sehr viel Mühe und orientiert sich stets nah an den Fakten.

Die Figuren

So finden hier u.a. viele reale Persönlichkeiten und nur wenige fiktive Figuren Eingang in die Serie, die zudem noch sehr passend besetzt sind; was nicht zuletzt durch die optischen Ähnlichkeiten der Schauspieler:innen zu den realen Personen ersichtlich wird:

Durch den Raum, den man den einzelnen gewährt, wodurch man jene genauer kennenlernen kann, ergibt sich eine gewisse Nähe zu den Beteiligten. Das schürt das Mitgefühl für ihr ungeklärtes Schicksal und die Spannung der Serie.

Dabei befeuert nicht nur jede Charakterdarstellung, sondern auch die Offenheit der Serie für die unterschiedlichen Theorien, ebenjene. Konkrete Antworten liefert damit auch „Dead Mountain: Djatlow-Pass – Tod im Schnee“ nicht, regt aber zum Nachdenken und Überdenken an und verbindet die einzelnen Theorien mit plausiblen Erklärungsansätzen. Dadurch vermischen sich zuweilen auch Mystery-Aspekte mit Verschwörungstheorien und Naturgewalt-Erklärungen.

Fazit

Die „künstlerische“ Herangehensweise der Regisseure mag nicht jedermanns Sache sein, sie trägt aber gleichzeitig dazu bei, dass die Zuschauer:innen beinahe direkt dem Geschilderten beiwohnen. Darüber hinaus widmet sich „Dead Mountain: Djatlow-Pass – Tod im Schnee“ auf respektvolle Art und Weise einem Unglück, das durch die Serie noch einmal ins Gedächtnis gerufen wird. True Crime- und Geschichtsfans sollten einen Blick riskieren.


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Trailer

Handlung

Januar 1959, Sowjetunion: Neun Studenten verschwinden auf ihrer Skiwanderung im Ural spurlos. Ein Suchtrupp kann schließlich das letzte Lager der Vermissten ausfindig machen, doch dort bietet sich ihnen ein grauenvoller Anblick: Die teilweise entblößten und verstümmelten Leichen der Wanderer liegen in weitem Umkreis unterhalb der Überreste ihres Zeltes. Vor wem oder was sind sie geflohen? Warum sind sie gestorben, und wie? Zur Lösung des Falls wird Oleg Kostin, KGB-Major und Weltkriegsveteran, hinzugezogen. Gemeinsam mit der Gerichtsmedizinerin Katja Schemanova soll er das Rätsel unter strengster Geheimhaltung aufklären. Doch je mehr Oleg erfährt, desto klarer wird, dass die Hintergründe niemals an die Öffentlichkeit gelangen dürfen. Niemand darf jemals erfahren, was wirklich passiert ist. Niemand außer ihm.

(Quelle: LEONINE)

Episoden

01 Kostin
02 Judin
03 Zolotarjow
04 Ljuda
05 Katja
06 Kostja
07 Witja
08 Igor

Details

Bildformat: 2,40:1 (1080p/25), 1,78:1 (1080p/25)
Tonformat: DTS-HD MA 5.1, DTS-HD MA 2.0
Sprachen: Deutsch, Russisch
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: LEONINE
Erscheinungstermin: 12.11.2021
Spieldauer: ca. 394 Min.

Copyright Cover: © 2021 LEONINE Studios



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde