Review

Die Zahl an veröffentlichten Teen-Slasher-Movies ist mittlerweile kaum mehr überschaubar. Ob Independent B-Movie oder hollywoodesk – selten erhalten derlei Produktionen aufgrund von fehlender Logik, flacher Handlung und schlechter Schauspielleistung gute Kritiken. Die Zutaten sind stets dieselben und mittlerweile zu ausgereizt, um sich in diesem Genre positiv hervorzuheben oder gar etwas Neues zu bieten.

Auch „Cherry Falls“ greift auf die typischen Merkmale des Teenager-Horrorfilms zurück.
Neben dem obligatorischen „Final Girl“, der letzten Überlebenden des Slashers, die sich dem Killer im Finale des Films stellt (in diesem Fall Jody, hervorragend besetzt mit Brittany Murphy), trifft der Zuschauer auf einen Killer, dessen Identität und Beweggründe bis zum Ende hin verborgen bleiben. Auch die effektiv in Szene gesetzten, aber wenig neuen Mordinstrumente wie Axt oder Messer und das letztlich angedeutete offene Ende, das entgegen aller Logik eine Wiederkehr des Killers in einer Fortsetzung möglich macht, erwecken auf den ersten Blick nicht den Anschein, es hier mit etwas anderem als der typischen Handschrift einer gängigen 08/15-Produktion des Genres zu tun zu haben. U.a. zeigen die beiden „Protagonisten“ – Jody und der Killer – in „Cherry Falls“ jedoch schnell, dass hier versucht wird, Unterschiede zu machen und mit Gewohnheiten zu brechen.

So ist es zum einen nicht das klassische blonde Cheerleader-Mädchen, sondern die eher unscheinbare, aber toughe Brünette im alternativen Look, die im Fokus des Films (und auch des Killers) steht. Auch die Opferauswahl des Killers, der sich auf Jungfrauen „spezialisiert“ hat, sorgt für neue Ansätze, denn entgegen prüden amerikanischen Vorstellungen gilt in „Cherry Falls“: „Sex oder stirb“! Zugegeben ein gleichsam platter wie plump-plakativer deutscher Untertitel der US-amerikanischen Produktion, der hier gewählt wurde. Doch getreu dem Motto „sex sells“ soll er den Ursprungsnamen „Cherry Falls“ ein wenig aufpeppen.

Zugleich lenkt er die Erwartungen an „Cherry Falls“ bereits in eine bestimmte Richtung, denn kaum jemand wird hinter „Sex oder stirb“ einen intelligenten, durchdachten oder gar handlungsintensiven Film erwarten. Vielmehr wird man gespannt sein auf Umsetzungen à la „Scary Movie“ und Co.
Tatsächlich handelt es sich hier auch um einen satirischen Horrorfilm, der sich und das Genre nicht allzu ernst nimmt, und doch liefert „Cherry Falls“ genügend Ansätze, die über einen reinen Persiflage-Charakter hinausgehen.
Humor ist also vorhanden, wenn auch sehr dezent und einen gelungenen Kontrast bildend zu den eher makaberen Szenen, allerdings gibt sich „Cherry Falls“ in seiner Grundstory wider Erwarten einen Tick intelligenter als andere Teenie-Schlitzer-Filme.

Obwohl „Cherry Falls“ somit als einer der besseren Filme des Genres bezeichnet werden kann, schöpft er sein Potenzial nicht ausreichend aus. Die Charaktere hätten mehr ausgereizt, die angedeutete Vielschichtigkeit intensiver ausgearbeitet und die vielen guten Ansätze insgesamt konsequenter weiterverfolgt werden können.
So bleibt „Cherry Falls“ oftmals zu oberflächlich, während vieles an Handlung weglassbar gewesen wäre. Zusätzlich sind die (tatsächlich vorhandenen) Charakterentwicklungen und Handlungen nicht permanent logisch nachvollziehbar.
Alles in allem führen diese kleinen Schwächen in der Umsetzung dazu, dass viele Stellen unnötig vorhersehbar sind, wenngleich die Schockmomente trotzdem effektvoll ausfallen. Hätte man hier jedoch gründlicher gearbeitet, und sich nicht zu sehr auf die bewährten Zutaten des Genres verlassen, wäre „Cherry Falls“ noch erfrischender und unterhaltsamer geworden.

Wenn sich ein Killer - wie in "Cherry Falls" - auf Jungfrauen "spezialisiert" hat, heißt es: "Sex oder stirb". (Copyright: Koch Media)

Wenn sich ein Killer – wie in „Cherry Falls“ – auf Jungfrauen „spezialisiert“ hat, heißt es: „Sex oder stirb“. (Copyright: Koch Media)

Wer übrigens gemäß des deutschen Untertitels wilde Sexorgien erwartet, der wird enttäuscht sein, denn nackte Haut gibt es selten zu sehen, von Sex ganz zu schweigen. Dafür nehmen die Splatterszenen im Laufe des Films zu, sodass eine Freigabe ab 18 Jahren durchaus nachvollziehbar ist.

Für alle, die nach den knapp 88 Minuten noch nicht genug haben, ist ein Blick in das Bonusmaterial lohnenswert. Jenes fällt mit Audiokommentaren, Interviews, Featurettes, Behind the Scenes-Material und einer Bildergalerie umfangreich aus, zeigt sich allerdings oftmals in einem veralteten Bildformat. Zudem variiert die Lautstärke von Extra zu Extra. Hin und wieder schadet es außerdem nicht, gute Englischkenntnisse zu besitzen, denn nicht immer ist ein deutscher Untertitel vorhanden.

Trailer

Handlung

Kann Sex dein Leben retten?

Als in der Kleinstadt Cherry Falls ein Liebespärchen bein Koitus brutal ermordet wird, stellt sich für alle örtlichen Teenager um die Sheriff-Tochter Jody (Brittany Murphy) genau diese Frage. Denn eine mysteriöse dunkelhaarige Killerin hat es in der ganzen Stadt auf jungfräuliche Opfer abgesehen und denkt gar nicht daran, ihre Jagd abzubrechen. Als sich immer mehr Teenager dazu entschließen, sich mit Sex zu schützen, droht die Situation zu eskalieren. Doch was treibt die Killerin eigentlich an? Kann Jody ein bislang verborgenes Geheimnis von Cherry Falls ans Licht bringen?

(Quelle: Koch Media)

Details

Format: Dolby, PAL, Special Edition
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Koch Media GmbH – DVD
Erscheinungstermin: 27.10.2016
Produktionsjahr: 2001
Spieldauer: 88 Minuten
Extras: Audiokommentar von Regisseur Geoffrey Wright | Featurette „Lose it or die: Die unbekannte Geschichte von Cherry Falls“ mit Autor Ken Selden und Produzentin Marshall Persinger | Featurette: „Cherry Falls Deputy Mina“ – Interview mit Amanda Anka | weitere Interviews | Behind The Scenes | Bildergalerie | Kinotrailer (dt. / engl.)

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde