Review

Wenn Anime in Deutschland einen einsamen – und tragischen – Helden des Genres hat, dann vermutlich „Captain Future“. Als erste Serie, die sich an ein Publikum jenseits des Grundschulalters richtete, sollten die Sci-Fi-Geschichten im öffentlichen Fernsehen für Furore sorgen. Allerdings floppte die Ausstrahlung in den 80ern. Dennoch, der Mythos lebt! Und wurde jetzt erstmals ungekürzt fürs heimische Abspielgerät veröffentlicht.

Captain Future ist ein junger, gutaussehender Mann, der mit seiner bunt gemischten Crew mit seinem Raumschiff das Weltall vor allerlei Gefahren beschützt. Neben den talentierten Freunden stehen ihm dabei vor allem seine Intelligenz, Fitness und ein Multifunktionsgürtel zur Seite.
Klassische Heldenpower à la Superman dürft ihr hier also nicht erwarten. Dafür wird aber storytechnisch gut für Abwechslung gesorgt.
Bei seinem ersten Auftrag, den der Zuschauer mitverfolgen darf, muss der Captain zum Beispiel herausfinden, was für eine mysteriöse Krankheit die Menschen auf dem Planeten Megara in Monster-Gorillas verwandelt. Danach soll er verhindern, dass die Gravium-Minen, welche die Quelle der Raumfahrttechnologie liefern, zerstört werden. Sogar ein Hilferuf aus der Vergangenheit lässt den Captain nicht zurückschrecken, selbst wenn er dafür durch die Zeit reisen muss.

Folge um Folge widmet sich die Serie so ganz klassischen Action-Storys, die im Sci-Fi-Sektor angesiedelt sind. Obwohl sowohl der Anime als auch die zugehörige Vorlage schon einige Dekaden auf dem Buckel haben, kann sich der Sci-Fi-Anteil hier durchaus sehen lassen. Zwar wirken manche Erfindungen etwas aus der Zeit gefallen, aber dennoch sind sie in sich stets so schlüssig, dass es nie ins Lächerliche gezogen wird. Story und Details laden Sci-Fi-Fans also schon mal zum Gucken ein.

Als kleine Besonderheit sind die Storybögen immer auf drei Folgen aufgeteilt. Damit wird die Erzählung der Story nicht zu hektisch, sondern kann auch mal ein bisschen ausgedehnt werden. Allerdings gibt es an dieser Stelle trotzdem ein größeres „Aber!“: Ursprünglich wurden aus der Comic-Vorlage 52 Folgen zu je 30 Minuten konzipiert, wobei jeweils vier Folgen zusammengehören. Daraus wurden dann für das deutsche Fernsehen je drei Folgen zu 25 Minuten. Ergo fehlen in der deutschen Version pro Storybogen ganze 45 Minuten.

Auf der positiven Seite muss man festhalten: Die Storybögen ergeben dennoch Sinn. Aber an manchen Stellen wird doch ganz schön viel vorausgesetzt oder übersprungen – schwer zu sagen, so ohne Vergleichswerte. Wer es wirklich wissen will, kann jetzt aber auch in den Genuss der Originalfassung kommen: Die Limited Collector’s Edition enthält alle 40 Episoden in der deutschen Synchronfassung, ein Serienspecial sowie alle 52 originalen japanischen und ungeschnittenen Episoden mit deutschen Untertiteln. Aufgrund des Preises und der begrenzten Verfügbarkeit wird das aber wohl für die wenigsten Fans infrage kommen.

Ein Stück Anime-Zeitgeschichte: „Captain Future“ (Copyright: 1978, Toei Animation Co., Ltd.; All rights reserved | Universum Film)

Wer auf die konventionelle Veröffentlichung zurückgreifen muss, kann sich aber immerhin noch am generalüberholten Bild erfreuen. Zwar merkt der Zuschauer, dass es keine taufrische Veröffentlichung ist, aber dass „Captain Future“ 40 Jahre auf dem Buckel hat, würde man hier nicht erahnen.

So liefert diese Veröffentlichung also im Grunde eine gute Sci-Fi-Anime-Serie in solider Ausstattung. Das überragende Meisterwerk entdecken vielleicht trotzdem nur die Hardcore-Fans, aber wer ein Stück Anime-Zeitgeschichte schauen will, ist hier gerade richtig. Einziger Wermutstropfen ist die starke Limitation der Originalfassung.

Handlung

Captain Future ist der Sohn des genialen Wissenschaftlers Roger Newton. Als seine Eltern ermordet werden, ist er gerade acht Jahre alt. Grag, der Roboter, und Otto, der Android übernehmen mit Simon Wrights Hilfe die Erziehung des jungen Captains. Dieser entschließt sich nach dem Tod seiner Eltern sein Leben in den Dienst des Guten zu stellen. Ihm zur Seite steht auch die hübsche Joan Landor. Zusammen durchqueren sie mit der Comet, ihrem treuen Schiff, Raum und Zeit, um Frieden und Gerechtigkeit zu bewahren …

(Quelle: Universum Film)

Episoden

01 Der Herrscher von Megara: Die Rückverwandlung
02 Der Herrscher von Megara: Jagd auf den mächtigen Schatten
03 Der Herrscher von Megara: Kampf der Planeten
04 Die Zeitmaschine: Reise in die Vergangenheit
05 Die Zeitmaschine: Das Geheimnis des Sterns Koom
06 Die Zeitmaschine: Fünf Milliarden Jahre zurück
07 Der Kampf um die Gravium-Mine: Der Plan des Wrecker
08 Der Kampf um die Gravium-Mine: Die Unterwasserfalle
09 Der Kampf um die Gravium-Mine: Die Seelentransplantation
10 Auf der Suche nach der Quelle der Materie: Luft- und Wasserknappheit auf dem Planeten Laguna
11 Auf der Suche nach der Quelle der Materie: Gefangen auf dem grünen Planeten Kol
12 Auf der Suche nach der Quelle der Materie: Die Rettung der Quelle

Details

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 09.12.2016
Spieldauer: 314 Minuten

Copyright Cover: Universum Film GmbH



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer