Review

Mit „Bodyguard“ erscheint neues Thriller-Futter im Heimkino. Dabei ist „Bodyguard“ keine Neuauflage des 1992 erschienenen Films mit Kevin Costner und Whitney Houston in den Hauptrollen oder mit diesem zu verwechseln, sondern eine britische Dramaserie von Autor Jed Mercurio („Line of Duty“) sowie den Regisseuren John Strickland und Thomas Vincent, die ihre Protagonisten mit Richard Madden und Keeley Hawes besetzen.

Eine Mini-Serie mit Maxi-Inhalt

Die sich auf sechs Folgen erstreckende und als Miniserie angelegte Produktion, die sich Gerüchten zu Folge aufgrund des großen Erfolgs in der Heimat nun offenlässt, irgendwann mit einer Fortsetzung aufzuwarten, bietet und will sehr viel.

Verschwörungen (gegen Politiker), Terror(anschläge), PTBS, das organisierte Verbrechen und Bestechungen stehen hier an der Tagesordnung und sollen Drama und (Polit)thriller miteinander vereinen.

Gerade zu Beginn kommt es dadurch schon mal zu erschwerten Zugangsbedingungen für die Zuschauer, die jedoch sehr schnell in den Bann der Serie gezogen werden.

Von gebrochenen Charakteren und starken Frauen

Dazu tragen auf der einen Seite die unterschiedlichen Figuren bei. Sie, meist gebrochene Charaktere, sind allesamt mit Ecken und Kanten ausgestattet; leider bedient man sich bei der Charakterausarbeitung aber nicht selten auch des einen oder anderen Klischees und Stereotyps.

Deutlich hervor stechen in diesem Zusammenhang die sehr präsenten starken Frauenfiguren, die passend besetzt sind mit Namen wie Keeley Hawes („The Missing“), Sophie Rundle („An Inspector Calls“, „Peaky Blinders“), Gina McKee (u.a. „Catherine The Great“) oder Pippa Haywood (u.a. „Scott & Bailey“).

Da muss der männliche Kollege und Hauptdarsteller Richard Madden (u.a. „Game of Thrones“, „Die Medici – Herrscher von Florenz“) in seiner Rolle als psychisch labiler Kriegsveteran und aktiver Personenschützer der Londoner Polizei, David Budd, schon einiges auffahren, um da mitzuhalten. Zugute kommt ihm dabei nicht nur sein ausdrucksstarkes Mimikspiel, sondern auch die Erzählperspektive der Serie. Denn aus seinem Blickwinkel wird jene vorrangig erzählt, was dazu führt, dass man ihm und der Handlung als solche sehr nahekommt. Unterstützt wird dies wiederum durch zahlreiche Close-ups, die ihre Wirkung nicht verfehlen. Insgesamt muss der gelungenen Kameraführung ein großes Lob ausgesprochen werden.

Aufmerksame Zuschauer

Auf der anderen Seite sind es vor allem die Fragen, wer auf wessen Seite steht und wer Opfer oder wer eigentlich Täter ist, die an die Serie binden und die Spannung und Intensität aufrechterhalten.

Keeley Hawes und Richard Madden übernehmen die Hauptrollen in „Bodyguard – Staffel 1“. (Copyright: Pandastorm Pictures)

Ein damit einhergehender großer Pluspunkt von „Bodyguard – Staffel 1“ sind zudem die häufigen überraschenden Wendungen und unerwarteten Momente, mit denen nahezu jede Folge aufwartet. Lange Zeit sind somit sowohl die Figuren als auch die Handlung undurchschaubar, jeder ist verdächtig und das Interesse am weiteren Verlauf der Dinge seitens der Zuschauer ungebrochen.

Gebannt verfolgen die Zuschauer also das jeweils 60-minütige Geschehen einer Episode. Das führt gleichzeitig dazu, dass sehr genau hingeschaut wird. Dadurch stolpert man ein ums andere Mal auch über logische Ungereimtheiten, die leicht hätten vermieden werden können und die durch die erhöhte Aufmerksamkeit der Zuschauer nicht selten als etwas störend empfunden werden könnten.

Fazit

Nichtsdestotrotz gerät „Bodyguard – Staffel 1“ äußerst packend. Die kleinen Makel verzeiht man der Serie gern und verfolgt gebannt die nie voraussehbaren Entwicklungen der hier sehr eindringlich erzählten Geschichte. Insbesondere Politthriller-Fans sollten sich die in der Heimat gefeierte britische Produktion nicht entgehen lassen.


Bodyguard – Staffel 1 [3 DVDs]

Trailer

Handlung

Der psychisch labile Kriegsveteran David Budd (Richard Madden) arbeitet als Personenschützer einer Spezialeinheit der Londoner Polizei. Auf einer Privatreise kann Budd einen Selbstmordanschlag in einem Zug vereiteln und wird daraufhin zum persönlichen Bodyguard der Innenministerin Julia Montague (Keeley Hawes) befördert. Die ehrgeizige Politikerin steht für all das, was Budd verachtet – umso mehr als er Einblicke in die windigen Geschäfte der Politik erhält. Zwischen seiner Überzeugung und seiner Pflicht hin- und hergerissen, wird er immer mehr zur Gefahr für die Sicherheit der Ministerin. Bis ein Anschlag alles verändert …

(Quelle: Pandastorm Pictures)

Details

Audio: Deutsch / Englisch (DD 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bildseitenformat: 1,78:1 / 16:9
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Pandastorm Pictures
Erscheinungstermin: 19.02.2021
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 362 Minuten (6 Folgen à 60 Min.)
Extras: Originaltrailer / Making of / Interviews / Behind the Scenes

Copyright Cover: Pandastorm Pictures



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde