Review

Aus der Masse an fantastischen Romanen stechen einige derart heraus, dass sie das Interesse der Filmemacher wecken. Dies widerfuhr auch der „Women of the Otherworld“-Reihe von der Autorin Kelley Armstrong, deren bisherige Bücher über den Knaur Verlag veröffentlicht wurden. In ihnen sah man das Potenzial zu einer spannenden Fernsehserie, welche seit August 2015 beim Sender SIXX ausgestrahlt wird und inzwischen auch auf DVD und/oder Blu-ray erhältlich ist.

Autorin Kelley Armstrong liefert die Buchvorlage für "Bitten". (Copyright: Kathryn Hollinrake)

Autorin Kelley Armstrong liefert die Buchvorlage für „Bitten“. (Copyright: Kathryn Hollinrake)

Wie nah sich die Serie an die Buchvorlage hält, kann und möchte ich aus Mangel an ausreichender Kenntnis nicht beurteilen, vielmehr betrachte ich „Bitten“ in dieser Rezension als eigenständige Produktion.

Stilistisch bedient sich die Serie an Zutaten aus den Bereichen Fantasy, Mystery, Thriller, Drama und Horror. Wie es sich für eine romantisiert angehauchte Inszenierung über Werwölfe gehört, denn diese spielen die Hauptrolle in „Bitten“, fehlt es auch an Erotik und (damit einhergehend) nackter Haut nicht.

Sicherlich ist das Werwolfmotiv in der Fantastik – sowohl in der Literatur als auch im Film – nicht neu. Auf die Umsetzung kommt es aber an und diesbezüglich kann sich „Bitten“ sehen lassen.

Elena Michaels, die Protagonistin, ist der weltweit einzige weibliche Werwolf. Ein Ansatz, der die Figur, gespielt von Laura Vandervoort (vor allem bekannt durch ihre Rollen in „Ted“ und „Smallville“), in ein von Männern dominiertes Umfeld katapultiert. Ihre Suche nach ihrem Platz in der Welt wird von der ersten Episode der ersten Staffel an deutlich. Dies beides zusammengenommen liefert schon mal ein Alleinstellungsmerkmal von „Bitten“.

Clayton Danvers (Greyston Hold) geht auch in Menschengestalt nicht gerade zimperlich mit seinen Gegnern um. (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Clayton Danvers (Greyston Hold) geht auch in Menschengestalt nicht gerade zimperlich mit seinen Gegnern um. (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Dass darüber hinaus ein Gleichgewicht zwischen Action, Horror und der ebenfalls vorhandenen Liebesgeschichte (bzw. Dreiecksbeziehung) besteht, ist gut, denn so wird kein Element der vorhandenen Genres zu sehr in den Vordergrund gerückt und die Serie bildet ein stimmiges Ganzes.

Zudem wimmelt es in der sexy-düsteren Mysteryserie vor Spannung, oft ausgelöst durch dunkel gehaltene Szenen und überraschende Wendungen, sowie Schicksalsschlägen, die dem Zuschauer den einen oder anderen lieb gewonnenen Charakter durch einen meist blutigen Todesfall wieder nehmen.

Die Flashbacks, die mehr und mehr über die Vergangenheit und Konstellationen einzelner Figuren preisgeben, sind geschickt integriert und immer als solche erkennbar inszeniert.

Während beispielsweise die „Twilight“-Produktion viel Geld in die Special Effects gesetzt hat, vieles aber dennoch sehr künstlich aussah, zeigt „Bitten“ in seiner ersten Staffel, wie es funktionieren kann. Die besagten Szenen, darunter insbesondere die Gestaltwandlungsmomente und die Animation der Wölfe, wurden sehr gut in Szene gesetzt und fügen sich glaubhaft und meist realistisch wirkend in die Serie ein.

Das bunt gemischte Rudel mit Frauenquote. (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Das bunt gemischte Rudel mit Frauenquote. (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Über die Besetzung lässt sich oftmals streiten, insbesondere, wenn es sich um eine Literaturverfilmung handelt. Denn nicht wenige Leser, die im Falle von Kelley Armstrongs Werken schon als Fans bezeichnet werden können, entwickeln ein ganz eigenes Bild von den beschriebenen Figuren. So wird vermutlich nicht jedem das Cast in Gänze gefallen.“Neutrale“ Zuschauer können mit der Auswahl an Schauspielern aber durchaus zufrieden sein, denn talentiert sind sie allemal.
Selbst die zahlreichen Stunteinlagen absolvierten jene selbst; einen diesbezüglichen kleinen Blick hinter die Kulissen bietet der Menüpunkt „Stunts“ unter „Extras“.

Ansonsten hält man sich mit Bonusmaterial, lediglich noch bestehend aus einer Trailershow und „Behind the Scenes“-Material, jedoch sehr zurück. Zu verschmerzen ist dies, da die Serie ansonsten auf ganzer Linie überzeugen kann. Es wird zu keinem Zeitpunkt zu kitschig, zu romantisch oder zu belanglos. Daher ist „Bitten“ jedem zu empfehlen, der sich für Gestaltwandler-Serien, in diesem Fall vorzugsweise für Werwölfe, interessiert. Diese kommen – das sei abschließend noch gesagt – nicht als blutrünstige Monster im Stile eines „American Werewolf“ daher, sondern werden als realistisch nachgeahmte Wölfe dargestellt. Einzig die Wandlung von Mensch zu Tier zeigt diesbezüglich (entschärfte) Parallelen auf.

Trailer (dt.)

Trailer (engl.)

Handlung

Sie leben unter uns und sichern ihr Überleben durch den Zusammenhalt im Rudel.
Die 28-jährige, attraktive Elena Michaels war einst Mitglied der Familie der Wölfe. Ein schrecklicher Vorfall bewegte sie jedoch dazu, ihre Familie, ihr altes Leben und alles Übernatürliche hinter sich zu lassen. Jetzt lebt sie gemeinsam mit ihrem Freund Philipp in Toronto und arbeitet als erfolgreiche Fotografin – ihr Leben scheint perfekt.

Doch nach einer schrecklichen Mordserie in Elenas Heimatstadt Stonehaven ändert sich alles schlagartig: Scheinbar haben sich abtrünnige Wölfe das Ziel gesetzt das Rudel zu stürzen – ein Kampf steht bevor.
Die junge Schönheit muss zum Rudel zurückkehren und sich ihrem inneren Kampf zwischen Mensch und Bestie stellen …

(Quelle: Studio Hamburg Enterprises)

Episoden

Disc 01
01 Stonehaven (Summons)
02 Die verlorene Tochter (Prodigal)
03 Der Eindringling (Trespass)

Disc 02
04 Trauer (Grief)
05 Der Biss (Bitten)
06 Bindungen (Committed)
07 Jäger und Gejagte (Stalking)

Disc 03
08 Der Gefangene (Prisoner)
09 Vergeltung (Vengeance)
10 Abstammung (Descent)
11 Gefahr (Settling)

Disc 04
12 Eingesperrt (Caged)
13 Bereit (Ready)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Studio Hamburg Enterprises
Erscheinungstermin: 31.10.2014
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: 546 (13 Folgen à 42 Minuten) + 22 Minuten Bonusmaterial
Extras: Behind the Scenes, Stunts, Trailershow

Copyright Cover: Studio Hamburg Enterprises



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde