Review

„Dieser Film ist all jenen gewidmet, die sich für Wahrheit und Gerechtigkeit einsetzen“ heißt es zu Beginn der Dokumentation „Cowspiracy – Das Geheimnis der Nachhaltigkeit“, für die sich Kip Andersen und Keegan Kuhn verantwortlich zeigen. Und ergänzen möchte man diese Widmung nach der Sichtung um den Hinweis, dass dieser Film all jene interessieren sollte, denen das Leben und Überleben auf unserem Planeten – auch in den nachfolgenden Generationen – wichtig ist, denn wie ernst es um Mutter Erde steht, veranschaulichen die beiden amerikanischen Dokumentarfilmer auf sehr aussagekräftige und investigative Art und Weise.

„Cowspiracy“ stellt dabei weder eine Hetzkampagne gegen industrielle Viehzucht und Agrarwirtschaft noch einen Werbefilm für Veganismus oder eine verschwörungstheoretische Reportage ohne Hand und Fuß dar. Vielmehr führt der Film den Zuschauern informative Fakten und Wahrheiten vor Augen, die viel zu häufig (und im Regelfall sogar von renommierten Umweltschutzorganisationen) verschwiegen werden – und gerade Wahrheiten, so wissen wir, sind nicht immer bequem. Es ist daher leicht, die Augen davor zu verschließen und das Denken (und vor allem Umdenken) den anderen zu überlassen. „Cowspiracy“ wird nun aber dem einen oder anderen, da bin ich mir sicher, die Augen öffnen, und das tut die Doku ohne erhobenen Zeigefinger oder missionarischen Charakter.

Unaufdringlich und ohne mutwillig belehren wollenden Touch holt „Cowspiracy“ die Zuschauer dort ab, wo die meisten von uns stehen, nämlich bei der teils unverschuldeten Unwissenheit, und hält sie damit bis zum Ende der 86-minütigen Reportage durch ihre aufschlussreiche, sachliche Aufklärungsarbeit bei der Stange.

Kip Andersen stellt sich eingangs mit allen Unwissenden auf eine Stufe, indem er seine eigene Unbedarftheit (teils auch auf ironische Art und Weise) verdeutlicht, sodass gemeinsam mit ihm und parallel zu den sich anhäufenden Informationen eine Entwicklung stattfindet, die vielleicht nicht bei jedem umgehend zum Umdenken, so aber doch zumindest zum Hinterfragen und Nachdenken anregt.

Da Andersen die eigenen Beweggründe für seine Verhaltensänderungen und darüber hinaus Lösungen für alternative Lebensweisen thematisiert, wird authentisch und mit persönlicher Note versehen ein Weg für die Zuschauer aufgezeigt, der für jeden, also auch für die eigene Person, möglich ist.
Es hätte zwar den Rahmen der Dokumentation gesprengt und ihren Fokus verschoben, wenn ausführlichere (praktische) Tipps oder mehr Umsetzungsmöglichkeiten in „Cowspiracy“ präsentiert worden wären als vorhanden sind, hilfreich wäre dies allerdings dennoch gewesen. Doch vorrangig geht es in der Doku um den Klima-Killer Nummer eins und der ist laut offiziellen Berichten und Statistiken nicht dort zu suchen, wie und wo man es uns oftmals fälschlich weismachen möchte.

So sind es u.a. Stichworte wie Klimakriege, Veganismus, Klimawandel, Lobbyisten, Treibhausgas-Emissionen, Überfischung, Regenwald-Rodungen, Fleischproduktion, Massentierhaltung, Futtermittel und Wasserverbrauch, die schon nach kurzer Zeit in „Cowspiracy“ fallen. Wie diese Begriffe in Zusammenhang stehen und was es damit genau auf sich hat, auch und vor allem global gesehen, wird nach und nach verdeutlicht, während die Ursache aller erwähnten Probleme – logisch, nachvollziehbar und mit Fakten untermauert – auf die industrielle Viehzucht und Agrarwirtschaft zurückgeführt wird. So wird schon bald ersichtlich, dass diese Problematik Dimensionen angenommen hat, die den meisten dank des Stillschweigens der Behörden und Umweltschutzorganisationen bisher vielleicht gar nicht so offensichtlich waren.

Das Tempo, in dem Kip Andersen den Zuschauer mit diesbezüglichen Fakten, Zahlen und Infos konfrontiert, ist gerade zu Beginn der Dokumentation recht schnell, um Einzelheiten prompt aufnehmen und verarbeiten zu können. Dies macht aber insofern nichts, da eine Visualisierung der Zahlen und Fakten – meist mittels Grafiken und Animationen, oft aber auch durch eindrucksvolle Filmaufnahmen vor Ort – perfekt gelungen ist und das Gesagte grafisch unterstützt.

Keegan Kuhn (links) und Kip Andersen (rechts) (Copyright: polyband Medien)

Keegan Kuhn (links) und Kip Andersen (rechts) (Copyright: polyband Medien)

Am Ende lässt „Cowspiracy“ die Zuschauer mit reichlich angehäuftem Wissen zurück, darunter beispielsweise die Tatsache, dass einige große Umweltschutzorganisationen wie moderne Wirtschaftskonzerne und keinesfalls neutral agieren, sich dadurch nur auf ausgesuchte Punkte respektive Projekte fokussieren, um so etwaige Sponsoren und Lobbyisten nicht zu verschmähen. Dass dadurch das eigentliche Problem unberührt bleibt oder gar bewusst ignoriert wird, stattdessen Umweltschutzziele, die nicht vordergründig sind, akribisch verfolgt werden, jene aber nur den sprichwörtlichen Tropfen auf dem heißen Stein bilden. Und dass Veganismus eine sinnvolle und eigentlich auch nötige Alternative darstellt, um ein globales Klima-Chaos bzw. den Kollaps der Erde zu verhindern.

Sympathische Dokumentarfilmer, die sich einem ernsten Thema widmen, das uns alle angeht – und dabei kommen sie ganz ohne Oberlehrerhaftigkeit aus. Selbst wenn man anschließend nicht sein Leben komplett umkrempeln möchte, so wird der Film „Cowspiracy“ definitiv zum Nachdenken und eventuell auch zum Diskutieren verleiten. Und damit ist ein Schritt in die richtige Richtung getan.

Trailer

Inhalt

Enthüllend wie „Blackfish“, inspirierend wie Al Gores „Eine unbequeme Wahrheit“: „Cowspiracy“ deckt die verheerenden Auswirkungen der industriellen Viehwirtschaft auf unseren Planeten auf und bietet nachhaltige Alternativen an, mit dem Ziel, Mutter Erde vor dem Kollaps zu bewahren. 

Industriell betriebene Viehzucht und Agrarwirtschaft sind unsere Klimakiller Nummer eins und damit hauptsächlich für die globalen Umweltprobleme verantwortlich. Dies geht aus einem offiziellen Bericht des Worldwatch Institutes hervor. Demzufolge werden weltweit mindestens 51 Prozent aller in die Erdatmosphäre freigesetzten Treibhausgas-Emisionen durch Nutztiere verursacht, während lediglich 13 Prozent auf den viel geschmähten Transportsektor entfallen. Aber warum wird diese wichtige Tatsache selbst von namhaften Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace, Sierra Club, Surfrider Foundation oder dem Rainforest Action Network mehrheitlich ausgeblendet? Genau das wollten die Dokumentarfilmer Kip Andersen und Keegan Kuhn herausfinden, als sie mit ihren Recherchen zu diesem wegweisenden Film begannen und die eben erwähnte Umweltschutzorganisationen mit unbequemen Fragen konfrontierten.

(Quelle: polyband medien)

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Details

Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Polyband / WVG
Erscheinungstermin: 18.03.2016
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: 86 Minuten

Copyright Cover: polyband Medien



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde