Review

Von 2002 bis 2005 lief die für die ARD produzierte Fernsehserie „Berlin, Berlin“ im Vorabendprogramm und erreichte mit insgesamt vier Staffeln eine stetig wachsende Fangemeinde. Vor allem bei der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen kam Protagonistin Carlotta „Lolle“ Holzmann, gespielt von Felicitas Woll, mit ihrem Gefühlschaos, Männergeschichten, Träumen und Alltagsproblemen hervorragend an.

Der Film zur Kultserie

Nach vier Staffeln und insgesamt 86 Folgen, die unter der Regie von u.a. Franziska Meyer Price, Christoph Schnee, Sven Unterwaldt Jr. und Titus Selge entstanden sind, war dann Schluss. Doch immer wieder kam der Gedanke an einen Kinofilm zur Serie auf.

Regisseurin Franziska Meyer Price war es dann, die diese Idee – 15 Jahre nach der letzten Staffel – aufgriff und in die Tat umsetzte, indem sie 2020 den lieb gewonnenen Cast für einen Kinofilm zurück auf die Bildschirme holte.

Nach dem Corona-bedingten Kinostart-Ausfall im letzten Jahr fand „Berlin, Berlin – Der Film“ schließlich einen Streaming-Platz bei Netflix und erscheint nun durch Constantin Film auch für das Heimkino. So heißt es nun also:

Lolle is back!

Und mit ihr ihre bewährten Probleme, die man bereits aus der Serie kennt.

Lolle, inzwischen 38 Jahre alt, steht kurz vor dem Ja-Wort mit Hart (Matthias Klimsa). Sie will sesshaft werden, eine Familie gründen und beruflich durchstarten. Wenn da nicht noch Sven (Jan Sosniok) wäre, der auch jetzt noch die Gefühle der erwachsen gewordenen – und damit auch der einstigen Zielgruppe der Serie entwachsen – Lolle mächtig durcheinanderbringt; vor allem, als er ihre Hochzeit crasht.

Einige emotionale Ausraster, ein paar Sozialstunden und eine neue Freundin Dana (gespielt von Janina Uhse) später befinden sich Figuren und Zuschauer prompt in einem Roadtrip, den man so wohl nicht erwartet hätte.

Von Berlin in den Harz und wieder zurück

Das fasst diese Reise geografisch und eigentlich auch schon inhaltlich knapp zusammen, die zusätzlich gespickt ist mit allerlei Absurditäten, die fern der Realität weder für Identifikationspotenzial der Charaktere sorgen noch schlüssig, geschweige denn glaubwürdig die Geschichte nachvollziehen lassen.

Ließ Lolle bereits in der Serie nur wenig Fettnäpfchen aus, so waren diese zumindest unterhaltsam und authentisch angelegt. Hier jagt nun allerdings eine abstruse Situation die nächste. Irgendwie musste man scheinbar alte Figuren erneut in Lolles Leben schreiben und irgendwie sollte der Film zur Serie natürlich auch moderner und zeitgemäßer wirken – nach so langer Zeit, seit die letzte Folge im Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Das Problem dabei ist aber, dass Spannung so gar nicht dabei aufkommen möchte. Dazu fällt Lolles Comeback zu realitätsfern und ihre Erlebnisse zu unlogisch aus. Sollte dem allerdings doch mal gerade nicht so sein, plätschert die Handlung belanglos vor sich hin.

Ein Grund dafür mag der nicht zündende Humor sein, den man aus der Serie noch ganz anders kennt.
Ein dazu beitragendes Element, das gleichzeitig auch ein Markenzeichen von „Berlin, Berlin“ war, sind die Zeichentricksequenzen. Jene finden auch im Film Eingang und werden gar um Animationssequenzen erweitert. Das stellt sich jedoch nicht unbedingt als Vorteil heraus, wirkt der gemischte Einsatz dieser Trademarks zum Kontext zwar passend, stilistisch jedoch sehr durcheinander.

Lolle is back – in „Berlin, Berlin – Der Film“. (Copyright: Constantin Film)

Zudem ziehen diese Szenen das Ganze zuweilen allzu sehr ins Lächerliche und werden darüber hinaus dafür benutzt, um Handlungslücken (mit Fantasy-Zutaten) zu füllen. Letzteres Vorgehen wirkt in der Umsetzung fehl am Platz, ist die einstige Zielgruppe diesen Einschüben mittlerweile definitiv entwachsen, und trägt nicht gerade zur Authentizität bei.

Bei aller Kritik hält „Berlin, Berlin – Der Film“ aber erfreulicherweise auch etwas Positives parat, nämlich ein Wiedersehen mit einem Großteil des Kult-Casts aus der Serie.

An den Kultstatus ebenjener Produktion sowie an dessen Erfolg reicht der Film allerdings nicht heran. 

Fazit

Insgesamt wirkt „Berlin, Berlin – Der Film“ sehr gewollt an die Serie angepasst, ohne deren einstigen Charme zu erreichen. Stattdessen erscheint vieles hier zu gezwungen und gekünstelt.

Hin und wieder blitzt immerhin ein Hauch Nostalgie hervor und man schwelgt in Erinnerungen an unvergessliche Szenen aus der Serie. Diese „Nachhaltigkeit“ erzielt der Film leider zu keinem Zeitpunkt und so ist er so schnell wieder vergessen, wie man zuvor lange darauf gewartet hat. Vielleicht kommt der Film einfach zu spät, um die einstige Zielgruppe oder eine neue jetzt noch adäquat anzusprechen.


Berlin, Berlin – Der Film

Trailer

Handlung

Lolle is back!

Typisch Sven (Jan Sosniok)! Er platzt mitten in Lolles (Felicitas Woll) Hochzeit mit Hart (Matthias Klimsa) hinein und macht ihr vor versammelter Gästeschar einen Heiratsantrag. Völlig verwirrt flüchtet Lolle in wilder Fahrt quer durch Berlin. Nach einem emotionalen Ausraster landet sie vor Gericht und wird prompt zu Sozialstunden an einer Schule verdonnert. Dort trifft sie Dana (Janina Uhse), mit der sie eines gemeinsam hat: Komplizierte Männergeschichten. Nach einer verrückten Partynacht in den Berliner Clubs wachen die beiden am nächsten Morgen in einem Auto auf, allerdings nicht in Berlin, sondern im Harz! Lolle will unverzüglich zurück. Doch die Fahrt nach Berlin wird zu einem aberwitzigen Roadtrip, der für beide Freundinnen zu einer Reise wird, die ihr Leben für immer verändert … aber Moment mal! Was ist eigentlich mit Svens Heiratsantrag?

(Quelle: Constantin Film)

Details

Sprache / Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 2.0), Hörfilmfassung (DD 2.0)
Untertitel: Deutsche UT für Hörgeschädigte, Englische UT
Bildseitenformat: 2.39:1 in 16:9
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Constantin Film
Erscheinungstermin: 12.05.2021
Produktionsjahr: 2020
Spieldauer: ca. 77 Minuten
Extras: Interviews

Copyright Cover: Constantin Film



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde