Review

>Eine Frau schreibt Geschichte<

Sidonie-Gabrielle Claudine Colette (1873-1954) war eine französische Schriftstellerin, Varietékünstlerin und Journalistin. Sie verstand es (laut Wikipedia), „in ihren Romanen Frauengestalten und Frauenschicksale psychologisch einfühlsam und lebensnah zu beschreiben. Ihr unkonventioneller Lebensstil schlug sich auch in ihren Werken nieder, insbesondere darin, dass sie sich dort kritisch mit der Ehe auseinandersetzt und die Sexualität der Frau nicht tabuisiert.“

Das fand nicht nur großen Anklang bei einer vorrangig weiblichen Leserschaft, ihr bewegtes Leben bot darüber hinaus genügend Anreiz, es immer wieder auf die Bühnen und Leinwände zu bringen.

Zeitaktuelles Biopic

Auch Regisseur Wash Westmoreland nimmt sich dem Leben dieser außergewöhnlichen Frau an und widmet ihr sein Biopic „Colette“. In Zeiten von Urheberrechtsdiskussionen, Gleichstellungsbeauftragten und Frauenquoten wirken der Film und die für die damalige Zeit moderne Protagonistin auch heute noch äußerst aktuell.

Worum gehts?

Durch die Heirat mit dem Autoren Willy zieht die junge Colette aus dem ländlichen Frankreich ins turbulente Paris und wird dort Teil der intellektuellen und kulturellen Elite. Als Willy von einer Schreibblockade geplagt wird, springt Colette als Ghostwriterin ein; nicht ahnend, dass ihre halbautobiografischen Romane unter dem Namen ihres Mannes zu Bestsellern avancieren werden. Den außerehelichen Kapriolen ihres Gatten überdrüssig, drängt es Colette zudem immer mehr danach, aus seinem Schatten zu treten und „ihre Frau zu stehen“. Ihr Kampf, gesellschaftliche Zwängen zu überwinden, sich als wahre Autorin der erfolgreichen Bücher zu offenbaren und sowohl Literatur als auch Mode und Sexualität zu revolutionieren, beginnt …

Keira Knightley als Colette

Besetzt ist die Hauptfigur durch die für Kostümfilme und starke Frauenrollen gerne herangezogene Schauspielerin Keira Knightley (u.a. „Die Herzogin“, „Anna Karenina“, „Abbitte“, „Stolz und Vorurteil“). Sie verkörpert die titelgebende Figur sehr gut und wirkt auch optisch nah am „Original“ orientiert.

Zudem erscheint sie – gewollt und passend – derart präsent, dass die weiteren Rollen (u.a. Dominic West als Gatte Willy, Eleanor Tomlinson als kurzzeitiges amouröses Abenteuer namens Georgie Raoul-Duval oder Denise Gough als Liaison Mathilde de Morny) stets im Hintergrund bleiben.

Leider nur sehr oberflächlich

Keira Knightley als Sidonie-Gabrielle Claudine Colette im Biopic „Colette“. (Copyright: DCM)

Doch ein namhafter wie gelungener Cast täuscht leider nicht über die doch eher oberflächliche Art und Weise der filmischen Biografie hinweg.
Colettes Rolle als feministische Vorreiterin, ihre Probleme in der Ehe, der Kampf um die ihr zustehende Anerkennung und viele weitere Aspekte dieser Figur und deren Entwicklung werden lediglich gestreift, ohne sie vertieft darzustellen. Der Zuschauer bekommt dadurch eine Ahnung von der Person und ihrem Innenleben, ein intensiverer Zugang wird allerdings nicht ermöglicht. So laufen auch die emotionalen Momente vermehrt unberührt am Zuschauer vorbei.

Fazit

Insgesamt hat es den Anschein, als habe man versucht, viel vom Leben der Titelfigur (insbesondere die Jahre 1892 bis 1905) in dem Film unterzubringen, doch reichen die knapp 112 Minuten nicht aus, um stellenweise tiefer in die Materie einzudringen. Somit bleibt der Film „Colette“ oftmals hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Wer hingegen einen kompakten Überblick über das Leben und Wirken und insbesondere über die hier angedeutete Persönlichkeit der Protagonistin und damit über die reale Person Sidonie-Gabrielle Colette erhalten möchte, der wird mit der Sichtung dieser Biografie nichts falsch machen. Vor allem optisch kann Westmoreland mit seiner Inszenierung punkten und dürfte allgemein Kostümfilmfans zufriedenstellen.

Trailer

Handlung

Als die junge Colette (Keira Knightley) den erfolgreichen Pariser Autoren Willy (Dominic West) heiratet, ändert sich ihr Leben schlagartig: Sie zieht aus dem ländlichen Frankreich ins turbulente Paris und wird Teil der intellektuellen und kulturellen Elite. Willy, von einer Schreibblockade geplagt, überzeugt seine junge Frau, für ihn als Ghostwriter zu arbeiten. In ihrem Debütroman erzählt Colette die Geschichte einer selbstbewussten, jungen Frau namens Claudine. Der halb-autobiografische Roman wird unter Willys Namen veröffentlicht und schnell zum Bestseller, womit er ihm Reichtum und Ruhm verschafft. Es entstehen weitere Claudine-Bestseller – geschrieben von Colette – und schließlich eine ganze Markenwelt um die selbstbewusste Romanheldin. Nach und nach beginnt Colette den Kampf darum, gesellschaftliche Zwänge zu überwinden und sich als wahre Autorin der erfolgreichen Bücher offenbaren zu können, um ihre Werke für sich zu beanspruchen.

(Quelle: DCM)

Details

Format: Breitbild
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: DCM / Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 10.05.2019
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 112 Minuten
Extras: Interviews mit Cast & Crew

Copyright Cover: DCM



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde