Review

2018 machte sich Regisseur Andreas Prochaska daran, ein achtteiliges Sequel des Spielfilms „Das Boot“ (nach den Romanen von Lothar-Günther Buchheim) zu kreieren. Herausgekommen ist dabei eine preisgekrönte High-End-Serie um die Mission einer deutschen U-Boot-Crew im Zweiten Weltkrieg und das Schicksal einer jungen Frau zwischen Vaterland, der Résistance und einer gefährlichen Liebe – und damit insgesamt eine der teuersten deutschen Serienproduktionen.

Drama und Tragik vor der Historizität

High-End wirkt auch die geschniegelte und gestriegelte U-Boot-Besatzung, die außer ein paar mit Wasser simulierte Schweißperlen optisch wenig von den Strapazen eines solchen Einsatzes erahnen lässt.

Nicht nur diesbezüglich driftet man augenscheinlich teils weit von der Historie ab. Auch die Geschichte um die junge U-Boot-Besatzung mitten im Zweiten Weltkrieg, die ein Jahr nach den Ereignissen vom Film „Das Boot“ spielt, hält sich nicht ausschließlich an die Fakten. Unterhaltung in Form von Drama und Tragik steht daher eindeutig vor der Historizität.

So wundert es zwar nicht, dass „Das Boot – Staffel 1“ – mit zusätzlichen Elementen eines Agententhrillers und (Familien)Dramas – mehr möchte, als nur einen U-Boot-Krieg zu thematisieren. Dennoch werden die Atlantikschlacht des Zweiten Weltkriegs, die hier als zeitlicher und inhaltlicher Rahmen dient, sowie die damit einhergehenden U-Boot-Szenen überraschend wenig fokussiert.

Indem man versucht, möglichst viele Facetten, Widrigkeiten und Gräuel des Zweiten Weltkriegs innerhalb der Serie anzuschneiden, driftet man nicht nur zu sehr vom eigentlichen U-Boot-Geschehen ab, sondern bleibt dabei aufgrund der Masse an Themen zu oft auch zu oberflächlich. Dies betreffend wäre weniger definitiv mehr gewesen.

Das alles kommt im (für eine deutsche Produktion nicht untypischen) oftmals schwer verständlichen Ton bei den Zuschauern an, die somit hin und wieder Mühe haben, allen (manchmal zu nuschelig dargebotenen) Dialogen und geschrienen Befehlen zu folgen.

Was man an Effekten geräusch- und wirkungsvoll einsetzt, versäumt man daher leider bei der deutschen Sprachausgabe.

Die Besatzung bzw. Besetzung

Als neuer Kaleun hat der wenig erfahrene Klaus Hoffmann (Rick Okon) das Kommando – zum Ärger des älteren 1. Wachoffiziers Karl Tennstedt (August Wittgenstein) in „Das Boot – Staffel 1“ übertragen bekommen. (Copyright: WDR mediagroup / Release Company)

Bei der Besatzung respektive Besetzung von „Das Boot – Staffel 1“ trumpft man hingegen mit einigen bekannten Namen auf, die ihre Rollen auch ansprechend verkörpern.

So sind beispielsweise neben Rick Okon (u.a. „Die verlorene Tochter“) noch Rainer Bock (u.a. „Der Überläufer“, „Die Auserwählten“), Lizzy Caplan (u.a. „Die Unfassbaren 2 (Now You See Me)“) und James D’Arcy („Marvel’s Agent Carter – Die komplette Serie“, „Virtuality – Killer im System“) zu sehen.

Einzig ein paar markante Ecken und Kanten vermisst man bei den Charakteren. Zu häufig huscht die Mehrheit der Figuren lediglich sehr „glattgebügelt“ und für eine Kriegsserie doch recht sauber und ordentlich über den heimischen Bildschirm.

Fazit

Für jene Zuschauer, die der Historizität nicht allzu viel Genauigkeit beimessen, stellt „Das Boot – Staffel 1“ trotz einiger Kritikpunkte eine großartige Serie dar, die mit teils opulenten Bildern beeindrucken kann. Als eigenständige Produktion, die man nicht mit Petersens Film 1:1 vergleichen sollte, kann sie sich durchaus behaupten und mit einigen Schauwerten aufwarten.

Trailer

Handlung

Knapp 40 Jahre nach dem weltberühmten Meisterwerk von Wolfgang Petersen sticht „Das Boot“ wieder in See!

Frankreich, 1942: Im U-Boot-Hafen von La Rochelle bereitet sich die 40 Mann starke Besatzung der U-612 auf ihre Jungfernfahrt vor. Vor den jungen Männern liegt eine unbekannte Mission in der immer erbarmungsloser geführten Atlantikschlacht des Zweiten Weltkriegs. Als neuer Kaleun hat der wenig erfahrene Klaus Hoffmann (Rick Okon) das Kommando – zum Ärger des älteren 1. Wachoffiziers Karl Tennstedt (August Wittgenstein). Im Laufe der Mission werden Können, Loyalität und Kameradschaft der gesamten Mannschaft auf eine harte Probe gestellt. Gleichzeitig kommt Simone Strasser (Vicky Krieps) auf der Basis an, um als Übersetzerin für Gestapo-Chef Hagen Forster (Tom Wlaschiha) zu arbeiten. Simones Bruder Frank (Leonard Scheicher) ist ebenfalls in La Rochelle stationiert. Kurz nach ihrem ersten Wiedersehen bittet Frank seine Schwester um einen Gefallen, der ihr Leben für immer verändern wird. Bald ist Simone gezwungen, alles zu hinterfragen, woran sie bisher geglaubt hat.

(Quelle: WDR mediagroup / Release Company)

Episoden

01 Neue Wege
02 Geheime Missionen
03 Verluste
04 Zweifel
05 Loyalität
06 Gegen die Zeit
07 Verdammt
08 Abrechnung

Details

Sprache: Deutsch, Originalversion (Deutsch, Englisch, Französisch)
Ton: Dolby Digital 5.1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bildseitenformat: 16:9 / 2.00:1
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: WDR mediagroup / Release Company
Erscheinungstermin: 06.12.2019
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 461 Minuten

Copyright Cover: WDR mediagroup / Release Company



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde