Review

Nackte Hintern und Brüste – manchmal braucht es nicht mehr. Und manchmal ist auch nicht mehr drin als das. Aber reicht das?

„Dai Shogun – Der große Wandel“ erzählt die Geschichte des jungen Mannes Keiichirou, welcher den direkten Nachfolger des Shoguns bildet. Doch auch die Kontrolle eines riesigen Roboters im alten Japan und die Aussicht auf die alleinige Herrschaft werden durch die Bedingung, seine Jungfräulichkeit zu behalten, (zumindest für Keiichirou) getrübt.

Kunterbunte Action - Dieser Anime sprüht mit Farbe nur so über. (Copyright: 2014 Project-D)

Kunterbunte Action – Dieser Anime sprüht vor Farbe nur so über. (Copyright: 2014 Project-D)

Erschwerend kommen die vielen hübschen Mädchen hinzu, die in das Leben des Protagonisten treten. Denn bei so viel Versuchung hört die Story schon mal auf und der obligatorische Ecchi-Plan beginnt. Daher wundert man sich spätestens ab der zweiten Disc, ob „Dai Shogun“ sich selbst nun gar nicht ernst nimmt oder wirklich etwas Tiefe in das Gemisch aus Comedy, Battle und Mecha-Action zu versuchen bringt.

Das ist ein hauptsächlicher Kritikpunkt an der Serie, denn hätte man weiter die Linie von blödsinnigem Humor, perversen Anspielungen und komplett überzogenem Character-Design weiter verfolgt, wäre „Dai Shogun“ ein durchweg unterhaltsamer Anime geworden. Aber leider versucht man in diversen Folgen Emotionen aufkommen zu lassen, die schlichtweg von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind.

Dabei machen die Figuren an sich einen recht guten Eindruck. Es liegt einfach an dem nur so mit Klischees überfließenden Verhalten, was sie an den Tag legen. Und an diesem Punkt drückt einem „Dai Shogun“ diese Elemente förmlich auf. Was nicht mal wirklich schlimm ist, da ein Slapstick-Witz den nächsten jagt und die allgemeinen Züge der Protagonisten auch ab Folge eins direkt ansprechen. Vielleicht nicht auf einer emotionalen, aber einer sympathischen Ebene.

Dies spiegelt sich auch in der Optik von „Dai Shogun – Der große Wandel“ wider. Es handelt sich hier um einen farbenfrohen und detailreichen Anime, der die meiste Zeit wirklich sehr schön anzusehen ist. Auch neu erscheinende Charaktere überzeugen mit abwechslungsreichem Design. Zudem ist die Vermischung des Steampunk-Themas in den Robotern durchweg gut gelungen. Die riesigen Maschinen wirken auf das Samurai-Genre zwar etwas einschneidend, frischen „Dai Shogun“ aber auf und mit jeder weiteren Monstrosität, die auftaucht, fragt man sich schon, wie die nächste wohl aussehen mag.

So ganz ohne anzügliche Szenen kommt der Anime dann doch nicht aus. Fans des Fanservice dürfen sich freuen! (Copyright: 2014 Project-D)

So ganz ohne anzügliche Szenen kommt der Anime dann doch nicht aus. Fans des Fanservice dürfen sich freuen! (Copyright: 2014 Project-D)

Während man in den Anime zunächst sehr gut einsteigen kann, sind die Animationen zum großen Teil eine Enttäuschung. Flüssige Bewegungen bilden eher die Ausnahme und werden durch feststehende Bilder abgelöst, dessen Animationen oft nur durch einen leichten Schütteleffekt des Bildes stattfinden. Aber immerhin hat man an so gut wie jeder Stelle einen schönen Screenshot für den Hintergrund des PCs oder Smartphones. Entweder floss all dies ausschließlich in das Intro oder in die Kampfszenen der Roboter.

Denn diese sind im Vergleich dazu um Welten besser. Siehe da, die einzelnen Bilder schaffen es wirklich, die Illusion einer Bewegung zu erzeugen. In diesen Momenten reißt der Anime wirklich mit heißen Gefechten und epischen Duellen mit, in denen Metall auf Metall kracht und die Funken fliegen. Definitiv die Highlights von „Dai Shogun – Der große Wandel“, auch wenn die Gefechte in den ersten Episoden nie wirklich lange anhalten.

Ein weiterer Pluspunkt ist der Soundtrack. Mit dem Opening kriegt man sofort die Portion Akustik und visuellen Reiz, die einen gut auf den Anime einstimmen. Und auch zwischendurch treibt die Musik die Szenen gut an oder steuert etwas zu den Geschehnissen bei, in denen der Kampf nicht gerade in der Luft liegt.

Kurz noch eine Anmerkung zur Vertonung der Serie. „Dai Shogun – Der große Wandel“ erscheint ausschließlich mit der japanischen Original-Synchronisation. Fans werden sich damit wohl zufriedengeben, wer aber nicht gerade ein Fan von Untertiteln ist, sei an dieser Stelle vorgewarnt. Auf der anderen Seite kann man allerdings auch nie wissen, ob es so vielleicht nicht auch besser ist, bevor man halbherzig eingesprochene deutsche Texte hingeworfen bekommt, in denen jegliches Herz zur Sache fehlt.

Die Vermischung von Mecha-Action und dem historischem Japan sorgt für frische Szenen. (Copyright: 2014 Project-D)

Die Vermischung von Mecha-Action und dem historischem Japan sorgt für frische Szenen. (Copyright: 2014 Project-D)

Handelt es sich hier um einen guten Anime? Er ist leider nur in Ordnung. Es wurde hier eine Menge Potenzial verschwendet. Die schlüpfrigen Szenen arten gerne mal in pubertäres Gehabe aus und „Dai Shogun – Der große Wandel“ schreitet so sehr über die Grenze der Ernsthaftigkeit hinaus, dass man aus diesem Anime für sich selbst scheinbar nichts mitzunehmen scheint. Allgemein ist das Design gut gelungen, was angesichts der doch unterirdischen Animationen aber schon fast wieder egal ist.

Dennoch kann man den einen oder anderen Lacher dann doch nicht unterdrücken, besonders weil die stumpfen Situationen keine andere Möglichkeit mehr bieten. Simple Charaktere, mit denen man sich gut abfinden kann, und ansehnliche Kampfszenen bilden das Herzstück des Animes. Vielleicht braucht es seine Zeit, bis man mit „Dai Shogun – Der große Wandel“ richtig warm wird oder man versucht nicht allzu viel hineinzuinterpretieren und lässt die Geschehnisse einfach auf sich wirken.

Handlung

Dai Shogun – Der große Wandel spielt im Japan, das die Meiji-Restauration nie erlebt hat. Die schwarzen Schiffe der Amerikaner wurden durch riesige Roboter, Onigami genannt, zerstört und das Shogunat konnte abgetrennt vom Rest der Welt weiterbestehen. Jahre später erfährt der junge Mann Keiichirou, dass er ein Nachfahre des Shoguns ist und daher den Onigami Susanoo steuern soll. Nur widerwillig will er sich seinem Schicksal hingeben, denn eine Bedingung dafür lautet, dass er seine Jungfräulichkeit nicht verlieren darf. Erschwert wird dies vor allem durch die ganzen Mädchen, die nun nacheinander in sein Leben treten …

(Copyright: Nipponart)

Details

Format: PAL
Sprache: Japanisch (PCM Stereo)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Bee Train
Publisher: Nipponart
Erscheinungstermin: 30.10.2015
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: ca. 300 Minuten
Extras: Postkarten

Copyright Cover: Nipponart



Über den Autor

Christopher