Review

Nicolas Cage

Seit Jahren dümpelt Oscar-Preisträger Nicolas Cage irgendwo in den tiefsten Untiefen des Straight-to-DVD-Marktes herum („Dog Eat Dog“). Die Streifen sind mitunter so unterirdisch, dass man meinen könnte, Cage hätte sein eigenes Genre erfunden. Zwar sind diese Entgleisungen zuweilen zumindest zum Schmunzeln, doch erscheinen sie eher zum Leidwesen seiner nach wie vor zahlreichen Fans.

Gefeiertes Comeback: Mandy

Mit seiner Hauptrolle in Mandy“ von Regisseur Panos Cosmatos ist dem ausdrucksstarken Charaktermimen – zumindest vorläufig – ein von den Kritikern umjubeltes Comeback gelungen.

In dem experimentellen, psychedelischen LSD-Horror-Trip, ganz rot in rot gehalten, der mit seiner Vorliebe für den Horror-Film der 80er ganz dem Zeitgeist entspricht („Summer of 84“, „The Strangers: Opfernacht“), wütet Cage als Ein-Mann-Armee. Als Holzfäller-Rocker begibt er sich auf einen Kreuzzug gegen einen religiösen Kult, der seine Freundin auf dem Gewissen hat.

Meines Erachtens fiel die Kritik für den Fantasy-Horrorfilm, der zwar ästhetisch und vom Sounddesign tatsächlich bahnbrechend ist und ausgetretene Pfade verlässt, zwar allzu überschwänglich aus. Denn immerhin weist er auch einige – größere – Schwächen auf. Womöglich hat sich der eine oder andere Kritiker aber in seiner Freude über einen ansehnlichen Cage-Film dazu hinreißen lassen, den Film über Gebühr abzufeiern (3/5 Sterne hielte ich für angemessen).

Doch langer Rede kurzer Sinn: Mandy“ ist gewiss der beste Film mit Nicolas Cage-Beteiligung seit langer Zeit.

Between Worlds

An diesen Achtungserfolg will nun der Mysteryfilm „Between Worlds“ von Regisseurin Maria Pulera anknüpfen, in dem neben Cage vor allem noch die deutsche Ausnahmeschauspielerin Franka Potente („Lola rennt“, „Taboo – Staffel 1“) zu sehen ist.

Nach Sichtung des Trailers könnte man zunächst meinen, dass der Film in eine ähnliche Kerbe schlägt wie Mandy“. Doch es soll ganz anders kommen.

Handlung

Der Trucker Joe (Nicolas Cage) ist völlig pleite und abgehalftert. Seine Frau und Tochter starben einst bei einem Brand. Als Joe eines Tages auf einem Rastplatz pausiert, hört er eine Frau um Hilfe rufen. Die junge Frau namens Julie (Franka Potente) wird auf der Toilette stranguliert. Joe prügelt den Angreifer heroisch zu Brei. Allerdings war er offenbar zu übereifrig, denn das Opfer ist alles andere als dankbar.

Julie ist seit Kindestagen spirituell begabt und kann im Falle einer Nahtoderfahrung Kontakt zu Toten oder Menschen in der Zwischenwelt aufnehmen. Derart wollte sie ihre komatöse Tochter Billie (Penelope Mitchell) zurück aus der Welt zwischen Leben und Tod holen. Nach kurzer Überredung hilft Joe ihr bei diesem verzweifelten Unterfangen und tatsächlich kommt die komatöse Tochter zurück. Oder doch nicht?

Bewertung

Wahnsinn. Mit „Between Worlds“ heißt es für Nicolas Cage wieder „back to the roots“ (der letzten Jahre). In der bizarren und skurrilen Mystery-Romanze stimmt fast nichts. Der Film sieht billig aus, die Dialoge sind zuweilen unterirdisch und die Handlung plätschert ohne größere Höhepunkte vor sich hin.

Nicolas Cage und Franka Potente in „Between Worlds“ (Copyright: EuroVideo Medien GmbH)

Nicolas Cage ist zwar – fast wie immer – in Spiellaune, fühlt sich sichtlich wohl in seiner Rolle als abgerissener und schmieriger Trucker und beweist auch reichlich Selbstironie, aber das allein rettet keinen Film.

Auch Franka Potente hat ihrer internationalen Karriere mit diesem Engagement ganz bestimmt keinen Gefallen getan – brillieren kann sie hier jedenfalls nicht.

Eine tiefere Botschaft sucht man meines Erachtens zudem vergebens. Zwar könnte man sagen, dass die Dinge aus einem gewissen Grund geschehen und auch geschehen sollten und wir Menschen darauf keinen Einfluss haben. Man könnte aber auch sagen: Hier gibt es schlicht keine größere Moral.

Fazit

Zwar gewinnen einige Nicolas Cage-Filme ihren ganz eigenen Charme durch unfreiwillige Komik, doch selbst das gelingt „Between Worlds“ leider nicht. So bleibt die Frage, wer das Zielpublikum für den Streifen ist. Wer Nic Cage gerne zusieht, wie er mit diversen Frauen den Beischlaf vollführt und dabei aus einem fiktiven Buch über seine Erinnerungen vorträgt, der sei herzlich eingeladen.

Alle anderen meiden diesen Rohrkrepierer aus der Hölle womöglich lieber und sichten – im Zweifel noch einmal – Mandy.

Trailer

Inhalt

Joe (Nicolas Cage) ist ein heruntergekommener Trucker, den die Erinnerungen an seine verstorbene Frau und Tochter plagen. Zufällig trifft er auf Julie (Franka Potente), die eine besondere Gabe besitzt und sich in der Welt zwischen Leben und Tod bewegen kann. Joe hilft ihr bei dem verzweifelten Versuch, ihre komatöse Tochter Billie (Penelope Mitchell) zurück zu holen. Doch der Geist von Joes verstorbener Frau ergreift Besitz von Billies Körper, um eine offene Rechnung in der Welt der Lebenden zu begleichen.

(Quelle: EuroVideo Medien GmbH)

Details

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: EuroVideo Medien GmbH
Erscheinungstermin: 28.02.2019
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 96 Minuten

Copyright Cover: EuroVideo Medien GmbH



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)