Review

All against Zombies

Plants vs. Zombies, Scouts vs. Zombies, Navy Seals vs. Zombies, Strippers vs. Zombies, Aliens vs. Zombies sogar Bigfoot vs. Zombies und Abraham Lincoln vs. Zombies – diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen und es gibt wohl nichts und niemanden in der Unterhaltungsindustrie, der es nicht schon mit den Hirn fressenden Untoten aufgenommen hätte. Daran wird sich auch so schnell nichts ändern, denn die Zombie-Apokalypse ist und bleibt ein beliebtes Thema – vor allem für Horror-Filme.

Auch Regisseur Jeff Barnaby hat sich dem angenommen, möchte in seinem Genre-Film „Blood Quantum“ zugleich jedoch auch Familiendrama und Kritik an der Kolonialisierung unterbringen.

Horror-Schocker mit vermeintlichem Tiefgang

Die Apokalypse als Metapher für den Kolonialismus zu interpretieren, wie es Barnaby laut Interview im Rahmen des Bonusmaterials verstanden haben möchte, fällt allerdings schwer – und kommt auch thematisch viel zu kurz respektive oberflächlich. Aber sind wir ehrlich: Wer vermutet auch schon eine derartige Tiefgründigkeit bei einem Horror-Schocker, der eine Altersfreigabe ab 18 Jahren erhielt, die Worte „verfickt“ und „Wichser“ in beinahe jedem Dialog und Monolog unterbringt (eine Vorliebe für derbe Sprache sollte man daher – wie nicht unüblich bei derlei Filmen – schon mitbringen), sich mit dem Titel „Indianer vs. Zombies“ zusammenfassen und sich damit problemlos in die eingangs erwähnte Aufzählung einreihen ließe?! Eben, wohl niemand so richtig.

Und das ist auch gut so, denn „reduziert“ man „Blood Quantum“ auf das, was er am besten kann und was er letztlich auch „nur“ ist, nämlich trotz Low-Budget-Produktion eine grandiose zombie-apokalyptische Unterhaltung, dann schneidet der Film gut ab. Wer braucht also zusätzlich noch ein (Familien)drama, wenn er Zombies in allen Formen und Zuständen haben kann?

Zunächst sehr ruhig und mit eigenwilliger Kameraführung, die den Zuschauer auch im weiteren Verlauf der insgesamt knapp 96-minütigen Spielzeit immer mal wieder begegnen wird, eröffnet Barnaby seinen Streifen.

Auch wenn er im Folgenden an den Grundprinzipien und Hauptzutaten eines Zombie-Films festhält, streut er zusätzlich einige innovative Ideen in seinen Film ein wie etwa Zeitsprünge, Comic-Szenen und erzählerische Elemente. Damit verharrt er nicht zu lange auf stumpfen Metzel-Szenen, sondern verpasst „Blood Quantum“ interessante Zusätze. Inwieweit der Künstler dabei in bzw. mit ihm durchgegangen ist, liegt jedoch im Auge des jeweiligen Betrachters und ist zuletzt nicht auch eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Resümee

Für einen Low-Budget-Film ist „Blood Quantum“ sehr ansehnlich geraten.

Indianer vs. Zombies heißt es im Horror-Film „Blood Quantum“. (Copyright: Koch Media GmbH)

Zwar wird das Rad hier beileibe nicht neu erfunden, aber neben bewährten Zutaten weist der gelungene Zombie-Streifen auch einige neue Ansätze auf, die mitunter beinahe einen künstlerischen Anspruch aufweisen.

Die subtilen Botschaften, die der Regisseur bezüglich des Kolonialismus hier jedoch untergebracht und verstanden haben möchte, fallen leider derart subtil aus, dass sie kaum bis gar nicht wahrgenommen werden. Zumindest diesbezüglich wurde das vorgenommene Ziel verfehlt.

Entschädigt wird man – genretypisch und erwartbar – mit einer teils kreativen, teils äußerst blutrünstigen Dezimierung der Hauptfiguren sowie jeder erdenklichen Art und Form eines Zombies.

Handlung

Im kanadischen Red-Crow-Reservat liegt einiges im Argen: Fälle von häuslicher Gewalt nehmen in beunruhigendem Ausmaß zu, und totes Getier erwacht überraschend zu neuem Leben. Dann beginnt die Apokalypse, und wir blenden sechs Monate nach vorn. Die indianischen Ureinwohner sind die einzigen Menschen, die gegen das Virus immun sind, das mittlerweile fast die gesamte Weltbevölkerung in geifernde Untote verwandelt hat. Täglich müssen sie nun entscheiden, wen sie in die relative Sicherheit ihrer kleinen Festung lassen. Doch wie so oft lauert selbst hinter den Fassaden der vertrautesten Freunde Gefahr. Es dauert nicht lange, bis sich drinnen und draußen die Bestien ihre Bahn brechen und ein verzweifelter Kampf ums Überleben beginnt.

(Quelle: Koch Media)

Details

Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Bildformat: 2.35:1 (16:9)
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: : Deutsch
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Koch Media GmbH
Erscheinungstermin: 24.09.2020
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: ca. 96 Minuten
Extras: Trailer, Making Of, Interviews, Q&A

Copyright Cover: Koch Media GmbH



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde