Review

Das Motiv des Vampirs in der Literatur und im Film ist so alt wie beliebt. Und doch war es vor allem Bram Stoker, der mit seinem Roman „Dracula“ das Bild des Blutsaugers konkretisierte und prägte. Seine Geschichte war und ist ein beliebter Stoff zum Verfilmen und auch heute noch verfehlt insbesondere Francis Ford Coppolas Version „Bram Stoker’s Dracula“ seine Wirkung nicht.

Da Bram Stokers Klassiker der Horrorliteratur auch unter der Regie von Dario Argento eine „blutige Neuinterpretation“ erfahren soll, muss sich sein Werk u.a. an Coppolas Vorlage messen lassen. Dies gelingt ihm nur bedingt.

Thomas Kretschmann als Dracula (Copyright: Koch Media GmbH)

Thomas Kretschmann als Dracula (Copyright: Koch Media GmbH)

Angekündigt als „kultverdächtiger Vampirfilm des Horror-Altmeisters“ schürt man die Erwartungen der Zuschauer. Erfüllen kann man diese dann jedoch nicht ganz, denn es scheint, dass Argento seine Ansprüche in der Theorie sehr hochgeschraubt, diese in der Praxis aber nicht umgesetzt hat.

Es ist nicht so, dass „Dario Argentos Dracula“ komplett versagt, dennoch weist er viele Kritikpunkte auf, die im Folgenden neben den positiven Aspekten erwähnt werden sollen.

„Dario Argentos Dracula“ beginnt mit einem ausgiebigen Intro, das mit atmosphärischer Musik unterlegt ist, die überwiegend von einem Theremin getragen wird. Dies trägt nicht nur zur Stimmung außerordentlich bei, sondern vermittelt auch subtil den Horror-Faktor.

Die Musik des Films ist an dieser Stelle zudem explizit zu erwähnen, denn das Simonetti Project leistet insbesondere mit ihrem Titeltrack „Kiss me Dracula“, dessen dazugehöriges Musikvideo zusätzlich in voller Länge unter dem Bonusmaterial zu finden ist, ganze Arbeit. Weiblicher klassischer Gesang, orchestrale Elemente, immer wieder eine Spur Symphonic Metal und das bereits erwähnte Theremin, welches auch innerhalb des Films als Soundeffekt zum Einsatz kommt, machen „Kiss me Dracula“ aus. Der Song bestätigt nicht nur das Simonetti Project in seiner Rolle als Titelmusik-Lieferant, sondern macht auch neugierig auf weitere musikalische Ergüsse dieser kreativen Köpfe.

Zurück zum Film. Schnell wird deutlich: man setzt nicht auf Special Effects, um die Atmosphäre aufrechtzuerhalten, sondern orientiert sich an klassischen Zugaben wie Musik, Dunkelheit und lange Szenen ohne Dialoge. Indem beispielsweise eine Frau einsam durch den nächtlichen Wald läuft, dabei von Tierlauten, knackendem Geäst und anderen typischen Geräuschkulissen begleitet wird, soll die Spannung in die Höhe getrieben werden.

Von „spektakulären Farbeffekten“ merkt man hingegen wenig, auch die beispielsweise durch Pappmasché gebauten Kulissen sind als solche erkennbar.
Da dieser Stil jedoch auf ganzer Länge durchgezogen wird, ein Nostalgiker-Touch lässt sich nicht absprechen, wirkt „Dario Argentos Dracula“ in dieser Hinsicht wenigstens konsequent, wenn auch etwas altbacken.

Dario Argento macht kurzerhand aus Dracula ein Insekt. (Copyright: Koch Media GmbH)

Dario Argento macht kurzerhand aus Dracula ein Insekt. (Copyright: Koch Media GmbH)

Die Idee, Dracula hin und wieder mutieren zu lassen, ist prinzipiell gut; oftmals trifft man den berühmten Blutsauger dadurch in seiner Gestalt als Wolf an. Argento geht jedoch einen Schritt weiter und lässt ihn u.a. zu einem riesigen Insekt werden. Innovativ ist das zwar, allerdings sieht die Szene auch sehr künstlich aus und will einfach nicht in das Ambiente des Films passen. Eher wird der Eindruck des Skurrilen vermittelt. Man könnte sich damit arrangieren, wenn es ins Gesamtbild des Films passen würde, da es dies aber nicht unbedingt tut, ist es ausschließlich gewöhnungsbedürftig.

Auch der Erotik, in Coppolas Inszenierung deutlich spürbar und effektiv eingesetzt, widmet man sich hier nur halbherzig. Zwar trifft man auf barbusige Frauen, der Schwerpunkt von Argentos Verfilmung liegt allerdings nicht auf der subtil-erotischen Anziehung Draculas oder jener zwischen Dracula und Mina.

Rutger Hauer als van Helsing (Copyright: Koch Media GmbH)

Rutger Hauer als van Helsing (Copyright: Koch Media GmbH)

Dies liegt jedoch nicht an der schauspielerischen Leistung. Der Cast ist durchaus namhaft und passend für die jeweiligen Rollen ausgesucht. Ein Thomas Kretschmann (u.a. bekannt durch seine Nebenrollen in „Der Pianist“, „Blade II“, „Der Untergang“ oder „King Kong“) als Dracula oder Rutger Hauer (u.a. „Blade Runner“) als van Helsing machen ihre Sache sehr gut, auch wenn Hauer – zur Enttäuschung seiner Fans – erst sehr spät in Erscheinung tritt.

Alles in allem ist „Dario Argentos Dracula“ ein weiterer Versuch, Bram Stokers „Dracula“-Geschichte filmisch zu inszenieren. Dabei macht der Film viel vom eigenen Geschmack der Zuschauer abhängig und wird somit die Meinung des Publikums spalten.
Die neuen Elemente wie Draculas Mutation zum Insekt werden polarisieren. Technisch steckt sicherlich viel Aufwand hinter dem Film, ersichtlich ist dies allerdings nicht. Mit der farblichen Umsetzung freundet man sich an, da „Dario Argentos Dracula“ diesbezüglich in sich stimmig wirkt. Wer alles von „Dracula“ haben muss, der darf auch hier zugreifen. In der Vielzahl an Veröffentlichungen gibt es jedoch bessere Alternativen, zumal vom Horror-Altmeister nicht viel zu spüren ist, unerklärlich daher auch die Freigabe ab 18 Jahren.

Trailer

Inhalt

Der unbescholtene Buchhalter Jonathan Harker macht auf seiner Reise von England nach Transsylvanien zum Schloss des Grafen Dracula eine grausame Entdeckung: Der umtriebige Graf verhält sich alles andere als adelig und labt sich bei seinen nächtlichen Spaziergängen am Blut der Dorfbewohner. Als Jonathan die Flucht aus dem Horrorschloss gelingt, hat der Spuk jedoch kein Ende. Dracula hat ein Auge auf Harkers Frau Mina und deren Freundin Lucy geworfen. Jetzt kann nur noch einer helfen: Vampirjäger Professor Abraham Van Helsing …

(Quelle: Koch Media GmbH)

 

Details

Format: Dolby, DTS, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Englisch (DTS 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Koch Media GmbH – DVD
Erscheinungstermin: 28.08.2014
Produktionsjahr: 2012
Spieldauer: 106 Minuten
Bonus: Musikvideo / Behind the Scenes / Dario Argentos beim Slash Filmfestival / Trailer (deutsch, englisch, italienisch) / Teaser 1-5

Copyright Cover: Koch Media GmbH



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde