Review

Nach der Light Novel von Ichiro Sakaki wird „Chaika, die Sargprinzessin“ (Originaltitel: Hitsugi no Chaika) gleichzeitig als Manga und als Anime adaptiert. Letzterer liegt hier heute vor, produziert von Studio Bones, welches auch unter anderem für Serien wie „Full Metal Alchemist“ oder „Soul Eater“ verantwortlich war. Mit Volume 1 läutet Nipponart nun den Beginn der Serie ein, die aus insgesamt zwei Staffeln besteht.

Chaika Trabant und Toru Acura nach ihrer Begegnung im Wald und vor einer androhenden Gefahr. (Copyright: Ichiro Sakaki, Namaniku ATK (Nitroplus)/PUBLISHED BY KADOKAWA Fujimishobo/Chaika Partner)

Chaika Trabant und Toru Acura nach ihrer Begegnung im Wald und vor einer drohenden Gefahr. (Copyright: 2014 Ichiro Sakaki, Namaniku ATK (Nitroplus)/PUBLISHED BY KADOKAWA Fujimishobo/Chaika Partner)

Fünf Jahre nach dem Krieg, in dem das fiktive Kaiserreich Gaz fiel, herrscht nun Frieden über der Welt. Für den Saboteur Toru Acura allerdings ersetzt nun Öde seinen Kriegsalltag – bis er eines Tages Chaika Trabant zufällig über den Weg läuft, auffällig dafür, dass sie immer einen riesigen Sarg auf den Schultern trägt. Es stellt sich heraus, dass sie die Tochter des im gefallenen Kaiserreich regierenden Magiers Artur Graz ist. Zusammen mit Torus „Schwester“ Akari Acura suchen sie nun nach den sterblichen Überresten des Magiers, von denen immer noch eine starke magische Energie ausgeht.

Wie man vielleicht schon an vorausgegangener Bewertung erahnen kann, scheint „Chaika, die Sargprinzessin“ einen nicht allzu guten Eindruck hinterlassen zu haben. Zunächst einmal bringt der Anime in das Fantasy-Genre keine nennenswerten Innovationen. Das wäre an sich auch nicht dramatisch, aber für einen Action- bzw. Battle-Anime verfolgt die Serie zu stark das vorgelegte Konzept eines solchen.
Ebenfalls gilt es, „Chaika, die Sargprinzessin“ dem Steampunk zuzuordnen, sprich viktorianisches Zeitalter mit hochtechnologischen Erfindungen. Hier werden Fans durchaus auf ihre Kosten kommen. Interessant ist beispielsweise der Ansatz, dass zur Kanalisierung der Magie eine Waffe benötigt wird, während der Zauberspruch immer noch aufgesagt werden muss. Dadurch werden die beiden Elemente gelungen miteinander verbunden.

Als Laie und Neueinsteiger in die Serie wird es hier allerdings problematisch, da bereits in der ersten Folge mit Fachwörtern nur so um sich geworfen wird. Auf etwaige Erklärungen braucht man nicht wirklich zu hoffen. Dafür gibt es allerdings beigelegtes Booklet, welches einen Großteil der Erläuterungen abdeckt. Und hier zeigt sich der Haken an der ganzen Sache: Volume 1 hat nur drei Folgen.

Die Eisenblut-Verwandlung ermöglicht es dem Anwender es auch mit einem übermächtigen Gegner aufzunehmen. (Copyright: 2014 Ichiro Sakaki, Namaniku ATK (Nitroplus)/PUBLISHED BY KADOKAWA Fujimishobo/Chaika Partner)

Die Eisenblut-Verwandlung ermöglicht dem Anwender, es auch mit einem übermächtigen Gegner aufzunehmen. (Copyright: 2014 Ichiro Sakaki, Namaniku ATK (Nitroplus)/PUBLISHED BY KADOKAWA Fujimishobo/Chaika Partner)

Was einfach nicht genug ist, um einen gelungen Einstieg in den Anime zu bereiten. Nach Folge drei findet man sich im Booklet blätternd wieder.
Was ist ein „Gando“? – Schau ins Booklet. Was ist eine „Eisenblut-Verwandlung“? – Schau ins Booklet. Was ist ein „Fayla“? – Schau ins Booklet.
Es kommt das Gefühl auf, man würde eine Folge schauen, die sich bereits mittendrin im Anime abspielt. Natürlich ist es nicht unüblich, den Zuschauer einfach ins Geschehen hineinzuwerfen, aber bei nur drei Episoden bleibt nicht genug Zeit, um näher auf diese Dinge einzugehen.

Abseits davon wirkt das Fehlen eines langen Krieges auch auf die Gesellschaft ein. Krieger werden hauptsächlich nicht mehr benötigt und von den Bürgern misstrauisch begutachtet.
Für ein wenig Abwechslung von der Technik sorgen die Verwandlungen von Toru und Akari, bei denen sich der Körper in eine effektive Waffe umwandelt und sich dabei die Haare und Aura sichtlich rot färben. Quasi wie bei „Dragon Ball Z“, nur dass hier weniger rumgeschrien wird und man nicht mehrere Folgen dafür braucht.
Die CGI-Effekte hierbei, aber auch bei dem Einsatz anderer Waffen sind durchgehend gut gelungen. Ebenso können sich die „normalen“ Animationen sehen lassen, da sie weniger hölzern wirken als bei so manch anderen Artgenossen.

Das Charakterdesign ist überwiegend in Ordnung; zwar keine tiefgründigen Figuren, aber die Outfits wurden kreativ gestaltet, sodass man die Teilnehmer nicht gleich anhand der Klamotten in eine Schublade stecken kann. Mit Ausnahme von Chaika, deren Gothic-Stil sich dann doch von den anderen als Hauptfigur differenziert.
Leider spiegelt sie keine sympathische Protagonistin wider. Zunächst einmal erinnert ihre Sprache ohne jeglichen Gebrauch von Artikeln an die eines Neandertalers. Das kann man noch nachvollziehen, wenn man (nach Blick ins Booklet!) herausfindet, dass ihre Muttersprache eine andere ist. Was aber zu Beginn irgendwie niedlich ist, wird im Laufe der Folgen einfach nur noch nervig. Ebenfalls trägt ihr naives und konservatives Wesen keine nennenswerten Eigenschaften zu ihrem Charakter bei. Der einzige, der auch nur annähernd interessant wird, ist Toru, da sich bei ihm bereits zu Beginn neben dem netten Eindruck eine gewisse Antipathie aufbaut. Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass sich die Figuren noch weiterentwickeln, aber aus Mangel an Episoden kommt man über die Basis nicht hinaus.

Chaikas kanalisiert und feuert ihre Magie durch ein Scharfschützengewehr. Die CGI-Effekte erledigen den Rest (Copyright: 2014 Ichiro Sakaki, Namaniku ATK (Nitroplus)/PUBLISHED BY KADOKAWA Fujimishobo/Chaika Partner)

Chaikas kanalisiert und feuert ihre Magie durch ein Scharfschützengewehr. Die CGI-Effekte erledigen den Rest. (Copyright: 2014 Ichiro Sakaki, Namaniku ATK (Nitroplus)/PUBLISHED BY KADOKAWA Fujimishobo/Chaika Partner)

Was die Synchronisation angeht, bleibt nur zu sagen: Schaut es euch auf japanischer Originalsprache an. Nicht dass die deutsche Synchro schlecht wäre, sie ist nur bis auf wenige Ausnahmen unspektakulär und nicht weiter erwähnenswert.

Das größte Manko bei Volume 1 von „Chaika, die Sargprinzessin“ ist einfach, dass es sich hierbei nur um drei Folgen handelt. Dadurch kann man mit der Serie einfach nicht warm werden. Wenn beim Plot dann auch noch im Standardbereich rumgedümpelt wird, die Charaktere platt wirken und sich dazu noch nichts weiter ausbauen kann, ist es fraglich, ob man an der Serie dranbleiben sollte.

Bis dato ein holpriger Start. Bleibt zu hoffen, dass die Serie mit den nächsten Ausgaben noch mal einiges rausholt. Für Fans des Genres gilt natürlich: gerne mal reinschauen.

Trailer

Handlung

Toru, ehemaliger Soldat, ist ein Faulenzer vor dem Herrn, der seit dem Niedergang des Gazu Imperiums keinerlei Aufgaben mehr hat. Seine Schwester Akari, die langsam die Nase voll von der Faulenzerei ihres Bruders hat, zwingt ihn, endlich einmal das Haus zu verlassen und nach Essen und Arbeit zu suchen. In einem nahegelegenen Wald trifft Toru auf die mysteriöse Chaika, die einen Sarg auf ihrem Rücken trägt. Schon kurz darauf finden sich beide in einem Kampf gegen ein Monster wieder, das sie mit vereinten Kräften besiegen. Dieses Ereignis erweckt in Toru alte Lebens- und Kampfeslust und mit Chaika, die über mächtige Zauberkräfte verfügt, hat er eine Gefährtin gefunden, mit der er sich in jedes noch so wagemutige Abenteuer stürzt.

(Quelle: Nipponart)

Details

Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprache: Japanisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Bones
Publisher: Nipponart
Erscheinungstermin: 26.06.2015
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: ca. 75 Minuten
Extras: Booklet, Aufkleber



Über den Autor

Christopher