Review

Ab sofort wird auch in Deutschland die sonst eher düstere Krimilandschaft mit Betreten von „Candice Renoir“ bunt. Die französische Serie erscheint auf DVD und bietet in Staffel 1 acht Folgen, verteilt auf drei DVDs.

Der Ansatz, Mode, eine äußerst feminine eigenwillige Protagonistin und Kriminalistik zu kombinieren, hätte in das TV-Krimiserien-Genre sicherlich viel frischen Wind bringen, vielleicht sogar (als Pendant zur literarischen Chick-Lit) unter der Bezeichnung „Chick-Crime“ eine neue Nische gründen können, denn als eine Mischung aus Ansätzen von Rosamunde Pilcher und Bridget Jones sowie der Verbindung dieser Aspekte mit dem Krimibereich schafft man in „Candice Renoir“ durchaus gute Voraussetzungen dafür. Die Ausführung allerdings hält den Zuschauerkreis noch viel zu begrenzt, da das vorhandene Potenzial kaum ausgeschöpft wird.

So zählen Männer beispielsweise eher weniger zu den potenziellen Kandidaten, um mit „Candice Renoir“ glücklich zu werden. Auch jüngere Frauen, die die familiären Rahmenbedingungen und den Erfahrungshorizont der Hauptfigur (geschieden, alleinerziehend und in das Berufsleben zurückkehrend, um dort ihre Frau zu stehen) nicht teilen,  werden Schwierigkeiten haben, Zugang zu der Figur und den (Neben)Handlungen zu finden.

Dabei ist die Besetzung – sowohl der Haupt- als auch der Nebenrollen – gut gelungen. Darsteller fern der Hollywood-Glamourwelt sorgen für Natürlichkeit und Authentizität, während das Ermittlerteam abwechslungsreich bestückt ist durch ein ausgewogenes Verhältnis von männlichen und weiblichen Kollegen, die unterschiedliche Altersgruppen und Zuschauergewohnheiten ansprechen könnten.

Stehen die Charaktere zuweilen prägnant im Vordergrund, geraten die Mordfälle und die Ermittlungsarbeit jedoch – besonders für eine Krimiserie – zu stark ins Abseits. Die kriminalistische Ebene läuft eher „nebenher“ und dies in Kombination mit einer sehr entschleunigt wirkenden Handlungsentwicklung, bei der sich einige Folgen trotz partieller auflockernder humoristischer Einlagen auffallend in die Länge ziehen, lässt des Öfteren Langeweile beim Schauen aufkommen.

Entsprechend selten entwickelt sich die Auflösung eines Falles. Zu häufig werden die Zuschauer diesbezüglich durch wenig nachvollziehbare „Geistesblitze“ der Hauptfigur vor vollendete Tatsachen gestellt.

Zwischen Haushalt und ermittlungsarbeit: Candice Renoir (gespielt von Cécile Bois) | Copyright: Edel:Motion

Zwischen Haushalt und Ermittlungsarbeit: Candice Renoir (gespielt von Cécile Bois) | Copyright: Edel:Motion

Zudem wirken die Ideen hinter den hier gezeigten acht Mordfällen einige Male zu herkömmlich und – wie Episode 3 namens „Was zählt, ist der Rausch“ zeigt – gar ein wenig veraltet. Das dabei thematisierte Komasaufen von Jugendlichen mag im Produktionsjahr der Serie noch ein aktuelles und vor allem akutes Phänomen gewesen sein, und ist auch gegenwärtig sicherlich nicht zu verharmlosen, befindet sich aber gleichzeitig 2016 nicht mehr in seiner Hochzeit und scheint damit eher „überholt“. Da „Candice Renoir“ aber erst dieses Jahr in Deutschland via DVD auf den Markt kommt, scheint der hier präsentierte Trend des Komasaufens weit weniger „trendy“, als dem Zuschauer weisgemacht werden will.

Was bleibt, ist ein eher durchschnittlicher Gesamteindruck, der jedoch durch einige Entwicklungen die Nebenhandlungen betreffend, verbunden mit noch offenen Fragen, die Neugier auf die zweite Staffel, welche schon für April in den Startlöchern steht, weckt. Es ist zu hoffen, dass mit Verlauf der Serie auch die „Trademarks“ optimierter herausgearbeitet werden.

Trailer

Handlung

Die sympathische und sehr feminine Hauptkommissarin, Candice Renoir, löst mit Charme, Humor und originellen Ermittlungsmethoden Kriminalfälle im sonnigen Süden Frankreichs.

Nach zehn Jahren, die Candice nicht im Polizeidienst war und ihrem Mann unter anderem nach Mexiko und Singapur gefolgt ist, wagt sie einen Neuanfang und zieht mit ihren Kindern zurück nach Frankreich. Getrennt von ihrem Ehemann, der sie betrogen hat, stellt sie sich der schwierigen Herausforderung, als alleinerziehende Mutter ihre Kinder und den Job als Hauptkommissarin unter einen Hut zu bekommen.
Sie wusste, dass es schwer wird, hat aber nicht mit der Feindseligkeit ihrer Kollegen und Vorgesetzten gerechnet.
Um ihren Job überragend zu meistern und ihre Kollegen von sich zu überzeugen, nutzt sie ihre naiv anmutende Fassade, um an wichtige Informationen zu gelangen.
Ihre Ermittlungserfolge lassen ihre Kollegen staunen. Denn durch ihre Fähigkeiten als Mutter und ihre weibliche Intuition löst sie immer wieder die schwierigsten Fälle.

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

Disc 01:
01 Alles auf Anfang
02 Wenn alle verrückt sind, ist niemand verrückt
03 Was zählt, ist der Rausch

Disc 02:
04 Ehre, wem Ehre gebührt
05 Wer anderen eine Grube gräbt
06 Reich ist, wer anderen nichts schuldet

Disc 03:
07 Wehe dem, der das Unglück bringt
08 Der Zweck heiligt die Mittel

Details

Format: Dolby, Digital
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Französisch (Dolby Digital 2.0)
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 26.02.2016
Spieldauer: 416 Minuten

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde