Review

Edel:Motion hat schon einige Krimiserien veröffentlicht und legt auch weiterhin in dem Genre souverän nach. Der neueste Clou heißt „Code 37“, eine belgische Produktion, die 2012 den Flämischen Fernsehpreis als „Beste Serie“ einheimsen konnte, mit einem gleichnamigen Kinofilm die Kassen der belgischen Kinos füllte und deren erste Staffel (nach Ausstrahlung auf ZDFneo im Frühjahr 2014) nun in Deutschland auf DVD und Blu-ray erscheint.

„Code 37 – Staffel 01“ begleitet in 13 Episoden, verteilt auf vier DVDs, die schroffe, unkonventionell arbeitende Kriminalkommissarin Hannah Maes und ihr Team auf der Suche nach Sexualstraftätern. Abwechslungsreiche Fälle, die von Vergewaltigungen, Sexsucht, bewussten HIV-Infektionen an Porno-Sets bis hin zu Kinderpornografie reichen, bieten dem Krimifan zwar sehr spezielle, dafür aber umso spannendere Kost. Selten münden die dargestellten Delikte in blutige Morde, nichtsdestotrotz wirken die Fälle schonungslos und wissen den Zuschauer zu berühren.

Hat nicht nur mit brisanten Fällen, sondern auch mit einer neuen toughen Vorgesetzten zu kämpfen: das Team um Protagonistin Hannah Maes (Copyright: Edel:Motion)

Hat nicht nur mit brisanten Fällen, sondern auch mit einer neuen toughen Vorgesetzten zu kämpfen: das Team um Protagonistin Hannah Maes (Copyright: Edel:Motion)

Vor allem wird dies hervorgerufen durch die spezielle Kameraführung und Farbgebung von „Code 37“. Dabei ist der Serie ein gewisser skandinavischer Charme nicht abzusprechen, denn dunkle, gelbstichige und kühle Bilder dominieren das Fernseherlebnis.
Neben zahlreichen Nahaufnahmen und mit Soundeffekten unterlegten Schnitten wirken einige Szenen wie mit einer verwackelten Handkamera aufgenommen. Dieser „Blair Witch Project“-Effekt bringt den Zuschauer nah ans Geschehen und fördert die Stimmung sowie Authentizität.

Letztere wird generell in „Code 37“ groß geschrieben, denn sowohl die Inszenierung der Sexualdelikte als auch die Figuren und ihre Ermittlungstätigkeiten sind durchaus realitätsnah und ohne Übertreibungen dargestellt. Es sind keine glorifizierten Helden ohne Probleme, die hier ihrem Handwerk nachgehen, noch greift man auf Hightech-Verfahren à la „CSI“ zurück.
Da außerdem die einzelnen Rollen mit sehr individuellen und keinen 08/15-Schauspielern besetzt wurden, wachsen die Sympathien der Zuschauer ihnen gegenüber im Nu.
Einzig die oftmals rohe Art und Weise, wie während der Ermittlungen über die Opfer gesprochen wird, hinterlässt ob der fehlenden Empathiefähigkeit und Sensibilität jener Figuren einen faden Beigeschmack, spiegelt aber vermutlich leider ebenso die Realität wider wie die Grausamkeit der geschilderten Fälle.

Dass die Protagonistin mit den Ermittlungen zu den hier gut inszenierten Fällen nicht ausgelastet ist und ihr darüber hinaus auch noch eine schwere Vergangenheit angedichtet wird, die sie auf eigene Faust zu bewältigen beabsichtigt, kennt man bereits aus Serien-Hits wie zum Beispiel „Castle“. Nötig wäre dieser zusätzliche Handlungsstrang in „Code 37“ allerdings nicht gewesen, denn indem das Hauptaugenmerk ausschließlich auf Sexualdelikten liegt, besitzt die erste Staffel bereits genügend Spannung, Brisanz und Krimi-Unterhaltungswert, dass jedes weitere Detail ein netter Zusatz, nicht aber eine Notwendigkeit darstellt.
Vermutlich soll diese Rahmenhandlung dem Zuschauer den Charakter der Hannah Maes näherbringen und ihr ungewöhnliches, über Regeln und Konventionen hinwegsetzendes Ermittlungsvorgehen erklären, all dies ergibt sich jedoch auch ohne weitere Erläuterungen und Figurenausarbeitungen, denn „Code 37“ ist diesbezüglich sehr transparent und glaubwürdig ausgefallen.

Veerle Baetens spielt Hannah Maes (Copyright: Edel:Motion)

Veerle Baetens spielt Hannah Maes (Copyright: Edel:Motion)

Die einzelnen Episoden der Serie sind prinzipiell in sich abgeschlossen, nur die erwähnte Nebenhandlung die Protagonistin Hannah Maes betreffend setzt sich in jeder Folge fort. Ihr ganz privater Fall, nämlich die Vergewaltigung ihrer Mutter und die Suche nach den Tätern, baut aufeinander auf. Stück für Stück erfährt der Zuschauer weitere Einzelheiten zu der acht Jahre zurückliegenden Tat. Daher empfiehlt es sich, „Code 37“ am Stück zu schauen.

Aber egal wie man sich der ersten Staffel dieser belgischen Krimiserie nähert, lohnenswert ist die Anschaffung der DVD oder Blu-ray allemal, denn Krimifans werden hier ein sehr eigenes und atmosphärisches Serienhighlight entdecken, das sich von der Masse an Krimi-Veröffentlichungen durchaus abzuheben weiß.

Trailer

Inhalt

Das Team von Kriminalkommissarin Hannah Maes (Veerle Baetens) beim Dezernat für Sexualdelikte im belgischen Gent bekommt es mit den dunkelsten Seiten menschlicher Abgründe zu tun. Von Inzest und Vergewaltigungen bis zu Kinderpornografie und HIV-Infektionen an Porno-Sets müssen die Ermittler immer wieder Fälle untersuchen, die unter die Haut gehen.
Dass die ebenso attraktive wie unkonventionelle Chefin neu mit an Bord ist und mit ihrer Art die drei männlichen Mitarbeiter immer wieder vor den Kopf stößt, macht die Sache nicht leichter. Zumal Hannah in Gent auch in eigener Sache ermittelt. Vor acht Jahren wurde sie Zeugin, wie ihre eigene Mutter zuhause brutal vergewaltigt wurde – und sie hat sich geschworen, den Täter zur Strecke zu bringen.

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

DVD 01
Folge 01 – Sexsüchtig
Folge 02 – Sehen und gesehen werden
Folge 03 – Die Jungfrau
Folge 04 – Vater und Tochter

DVD 02
Folge 05 – Homevideo
Folge 06 – Geheime Spiele
Folge 07 – Im Park

DVD 03
Folge 08 – Infiziert
Folge 09  – Kinderstars
Folge 10 – Reife Liebe

DVD 04
Folge 11 – Der Tennislehrer
Folge 12 – Das Petruskreuz
Folge 13 – Der Sohn

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 30.01.2015
Produktionsjahr: 2012
Spieldauer: 604 Minuten
Extras: DVD Highlights

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde