Review

Vom Kinderbuch zum Film

Das 1977 erschienene Kinderbuch „Die Brücke nach Terabithia“ (orig.: „Bridge to Terabithia“) von Katherine Paterson ist vor allem in Schulen in der Heimat der Autorin, den USA, eine viel gelesene Lektüre.

In Teilen auf den Kindheitserlebnissen ihres Sohnes David L. Paterson basierend, schrieb jener 2006 das Drehbuch zur gleichnamigen Kinderbuchverfilmung, die nun über Constantin Film hierzulande erstmals auch auf Blu-ray erscheint.

Stilistische und inhaltliche Einordnung, von der man wissen sollte

„Bist du bereit für ein magisches Abenteuer?
Dann folge Jesse und Leslie in das sagenhafte Königreich Terabithia.“ 

Diese Frage respektive Aufforderung, der Hinweis, dass „Brücke nach Terabithia“ von den Machern von „Die Chroniken von Narnia“ ist, sowie die Assoziation zu einigen visuellen Parallelen zu Filmen wie „Momo“ oder „Die unendliche Geschichte“ lassen ein Fantasy-Spektakel für junge Zuschauer erwarten, denen wohl durch die Freigabe ohne Alterseinschränkung ein kind- und altersgerechtes Abenteuer geboten werden soll. Doch weder die Altersfreigabe noch die erwähnten Bezüge zu genannten Filmen treffen zu.

Denn erwähnen sollte man zunächst dringend, dass der Fantasy-Anteil sehr überschaubar ausfällt. Die Fantastik entspringt hier nämlich keinem Kreativteam, das sich mit CGI-Effekten ausgetobt hat, sondern direkt den Köpfen der beiden Hauptfiguren. Es entspinnt sich eine Welt, die dadurch nichts mit Narnia und Co. zu tun hat.

Das und um das traurig-dramatische Ende sollte man wissen. Denn bei „Brücke nach Terabithia“ handelt es sich vornehmlich um ein Drama, das die Themen Tod und Trauerbewältigung im Kindesalter verhandelt.

Entsprechend tränenreich mag das Filmerlebnis bei Klein und Groß ausfallen und entsprechend treffend mag in diesem Kontext dann auch die Einladung gedeutet werden, die auf dem Klappentext lautet:

„Entdecke einen Ort, den du niemals vergessen wirst, und eine Freundschaft, die dich für immer verändert.“

Beides, also Ort und Freundschaft, hat Regisseur Gábor Csupó ansprechend umgesetzt, vorausgesetzt man weiß, worauf man sich bei dem Film einlässt. Darauf, speziell auf die tragische Wendung, deutet die Inhaltsangabe auf der Blu-ray nämlich so gar nicht hin.

Ode an die Fantasie und Freundschaft

Das im Hinterkopf behaltend, geht es darüber hinaus um zwei Außenseiter: den 11-jährigen Jesse, gespielt von Josh Hutcherson (u.a. „Cirque du Freak – Mitternachtszirkus“ und „Stürmische Ernte“), und seine Freundin Leslie, gespielt von AnnaSophia Robb (u.a. „Charlie und die Schokoladenfabrik“). Im Zentrum stehen ihre familiären und schulischen Probleme, die – gemeinsam mit der sympathischen und glaubwürdigen Figurenausarbeitung – für Identifikationspotenzial sorgen.

Um ihrem Alltag zu entfliehen, flüchten sie in eine Fantasiewelt, die jedoch einen sehr geringen Anteil des Films ausmacht. Deutlich wird in diesen wenigen Szenen aber schnell die großartige Vorstellungskraft der beiden Kinder, die durch die liebevoll inszenierte Visualisierung als kleine Ode an die Fantasie gewertet werden kann.

Jesse (Josh Hutcherson) und Leslie (AnnaSophia Robb) treffen in „Brücke nach Terabithia“ auf fantastische Wesen. (Copyright: Constantin Film)

Etwas enttäuschend fällt dann nach knapp 95 Minuten der Schluss von „Brücke nach Terabithia“ aus. Angesichts der inhaltlichen Ernsthaftigkeit, die schnell die Oberhand gewinnt, endet der Film sehr komprimiert und weniger tiefgründig als zu erwarten war.

Fazit

Was als bezauberndes Märchen verkauft wird, ist ein waschechtes Drama, das trotz oder gerade wegen der Flucht in Fantasiewelten sehr realistisch gezeichnet wird. Dadurch gewinnen die dramatische Handlung sowie die tragenden inhaltlichen Motive des Films (allen voran der Wert einer Freundschaft) noch mehr an Gewicht und erzielen ihre entsprechende Wirkung bei den Zuschauern.

„Brücke nach Terabithia“ ist aber kein Film, den man für einen kurzweiligen, unterhaltsamen Familienfernsehabend heranziehen sollte. Da er eine derart ernste Thematik verhandelt, die noch dazu in einer – sollte man den Inhalt vorab nicht kennen – äußerst unverhofften und überraschenden Wendung präsentiert wird, welche die gesamte Stimmung des Films plötzlich kippt, kann auch die gute Fernsehlaune daheim vor dem Bildschirm schnell getrübt werden und in eine melancholische Stimmung umschlagen. Zum Thema Tod und Trauerbewältigung leistet der Film hingegen einen wertvollen und sensiblen Beitrag.


Brücke nach Terabithia [Blu-ray]

Trailer

Handlung

Bist du bereit für ein magisches Abenteuer?
Dann folge Jesse und Leslie in das sagenhafte Königreich Terabithia!

Der 11-jährige Jesse und seine Freundin Leslie trauen ihren Augen nicht, als sie eines Tages beim Durchstreifen des nahe gelegenen Waldes eine unglaubliche Entdeckung machen. Vor ihnen erhebt sich plötzlich etwas, was sie vorher noch nie gesehen haben: TERABITHIA, ein imposantes Königreich voller zauberhafter Schönheit und wundersamer Lebewesen.
Neben mächtigen Riesen treffen die beiden Freunde auf allerlei freundliche, aber auch gefährliche Fabelwesen, die sie verfolgen. Als Jesse und Leslie schließlich auserwählt werden, um Terabithia vor den Angriffen der dunklen Schattengestalt zu verteidigen, nutzen die beiden Kinder ihre magischen Fähigkeiten, die ihnen der Wald verleiht. Mithilfe der königlichen fliegenden Armee stürzen sie sich in ein magisches und gefährliches Abenteuer. Doch als Leslie eines Tages alleine die Brücke nach Terabithia überquert, ist plötzlich nichts mehr so wie vorher …

(Quelle: Constantin Film)

Details

Sprache / Ton: Deutsch (DTS-HD 5.1), Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (DTS-HD 5.1), AK Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsche UT für Hörgeschädigte
Bildseitenformat: 1.85:1 in 16:9
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Studio: Constantin Film
Erscheinungstermin: 03.06.2021
Produktionsjahr: 2007
Spieldauer: ca. 95 Minuten
Extras: Making-of, Stimmen zum Buch, Die Visual Effects, Musikvideo „Keep Your Mind Wide Open“, Interviews, Audiokommentare Englisch

Copyright Cover: Constantin Film



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde