Review

Was uns viele Experten für die nahe Zukunft prophezeien, ist in dem Anime „Blue Submarine No. 6“ bereits Wirklichkeit geworden. Eine Klimaveränderung hat die Polarkappen schmelzen lassen und so wurden große Landteile des Planeten mit Wasser überspült. Der klischeebehaftete Grund dafür ist ein größenwahnsinniger Wissenschaftler, welcher der Menschheit den Krieg erklärt hat. Im Zuge dessen hat er auch noch gleich eine komplett neue Spezies erschaffen, gegen die sich die Menschheit neben den blauen Massen zusätzlich erwehren muss.

Das Animationsstudio Gonzo hat „Blue Submarine No. 6“ mit zwei verschiedenen Stilen aufgezogen. Auf der einen Seite haben wir die traditionelle Methode, bei der jedes einzelne Bild von Hand gezeichnet wurde. Und das erkennt man auch an den Animationen, da besonders der Charme dahinter sichtbar hervortritt. Effekte des Wassers, U-Boote bzw. Schiffe sowie die Gefechte wurden hingegen per CGI animiert.
Zunächst mögen die 3D-Effekte etwas gewöhnungsbedürftig wirken, da die Bewegungen oft nicht flüssig verlaufen und alles irgendwie klobig aussieht. Wenn man aber bedenkt, dass der Anime Ende der 90er ausgestrahlt wurde, also logischerweise die Produktion noch einige Zeit davor stattfand, kann man diesen technischen Teil durchaus verkraften. Ist man erst einmal in den ersten Folgen drin, läuft das Zuschauen viel routinierter.

Zum Plot gibt es nicht viel zu sagen, da es sich nicht um die innovativste Story handelt, aber die Präsentation hat durchaus ihre Stärken. Das Ganze erscheint nämlich sehr distanziert. Alles wird als selbstverständlich hingestellt und so hat der Zuschauer das Gefühl, unvermittelt in das Geschehen gestolpert zu sein. Zusammen mit einer doch kurzen Anzahl von fünf Episoden wirkt „Blue Submarine No. 6“ nur wie ein kurzer Augenblick, den man in dieser Welt verbringen darf. Dies trägt auch zur allgemeinen Stimmung bei.

Allerdings ist es so, dass fünf Folgen einfach zu wenig sind, damit die Story des Animes richtig an die Zuschauer transportiert werden kann. Durch diese ganzen Gegebenheiten werden viele Handlungsstränge nur angeschnitten oder treten lediglich in komprimierter Form auf. Man muss sich vieles selber denken. Da steckt definitiv viel Potenzial drin, das ausgeschöpft wird, aber der Punkt, an dem „Blue Submarine No 6“ zünden soll, will nicht so recht kommen.

Gut kommt allerdings das Design an. Dabei spielen unter anderem die U-Boote und Kampfschiffe der Chimeren eine Rolle, die größtenteils an Meereslebewesen wie Wale oder Flusskrebse angelehnt sind. Auch die künstlich geschaffenen Existenzen tragen ihren Teil zum Thema Wasser bei und allein durch ihr Aussehen ist es schon fast möglich, sie in die Funktionen ihrer Gesellschaft einzuteilen. Besonders in den letzten Episoden arbeitet man viel mit visuellen Anlehnungen an das kühle Nass, was den Zuschauer mal zu erdrücken scheint und mal emotional bewegt.

Mein persönliches Highlight war die deutsche Synchro. Und mit Highlight meine ich komplette Katastrophe. Ja, viele werden instinktiv auf japanische Originalvertonung umschalten, aber für sein Geld bekommt man nun mal das Gesamtpaket. Bis auf das Ende sind die Stimmen emotionslos eingesprochen, und wenn eine Figur mal wirklich Emotionen zeigen soll, wirkt es mehr aufgesetzt als glaubwürdig. Ein weiteres Detail, auf welches man ständig achten wird, ist, dass Stimme und Bewegungen der Münder übermäßig asynchron daherkommen. Natürlich kann man die Synchronisationen nie 1:1 auf die Gesichtsmimik der Figuren adaptieren, jedoch muss man es auch nicht nur bei vagen Versuchen belassen.

Verg, Truppenleiter der Chimeren, führt seine Flotte in den Kampf. (Copyright: 1998 Satoru Ozawa – Bandai Visual – Toshiba EMI – Gonzo)

Verg, Truppenleiter der Chimeren, führt seine Flotte in den Kampf. (Copyright: 1998 Satoru Ozawa – Bandai Visual – Toshiba EMI – Gonzo)

Trotzdem dürfen sich die Ohren freuen, denn der Soundtrack, den The Thrill hier beigesteuert haben, überzeugt durchgehend. An der Tagesordnung steht fast ausschließlich Jazz; sei es während Unterwassergefechten oder in anderen wichtigen Szenen. Es passt jedes Mal und reißt mit.

Gonzo hat hier ganze Arbeit geleistet. „Blue Submarine No. 6“ sieht, obgleich der schwerfälligen CGI-Animationen, abwechslungsreich und ansprechend aus. Der größte Negativpunkt ist der, dass man aus diesem Anime nicht viel mitnimmt, gerade weil die Story so weit von einem entfernt ist. Wäre es ein ganzer Film ohne einzelne Outros oder einer Vorschau auf die nächste Folge gewesen, hätte es sich weniger wie eine abgehackte Serie angefühlt. Im Endeffekt muss man sich hier eine eigene Meinung bilden, einen Fehler macht man mit „Blue Submarine No. 6“ jedenfalls nicht.

Handlung

Durch eine weltweite Klimaveränderung, die der größenwahnsinnige Wissenschaftler Zorndyke herbeigeführt hat, sind die Polarkappen geschmolzen und viele Teile der Erde unter Wassermassen versunken. Etwa eine Milliarde Menschen verloren dabei ihr Leben. Darüber hinaus erschuf Zorndyke Wesen, die unter Wasser durch Kiemen atmen können und so die neue Welt nach seinen Vorstellungen besiedeln sollen, die Chimären. Zorndyke hat die Rechnung jedoch ohne Mayumi Kino und Tetsu Hayami gemacht, die der Umweltorganisation Ao angehören und sich dem Wissenschaftler in den Weg stellen.

(Quelle: Nipponart)

Details

Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprache: Japanisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Gonzo
Publisher: Nipponart
Erscheinungstermin: 26.02.2015
Produktionsjahr: 2004
Spieldauer: ca. 150 Minuten
Extras: Booklet, Making-Of, Trailer

Copyright Cover: Nipponart



Über den Autor

Christopher