Review

„Die brillante Mademoiselle Neïla“ (Originaltitel „Le brio“) ist eine französisch-belgische Tragikomödie von Yvan Attal aus dem Jahr 2017. Diese wurde nicht nur 2018 für einen César in der Kategorie „Bester Film“ nominiert, sondern sie diente 2020 auch als Vorlage für Sönke Wortmanns neuesten Streich namens „Contra“. Damit wagte sich der Regisseur – nach „Der Vorname“ – bereits an die zweite Neuverfilmung eines französischen Stoffes. Und das Ergebnis gibt es nun auch für das Heimkino.

Für die männliche Hauptrolle konnte Christoph Maria Herbst gewonnen werden, der hier wieder in einer Paraderolle zu sehen ist, nämlich in diesem Fall als rassistischer und zynischer Uni-Professor Richard Pohl.

An seiner Seite – und damit nach kurzer Zeit schon mit ihm eine widerwillig ungleiche Zweckgemeinschaft bildend: Naima Hamid, gespielt von Nilam Farooq, eine junge Studentin mit Migrationshintergrund, die ihren Weg geht, obwohl sie dabei dem „Teufel“ die Hand schütteln muss. Inwiefern? Darüber klärt die folgende Inhaltsangabe näher auf.

Das war eine fremdenfeindliche Bemerkung zu viel

die Professor Richard Pohl (gespielt von Christoph Maria Herbst) seine Tätigkeit an der Universität kosten könnte.

Denn er droht von seiner Universität zu fliegen, nachdem er die Jura-Studentin Naima Hamid (Nilam Farooq) in einem voll besetzten Hörsaal beleidigt hat. Als das Video viral geht, gibt Universitätspräsident Alexander Lambrecht (Ernst Stötzner) seinem alten Weggefährten eine letzte Chance: Wenn es dem rhetorisch begnadeten Professor gelingt, die Erstsemestlerin Naima für einen bundesweiten Debattier-Wettbewerb fitzumachen, wären seine Chancen vor dem Disziplinarausschuss damit wesentlich besser. Pohl und Naima sind gleichermaßen entsetzt, doch mit der Zeit sammelt die ungleiche Zweckgemeinschaft erste Erfolge – bis Naima erkennt, dass das Multi-Kulti-Märchen offenbar nur einem Zweck dient: den Ruf der Universität zu retten.

(Quelle: Constantin Film)

Die sich daraus entspinnende Handlung, verpackt als sozialkritische Komödie, bietet nicht nur interessante Details über Rhetorik, Diskurs und die Kunst der Debatte, sondern kann darüber hinaus als Diskussionsanstoß genutzt werden. Das macht vor allem Student:innen und rhetorisch Interessierte zum Zielpublikum, dürfte darüber hinaus aber auch Herbst-Fans erfreuen.

Und das, obwohl seiner Figur einige unnötige (und mitunter auch bis zum Schluss unaufgeklärte) Aspekte (wie etwa die Relevanz des Todes seiner Tochter nach einem Autounfall für die eigentliche Handlung oder aber die fehlenden Gründe, warum Professor Pohl eigentlich ein Rassist ist) zugeschrieben werden. Hier hätte man sich gewünscht, dass diese entweder tiefergehend behandelt oder weggelassen worden wären.

Zwischen Komödie und Tragödie

Stattdessen liefert man an anderer Stelle sehr viele (zu viele?!) Themen, die der Film aufarbeiten respektive gestreift wissen möchte: Vorurteile, Alltagsrassismus, Perspektiven junger Menschen mit Migrationsproblemen sind nur einige wenige der vielen, zugegeben wichtigen Themenkomplexe, die „Contra“ aufgreift.

Nilam Farooq und Christoph Maria Herbst in der sozialkritischen Komödie „Contra“. (Copyright: Constantin Film)

Nicht immer ist dabei klar, ob in einigen Szenen gelacht werden soll oder darf. Somit bleibt auch der Film diesbezüglich oftmals ambivalent und der Spagat zwischen Komödie und Tragödie gelingt nicht immer.

Am Ende steht schließlich die Frage im Raum, wer wen für seine Vorteile ausgenutzt hat. Und inwieweit die Kooperation der beiden Hauptfiguren moralisch vertretbar ist. Eine Frage, die auch Naimas Freund Mo (gespielt von Hassan Akkouch) am Ende stellt. Auch hierin bietet sich die Möglichkeit für weitere Diskussionen im Anschluss an den Film, der (leider) durch ein eher typisch „deutsches“ Happy End unglaubwürdig und aufgesetzt wirkend nach knapp 104 Minuten seinen Abschluss findet.

Fazit

„Contra“ hält trotz seiner Zuordnung zur Komödie nur wenig Lacher parat, regt dafür aber ausgiebig zum Nachdenken an. Intelligente Dialoge und seine relevanten Themen heben den Film angenehm vom sonst meist eher belanglosen Berieselungsmaterial in diesem Genre ab.


Contra

Trailer

Handlung

Das war eine fremdenfeindliche Bemerkung zu viel:

Professor Richard Pohl (Christoph Maria Herbst) droht von seiner Universität zu fliegen, nachdem er die Jura-Studentin Naima Hamid (Nilam Farooq) in einem voll besetzten Hörsaal beleidigt hat. Als das Video viral geht, gibt Universitätspräsident Alexander Lambrecht (Ernst Stötzner) seinem alten Weggefährten eine letzte Chance: Wenn es dem rhetorisch begnadeten Professor gelingt, die Erstsemestlerin Naima für einen bundesweiten Debattier-Wettbewerb fitzumachen, wären seine Chancen vor dem Disziplinarausschuss damit wesentlich besser. Pohl und Naima sind gleichermaßen entsetzt, doch mit der Zeit sammelt die ungleiche Zweckgemeinschaft erste Erfolge – bis Naima erkennt, dass das Multi-Kulti-Märchen offenbar nur einem Zweck dient: den Ruf der Universität zu retten.

(Quelle: Constantin Film)

Details

Sprache / Ton: Deutsch (DTS-HD 5.1 / Dolby Digital 2.0, Hörfilmfassung (DD 2.0)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch
Bildseitenformat: 2.39:1 in 16:9
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Constantin Film
Erscheinungstermin: 07.04.2022
Produktionsjahr: 2020
Spieldauer: ca. 104 Minuten
Extras: Character Pod – Nilam Farooq, Character Pod – Christoph Maria Herbst, Musikvideo „Use Me“ – Joy Denalane, Making-of Musikvideo

Copyright Cover: Constantin Film



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde