Review

Krimiserien, in denen der Fokus auf der Gerichtsmedizin liegt, gibt es inzwischen viele, eine mit einer recht introvertiert wirkenden Hauptdarstellerin, die durch ihre eigenwillige Art regelmäßig die polizeilichen Ermittlungen durchkreuzt oder gar das Kommando übernimmt, gibt es wohl nur in Form von „Crossing Jordan“. Und diese Gerichtsmedizin-Krimiserie aus Amerika fällt erfrischend unauffällig amerikanisch aus, denn weder die Charaktere noch die einzelnen aufzuklärenden Todesfälle sind nach Schema F konzipiert.

Dies zeigt sich auch in Staffel 2 von „Crossing Jordan“, die im September 2015 auf DVD und Blu-ray über Koch Media veröffentlicht wurde.

Die Arbeit der Gerichtsmediziner steht dabei stets im Vordergrund der insgesamt 22 Episoden, die sich auf sechs DVDs verteilen, während die Polizeiarbeit als nettes sowie nötiges Beiwerk der Form halber seinen Platz findet.
Ferner sind es nicht nur typische Mordfälle, die es zu lösen gilt, sondern mal ist das Team durch eine Seuche selbst in Gefahr, mal werden die Ausmaße einer Katastrophe oder eines Anschlags und der (gerichtsmedizinische) Umgang damit thematisiert. Der Zuschauer erhält damit authentisch wirkende Einblicke in die Arbeit der Gerichtsmedizin und bekommt gleichzeitig eine klassische Krimiserie geboten.

Darüber hinaus gibt es allerdings auch einige Parallelen zu den Platzhirschen am Markt der Krimiunterhaltung, denn weder ganz ohne Klischees noch ohne bewährte Zutaten kommt „Crossing Jordan“ aus.
So spielen selbstredend auch die Vergangenheit der Protagonistin und ihre damit einhergehenden persönlichen Probleme eine entscheidende Rolle und sorgen für weitere Handlungsstränge, die mal mehr und mal weniger mit der üblichen Krimikost zu tun haben.

Unter anderem führen beispielsweise die Beziehungsängste der Hauptfigur Dr. Jordan Cavanaugh jegliche zwischenmenschliche Annäherungsversuche scheinbar ad absurdum; trotzdem (oder gerade deswegen) werden diese des Öfteren in die Serie integriert. In sie ist zunehmend auch die männliche Figur, Detective Woody Hoyt, involviert, die ansonsten – statt mit der eigentlichen Arbeit als Polizist – mehr damit beschäftigt ist, besagte Dr. Cavanaugh aus misslichen oder gar lebensbedrohlichen Situationen zu befreien.

Ergänzt wird dieses Duo, das vor allem durch teils spitzzüngige Dialoge für Unterhaltung sorgt, von weiteren, vielschichtig angelegten Charakteren, die das Team um Jordan Cavanaugh komplettieren. Figuren mit Ecken und Kanten und immer auch einer sehr menschlichen Seite sind es, die „Crossing Jordan“ sehr sehenswert machen.

Die schauspielerische Leistung trägt dazu einiges bei. Vor allem Jerry O’Connell, der den jungen Detective Hoyt verkörpert, dürfte durch seine ausgeprägte Arbeit als Seriendarsteller dem einen oder anderen bekannt sein. Jill Hennessys Bekanntheitsgrad beschränkt sich hingegen vor allem in Deutschland vermutlich lediglich auf die titelgebende Rolle der Jordan Cavanaugh, doch auch sie macht hier eine gute Figur, zumal ihr Schauspiel wenig gekünstelt wirkt.

Das "Crossing Jordan"-Team der zweiten Staffel (Copyright: Koch Media)

Das „Crossing Jordan“-Team der zweiten Staffel (Copyright: Koch Media)

Sinnvoll ist es, bereits mit der ersten Staffel von „Crossing Jordan“ vertraut zu sein, denn gerade die persönlichen Dämonen der Hauptfigur kommen in Staffel 2 nicht nur erneut zum Vorschein, sondern vielmehr wird nahtlos an die diesbezüglichen bisherigen Geschehnisse angeknüpft. Das macht es für Neueinsteiger schwerer, die Hintergründe dieser Handlungsebenen und den Charakter der Figur nachzuvollziehen. Sieht man von den persönlichen Geschichten der einzelnen Rollen ab, sind die einzelnen Folgen – mit Ausnahme der Doppelfolge „Familiengeheimnis“ am Ende der zweiten Staffel – jedoch in sich abgeschlossen. Mordfälle werden geklärt, Todesursachen ermittelt und sterbliche Überreste identifiziert.

Wer auf Anhieb Sympathien für Jordan Cavanaugh entwickelt, der wird mit Staffel 2 von „Crossing Jordan“ auch auf seine Kosten kommen, denn man muss diese „Antiheldin“ schon mögen, um mit der Serie etwas anfangen zu können. Dann aber ist „Crossing Jordan“ eine unterhaltsame und abwechslungsreiche Alternative zu den üblichen Krimis.

Inhalt

Mindestens ebenso kompliziert wie die Fälle, die sie als Gerichtsmedizinerin lösen muss, gestaltet sich das Privatleben von Jordan Cavanaugh: Denn ob die vertrackte Beziehung zu ihrem Polizistenvater Max, die persönlichen Höhen und Tiefen im Privatleben ihrer Kollegen bei der Pathologie oder der fordernde Job zwischen Mord, Totschlag und anderen Gewaltverbrechen – der Alltag dieser genialen Gerichtsmedizinerin ist garantiert immer aufregend.

Erdacht von Serienexperte Tim Kring (HEROES) und mit Folgen aus der Feder von u.a. LOST-Mastermind Damon Lindelof.

(Quelle: Koch Media)

Episoden

DVD 01
01 Wieder zu Hause
02 Bombenalarm
03 Schatten der Vergangenheit

Extras: erweiterte Version der 1. Episode „Wieder zu Hause“ (auf Englisch und Deutsch)

DVD 02
04 Schuld und Sünde
05 Blind Date
06 Der Anschlag
07 Coming Out

DVD 03
08 Sackgasse Hollywood
09 Die Geister, die ich rief
10 Der Bastard
11 Familienbande

DVD 04
12 Stürmische Zeiten
13 Der Nylon-Killer
14 Der Lockvogel
15 Der unbekannte Tote

DVD 05
16 Tödlicher Qualm
17 Henkersmahlzeit
18 Feuer und Eis
19 Nasses Grab

DVD 06
20 Aus heiterem Himmel
21 Familiengeheimnis, Teil 1
22 Familiengeheimnis, Teil 2

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: German (Dolby Digital 2.0), English (Dolby Digital 2.0)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 6
FSK: ab 16
Studio: Koch Media GmbH – DVD
Erscheinungstermin: 10.09.2015
Produktionsjahr: 2006
Spieldauer: 978 Minuten

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde