Review

Ist Blut tatsächlicher dicker als Wasser? Dieser Frage widmet sich die Familien-Dramaserie „Blutsbande“, die zunächst auf Arte ausgestrahlt und nun als DVD veröffentlicht wurde.

In zehn Episoden, verteilt auf vier DVDs, nimmt der Zuschauer teil am idyllisch wirkenden, aber doch äußerst verkorksten Familienleben der Waldemars. Dabei bereisen wir die schöne Insel Åland, gelegen zwischen Schweden und dem finnischen Festland. Die Rauheit der Schäre, eine „kleine felsige Insel, die in den Eiszeiten entstand, als das von Skandinavien und Nordamerika ausgehende Inlandeis die darunterliegenden Gesteinsmassen überströmte und abschliff“ (Quelle: Wikipedia), spiegelt sich nicht nur in den wunderschön eingefangenen und ausgiebig gezeigten Landschaftsaufnahmen wider, sondern auch in der Auswahl der Figuren.

Folge 1 zeichnet sich durch einen sehr entschleunigten Beginn der Serie aus. Charaktere werden vorgestellt und unbewältigte Familiengeheimnisse werden ebenso wie die Notwendigkeiten der Aufarbeitung diverser Probleme einer jeden Figur angedeutet. Einiges davon ist ziemlich schnell vorhersehbar, Kausalitäten bleiben aber über die gesamte erste Episode noch unverständlich. Denn Regisseur Erik Leijonborg versteht es, die Story des Serienschöpfers Henrik Jansson-Schweizer in der Auftaktfolge noch sehr geheimnisvoll zu halten.

Die Geschwister Waldemar - könnten unterschiedlicher nicht sein. Jetzt heißt es zusammenraufen. Wird Blut dicker sein als Wasser? (Copyright: Edel:Motion)

Die Geschwister Waldemar – könnten unterschiedlicher nicht sein. Jetzt heißt es zusammenraufen. Wird Blut dicker sein als Wasser? (Copyright: Edel:Motion)

Entsprechend orakelt sich Protagonistin Anna-Lena Waldemar durch die Episode. Jene betreibt gemeinsam mit ihrem Sohn Oscar und dessen Frau und Tochter ein altes Gästehaus und lädt für die kommende Sommersaison Oscars Geschwister Lasse und Jonna auf die Insel ein. Die beiden schon früh flügge gewordenen Figuren nehmen die Einladung widerwillig an. Vereint ist die Familie, über die man im weiteren Verlauf der ersten Episode immer mehr Details erfährt. So ist von einer schweren Kindheit die Rede, während die Geschwister, die unterschiedlicher nicht sein könnten, ihr jeweils eigenes Päckchen zu tragen haben. Konflikte sind vorprogrammiert und erfahren eine Steigerung durch den Tod Anna-Lisas.

Die zunehmende Dramaturgie geht jedoch zunächst – durch die bisher aufrechterhaltene Distanz zwischen Zuschauer und Handlung/Figuren – recht emotionslos vonstatten.
Hinzu kommt eine schlechte, da teilnahms- und leidenschaftslos wirkende deutsche Synchronisation der Anna-Lisa Waldemar, die kaum Sympathien und Verbindungen zur Figur entstehen lässt.

Bildet Folge 1 noch die reine Vorgeschichte von „Blutsbande“, beginnt mit Episode 2 nun die eigentliche Handlung.
Und was zuerst als durchschnittlich oder gar langweilig hätte wahrgenommen werden können, mausert sich von Folge zu Folge immer mehr zu einem großartigen Serienerlebnis. Zu verdanken ist dies den immer dichter werdenden Handlungssträngen, die den Zuschauer zunehmend zu fesseln wissen. Spätestens nach der Hälfte der ersten Staffel will man mehr und vor allem Kenntnis darüber erlangen, wie „Blutsbande“ sich weiterentwickelt und schließlich endet.
Dies heißt zugleich aber, dass all jene, die mit dem schleppenden Beginn erst einmal wenig anfangen können, viel Geduld mitbringen müssen, um schließlich doch noch von „Blutsbande“ geflasht zu werden. Die Ausdauer wird dann allerdings mehr als belohnt und nach der ersten Staffel trennt man sich nur ungern von den mittlerweile lieb gewonnenen Charakteren, die allesamt hervorragend von Schauspielern wie Björn Bengtsson (u.a. zu sehen in „Kommissar Beck“), Joel Spira (u.a. bekannt aus „Easy Money“) und Aliette Opheim (u.a. bekannt aus „Arne Dahl“) dargestellt werden.

Schön gemacht sind zudem die jeweils vor einer Folge gezeigten Rückblenden auf das bisherige Geschehen. Auf das Nötigste und Wichtigste komprimiert wird in Erinnerung gerufen, was bisher geschah. Dies ermöglicht auch das nur zeitweilige oder durch Pausen unterbrochene Schauen der ersten Staffel.

Wenn aus Brüdern Gegner werden ... dann endet es auch schon mal blutig. (Copyright: Edel:Motion)

Wenn aus Brüdern Gegner werden … dann endet es auch schon mal blutig. (Copyright: Edel:Motion)

Ein wahres Highlight von „Blutsbande“ ist außerdem dessen Titelmelodie, die daher auch extra erwähnt werden soll. Passend und äußerst stimmungsvoll begleiten Ausschnitte des bisher unveröffentlichten Songs der Band Fläskkvartetten (engl. Fleshquartet) das Intro. Zu der atmosphärischen Musik gesellt sich die zauberhaft sanfte Stimme Elsa Larssons, die hier zum ersten Mal einem Song ihre Stimme leiht.

Anfangs noch sehr – ich nenne es mal – „ZDF-typisch“, entfesselt „Blutsbande“ nach einigen Folgen seine „Magie“. Die Dramatik ist nicht unbedingt emotional berührend, versteht es aber trotzdem, die Neugier über den Fortgang der zueinanderfindenden einzelnen Handlungsstränge zu schüren. Alles in allem ein schleppender Beginn, der schließlich in einer spannenden sowie unterhaltsamen und darüber hinaus in weiten Teilen authentischen Dramaserie über eine außergewöhnliche Familienbande endet. Wen die Staffel schon mit der ersten Folge in seinen Bann zieht, darf unserer Bewertung gerne einen halben Stern hinzuaddieren.

Handlung

Auf einer wunderschönen Insel in den schwedischen Schären betreibt Anna-Lisa Waldemar zusammen mit ihrem Sohn Oscar und dessen Familie ein altes Gästehaus. Als sie pünktlich zum Beginn der Sommersaison Oscars Geschwister Lasse und Jonna auf die Insel einlädt, hält sich seine Begeisterung mehr als in Grenzen. Doch bald erschüttert ein noch größerer Schock Oscars Welt: Anna-Lisa wird tot aufgefunden. Und damit nicht genug. In ihrem Testament verfügt sie, dass ihre Kinder nur dann erben, wenn sie die Pension eine Saison lang gemeinsam betreiben.

Der letzte Wille der Mutter ist ein verzweifelter Versuch, die Geschwister wieder zusammenzuführen und miteinander zu versöhnen. Das allerdings ist leichter gesagt als getan. Denn das Wiedersehen von Oscar, Lasse und Jonna bringt jede Menge verborgene Wahrheiten und dunkle Familiengeheimnisse ans Tageslicht, die ihre Leben für immer verändern. Sie müssen sich den verdrängten Konflikten der Vergangenheit ebenso stellen, wie den aufgewühlten Emotionen der Gegenwart. Und alle werden herausfinden, ob Blut wirklich dicker als Wasser ist …

(Quelle: Edel:Motion)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Schwedisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 05.06.2015
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: 600 Minuten
Bonus: DVD Highlights (Vorschau)

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde