Review

Viele gute Serien bleiben lange Zeit unentdeckt und erhalten – wenn überhaupt – häufig nur einen Sendeplatz im Spartenprogramm. Dieses Schicksal teilt auch die belgische Produktion „Code 37“, eine Krimiserie, die ihren Schwerpunkt auf die Aufklärung von Sexualdelikten legt, sich dabei aber in vielen Punkten von ähnlich konzipierten Ausstrahlungen wie beispielsweise „Law & Order: Special Victims Unit“ abzuheben weiß.
Auf ZDFneo konnte man bislang die mitreißende Ermittlungsarbeit von Protagonistin Hannah Maes und ihren drei Kollegen verfolgen, nun erscheint (gerade einmal drei Monate nach Veröffentlichung der ersten Staffel) auch Staffel 2 von „Code 37“ auf DVD und Blu-ray.

Erneut umfasst die DVD-Variante 13 Episoden, verteilt auf vier DVDs, diese haben es aber derart in sich, dass einzelnen Folgen die FSK „ab 18“ verpasst wurde.
Zu Recht muss man sagen, denn nicht gerade zimperlich gehen die Täter mit ihren Opfern in „Code 37“ um. So trifft man auf drastische Bilder, die nicht nur das hier agierende Ermittlerteam, sondern auch die Zuschauer an ihre Grenzen bringen, indem auf vielseitige Art mögliche menschliche Abgründe dargestellt werden.

Neues Verbrechen, neuer Tatort. "Code 37" ermittelt hauptsächlich im belgischen Gent.(Copyright: Edel:Motion)

Neues Verbrechen, neuer Tatort. „Code 37“ ermittelt hauptsächlich im belgischen Gent.(Copyright: Edel:Motion)

Dabei ist es nicht immer ein Mord, der den Ausgangspunkt für die Ermittlungsarbeit bildet. Obwohl sich die Todesfälle im Laufe der zweiten Staffel mehren, stehen gerade zu Beginn der neuen Folgen Überlebende sexueller Gewaltverbrechen im Vordergrund. Umso erschütternder und dramatischer stellt sich die Suche nach den Tätern in diesen Folgen dar und umso frustrierender und nervenaufreibender ist es für die Hauptfiguren, diese oftmals nicht so schnell wie gewünscht ausmachen und fassen zu können. Diesbezüglich ist auch der Zuschauer lange Zeit beschäftigt und stellt entsprechende Vermutungen an. Das und die zahlreichen damit verbundenen Spannungsmomente, mal subtil dargeboten, mal durch actionreiche Sequenzen veranschaulicht, ziehen den Konsumenten von „Code 37“ förmlich in diese Serie und lassen ihn auch bis zur letzten Episode nicht mehr los.

Doch man fiebert nicht nur mit den Opfern und den Ermittlern mit, man kann auch ihre Reaktionen verstehen, die hin und wieder alles andere als regelkonform sind, dafür aber authentisch und nur allzu menschlich erscheinen. Als unkonventionell mag man die Arbeit von Hanah Maes, Bob De Groof, Charles Ruiters und Kevin Desmet daher bezeichnen; so geht es bei einem Verhör auch schon mal ruppiger zu oder man bewegt sich nahe am Rande der Selbstjustiz.

Um den Zuschauern diese Grenzerfahrungen gelungen zu vermitteln, setzt man vordergründig auf Schauspielerin Veerle Baetens, die 2014 auch im Eurokrimi „The Team“ eine gute Figur machte. Erneut nimmt man ihr die Rolle der Hannah Maes auf ganzer Linie ab. Einen Hauch von Wahnsinn kann sie genauso zum Ausdruck bringen wie die sensible Seite ihrer Figur.
Auch dass sie keinen Hund oder eine Katze als Haustier hat, sondern mit „Marvin“ ein belgischer Riese gemächlich durch die Kulissen hoppelt, unterstreicht das Outstanding von „Code 37“.
Dem schauspielerischen Talent von Baetens stehen zudem die Leistungen der weiteren Darsteller in nichts nach.
Dass wir es hier mit keinen glattgebügelten Charakteren zu tun haben, steht damit ebenso fest wie die Tatsache, dass jede Figur ihre sympathischen Ecken und Kanten besitzt.

Bei all der Dramaturgie, der Tragik, der Gewalt und der Abscheulichkeit der Verbrechen fehlt es „Code 37“ überraschenderweise nicht an Humor. Diese eingebauten Szenen hindern die Figuren daran, an den Zweifeln an der Menschheit zugrunde zu gehen, gleichzeitig lockern sie den Ernst der Serie (zu keinem Zeitpunkt unpassend oder taktlos) auf, obwohl es dem Zuschauer einige Male nicht richtig vorkommt, im Kontext des jeweils geschilderten Falles zu lachen.

Am Rande der Selbstjustiz? Die Grausamkeiten der Verbrechen bringen das Team um Hannah Maes (Veerle Baetens) an ihre Grenzen. (Copyright: Edel:Motion)

Am Rande der Selbstjustiz? Die Grausamkeiten der Verbrechen bringen das Team um Hannah Maes (Veerle Baetens) an ihre Grenzen. (Copyright: Edel:Motion)

Anders als noch in Staffel 1 nimmt die Nebenhandlung, sprich die privaten Ermittlungen von Hannah Maes, um den Vergewaltiger ihrer Mutter aufzuspüren, in Staffel 2 eine größere Rolle ein. Wusste man über lange Strecken nicht, wohin das Ganze führen soll, sodass sich der Eindruck manifestierte, auf diese Nebenhandlung ganz verzichten zu können, erhöht dieser Handlungsstrang nun merklich das Tempo der Serie und gewinnt zudem an Komplexität. Positiv ist zu erwähnen, dass die jeweiligen Fälle unter dieser Nebenhandlung nicht leiden oder zu kurz kommen. Dies betreffend herrscht ein ansprechendes Gleichgewicht.

Mit einem spannenden Cliffhanger endet die zweite Staffel von „Code 37“. Der Zuschauer bleibt mit vielen offenen Fragen und der Neugier auf eine Fortsetzung zurück.

Wer Krimis ohne den überzogenen Patriotismus und Idealismus amerikanischer Produktionen favorisiert, darüber hinaus eine glaubwürdige Polizeiarbeit erleben möchte, die sich weder auf Hightech à la „CSI“ verlässt, noch auf menschliche Reaktionen verzichtet, für den sollte „Code 37“ zum Pflichtprogramm gehören. Es empfiehlt sich dabei, mit Staffel 1 zu beginnen, denn während die einzelnen Fälle zwar in sich abgeschlossen sind, zieht sich die Nebenhandlung um Hannah Maes seit der ersten Folge von Staffel 1 durch die Serie und wird in Staffel 2 zunehmend vielschichtiger.

Inhalt

Tödlich endende Gruppenvergewaltigungen, verstümmelte Dominas, Missbracuh im Frauengefängnis – immer wieder müssen Kriminalkommissarin Hannah Maes und ihre drei Kollegen vom Dezernat für Sexualdelikte erschütternde Fälle lösen, die jede Vorstellungskraft übersteigen.

Jeder der Ermittler versucht auf seine Art, mit dem Anblick dieser Verbrechen umzugehen. Allen voran Hannah, die sich mehr denn je auf ihre privaten Nachforschungen konzentriert, um den Vergewaltiger ihrer Mutter aufzuspüren und ihr eigenes Trauma zu überwinden. Doch dann schlägt der Täter von damals wieder zu – und abermals ist Hannah persönlich betroffen.

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

DVD 01
Folge 01 – Zwei alte Damen
Folge 02 – Der Hotelgast
Folge 03 – Der Schüler
Folge 04 – Der Babysitter

DVD 02
Folge 05 – Der Papagei
Folge 06 – Im Gefängnis
Folge 07 – Der Serientäter

DVD 03
Folge 08 – Vermisst
Folge 09 – Jung und blond
Folge 10 – Herrin und Sklaven

DVD 04
Folge 11 – Der Junge von nebenan
Folge 12 – Entzug
Folge 13 – Im Keller

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 24.04.2015
Produktionsjahr: 2012
Spieldauer: 640 Minuten
Extras: DVD-Highlights

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde