Review

Regisseur Brad Furman widmet sich in seinem Werk „City of Lies“ den legendärsten Kriminalfällen der jüngeren Geschichte: Die bis heute ungeklärten Morde an Tupac und Notorious B.I.G..

Doch trotz des interessanten Themas und der namhaften Besetzung schaffte es der True Crime-Thriller nicht in die Kinos, sondern kommt nun, drei Jahre nach Drehschluss, direkt ins Heimkino.

Depp und Whitaker gemeinsam auf Spurensuche

Niemand Geringere als Johnny Depp und Forest Whitaker begeben sich dazu auf gemeinsame Spurensuche; Depp als LAPD-Detective Russell Poole und Whitaker in der Rolle des (hier als fiktive Figur eingefügten) Investigativ-Journalisten Jack Jackson.

Die beiden rollen den Fall neu auf, kommen dabei einer Verschwörung auf die Spur und stellen sich und den Zuschauern natürlich die alles entscheidende Frage:

Wer steckt hinter einem der legendärsten ungeklärten Mordfälle der jüngeren US-amerikanischen Geschichte?

Diese Frage bleibt – den tatsächlichen Begebenheiten entsprechend – auch nach der knapp 112-minütigen Spielzeit unbeantwortet. Davon abgesehen liefert der True Crime-Thriller jedoch einige interessante, teils richtungsweisende Denkanstöße, die (leider) auch heute noch nichts an Aktualität eingebüßt haben (Stichwort „Black Lives Matter“-Bewegung). Denn neben den Mordfällen inklusive des angeschnittenen East Coast vs. West Coast-Konflikts im Allgemeinen und der Ermittlungsarbeit respektive der Obsession von Poole und dessen Suche nach Beweisen und Fakten im Speziellen, thematisiert „City of Lies“ vor allem auch die Korruption des LAPD im Zusammenhang mit den mysteriösen Morden an Tupac und Notorious B.I.G..

Der Fokus des Films liegt daher auf der Figur Depps, die durch den Schauspieler tiefgründig und eindrucksvoll verkörpert wird. Entsprechend hoch ist seine Screentime, entsprechend in den Hintergrund rückt allerdings auch die eigentliche Handlung.

Die Handlung

Los Angeles in den 90er Jahren: Der hoch angesehene LAPD-Detective Russell Poole soll den Mord an der weltberühmten Rap-Größe Biggie Smalls, auch bekannt als Notorious B.I.G., aufklären. Smalls wurde aus einem vorbeifahrenden Auto erschossen, nur wenige Monate, nachdem sein Erzrivale Tupac Shakur das gleiche Schicksal erlitten hatte. Doch auch Jahre später sind die Fälle nicht aufgeklärt. Da bekommt Poole unverhofft Hilfe durch den Investigativ-Journalisten Jack Jackson… 

Zum Hintergrund

Mitte der 1990er kam es zum Konflikt zwischen Rappern der amerikanischen Ost- und Westküste.

Tupac Shakur war von Suge Knight mittels einer Sicherheitsleistung aus dem Gefängnis geholt worden und nun bei Knights Firma Death Row Records unter Vertrag.
Shakur und The Notorious B.I.G. (bürgerlich: Christopher George Latore Wallace) waren gute Freunde bis zu einer Schießerei 1994 in der Lobby der Time Square’s Quad Recording Studios von Bad Boy Records, welches von Puff Daddy gegründet wurde, bei der Tupac fünfmal angeschossen wurde. Shakur beschuldigte Wallace, am Anschlag auf ihn beteiligt gewesen zu sein […].

An der Westküste produzierte Tupac mit Dr. Dre, Snoop Dogg, Daz Dillinger u. a. Diss-Tracks gegen die damaligen Kollegen. Dies bot erneut Anlass für ernste Auseinandersetzungen. Viele Begegnungen dieser verfeindeten Gruppen endeten in Handgreiflichkeiten oder Schusswechseln. […]

Die Situation eskalierte am 7. September 1996, als Tupac Shakur im Auto niedergeschossen wurde und sechs Tage später starb. Einige vermuteten den Täter in Wallace’ Umfeld.
Am 9. März 1997 wurde Wallace nach dem Besuch der Soul Train Music Awards und einer anschließenden Party im Petersen Automotive Museum in Los Angeles selbst Opfer eines Drive-by-Shootings. Insgesamt sieben Schüsse wurden an einer roten Ampel aus einem anderen Wagen auf den Chevrolet Suburban abgefeuert, in dem er auf dem Beifahrersitz saß. Er wurde zum Cedars-Sinai Medical Center gebracht und starb dort um 1:15 Uhr. Die genauen Umstände beider Taten und die Identitäten der Täter konnten nicht ermittelt werden. […]

(Quelle: Wikipedia)

Zur filmischen Umsetzung

All dies kommt mal mehr und mal weniger im Film zum Tragen, wobei sich die Handlung auf die Ermordung von Wallace konzentriert und somit im Jahr 1997 einsetzt.

Johnny Depp und Forest Whitaker gemeinsam auf Spurensuche im True Crime Thriller „City of Lies“. (Copyright: Koch Films)

Bei all der Komplexität, die sich hinter den Konflikten verbirgt, hätte man sich jedoch mehr vom Film erhofft. Vieles wird nur oberflächlich angeschnitten, lediglich angedeutet und eher entschleunigt dargeboten. Das macht es den Zusehenden schwer, wirklich tief in die Thematik einzudringen. Stattdessen wird man berieselt von den Geschehnissen, deren Tragik, Dramatik und Schwere weitgehend auf der Strecke bleiben.

Was indes aber gut gelingt, ist die Darstellung Pooles, wozu nicht zuletzt Johnny Depp außerordentlich beiträgt.

Ebenso weiß die Farbgebung des Films, der dadurch beinahe schon ein wenig Retro-Charme versprüht, zu gefallen und zur Atmosphäre gelungen beizutragen.

Fazit

Bei einer derart weitreichenden Thematik ist es verständlich, dass ein einziger Film nicht alle Komponenten, die hier erwähnt werden müssten, in Spielfilmlänge aufarbeiten und behandeln kann. Dennoch hätte man sich stellenweise von allem ein wenig mehr gewünscht. Abseits des unaufgeklärten Mordfalls und als eine Art Charakterstudie eines ermittelnden Polizeibeamten, der sich gegen das eigene System stellte, schließlich zwangspensioniert wurde und seine Ermittlungen dennoch (bis zu seinem Tod) nie aufgab, weiß „City of Lies“ hingegen zu überzeugen.


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Trailer

Handlung

Los Angeles in den 90er Jahren: Der hoch angesehene LAPD-Detective Russell Poole soll den Mord an der weltberühmten Rap-Größe Biggie Smalls, auch bekannt als Notorious B.I.G., aufklären. Smalls wurde aus einem vorbeifahrenden Auto erschossen, nur wenige Monate, nachdem sein Erzrivale Tupac Shakur das gleiche Schicksal erlitten hatte. Doch auch Jahre später sind die Fälle nicht aufgeklärt. Da bekommt Poole unverhofft Hilfe durch den Investigativ-Journalisten Jack Jackson. Die beiden rollen den Fall neu auf und kommen dabei einer Verschwörung auf die Spur …

(Quelle: Koch Films)

Details

Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Ton: DTS-HD Master Audio 5.1
Bildseitenformat: 2.35:1 (16:9)
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Koch Media GmbH
Erscheinungstermin: 26.08.2021
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: ca. 112 Minuten
Extras: Trailer

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde