Review

Der neue Barry Jenkins

Spätestens seit dem Eklat bei der Oscarverleihung 2017 war Barry Jenkins‘ „Moonlight“ in aller Munde. Schließlich wurde das Drama erst als Bester Film ausgezeichnet, nachdem zunächst fälschlicherweise die versammelte Mannschaft von „La La Land“ auf die Bühne gebeten worden war und bereits ihre Dankesreden zum Besten gegeben hatte. Eine ausgesprochen peinliche Umschlagverwechslung. Dabei ist diese Art von billiger Publicity das Letzte, was ein meisterlich inszenierter und besonderer Film wie „Moonlight“ bedurfte.

Mit „Beale Street“ (If Beale Street Could Talk) wandert Jenkins nunmehr von den 1980er Jahren in die 70er Jahre und verfilmt mit dem gleichnamigen Roman von James Baldwin wiederum dramatischen Stoff, der das Publikum nicht unberührt lässt.

Wie schon bei seinem oscarprämierten Meisterwerk arbeitet der Regisseur hier erneut mit Produzent Adele Romanski, dem Kameramann James Laxton, den Filmeditoren Joi McMillon und Nat Sanders sowie Komponist Nicholas Britell zusammen. Und wie zuvor regnete es Auszeichnungen und Nominierungen, wobei ganz besonders die schauspielerische Leistung von Regina King gekürt worden ist, die sowohl den Oscar, als auch den Golden Globe für die Beste Nebendarstellerin erhalten hat.

If Beale Street Could Talk

Harlem, 70er Jahre: Seit ihrer Kindheit sind die 19-jährige „Tish“ (KiKi Layne) und der 22-jährige Alonzo „Fonny“ Hunt (Stephan James) bereits befreundet, bis sie sich eines Tages ineinander verlieben. Das junge Liebespaar ist überglücklich. Das erste Mal, die Suche nach einer gemeinsamen Wohnung und schon bald erfährt Tish, dass sie von ihrem Fonny ein Kind erwartet. Während Tish Familie (Regina King, Colman Domingo, Teyonah Parris) sich über das junge Glück und das kommende Enkelkind freut, wird die junge Frau von ihrer künftigen tiefgläubigen und einfältigen Schwiegermutter noch vor der Geburt verflucht.

Fonny ist derweil im Gefängnis gelandet. Er wird angeschuldigt, eine junge Puerto-Ricanerin vergewaltigt zu haben, und obwohl die Beweislage eindeutig gegen seine Schuld spricht, steht es um die Erfolgsaussichten nicht gut.
Tish und der Rest der Familie versuchen mit allen Mitteln seine Unschuld zu beweisen. Doch für einen schwarzen jungen Mann aus der Beale Street bedeutet die Unschuldsvermutung im Amerika der 70er Jahre nicht allzu viel …

Bewertung

Für seine gesellschaftlichen Beobachtungen zieht es den begnadeten Regisseur Barry Jenkins diesmal in die 70er Jahre. Thematisch und visuell ist sein Drama rund um handfesten Rassismus gegenüber Schwarzen in den USA sowie anrührende Liebesgeschichte eine Fortsetzung zu seinem Meisterwerk um einen homosexuellen jungen Mann, der seine Identität erst nach und nach entdecken muss.

Inhaltlich ist auch hier das Szenario alles andere als leichte Kost. Rassismus, Diskriminierung, Unterdrückung, und Benachteiligung von Schwarzen ist an der Tagesordnung, wenn Tish und Fonny keine Wohnung finden können oder völlig willkürlich von einem Polizisten angegangen werden. Zwischendurch zeigt Jenkins dabei immer wieder schwarz-weiße dokumentarische Aufnahmen. Diese zeigen Verwahrlosung, Demonstrationen, Verhaftungen und Armut, die völlig zeitlos zu sein scheinen und dem Publikum nochmals vor Augen führen, dass das amerikanische Problem des Rassismus immer noch allgegenwärtig ist.

Tish (Kiki Layne) und Fonny (Stephan James) erweisen sich als echtes Traumpaar in „Beale Street“. (Copyright: DCM)

Daneben ist der Film aber auch eine außerordentlich berührende Liebesgeschichte. Stephan James und KiKi Layne beweisen ihr beeindruckendes schauspielerisches Können, empfehlen sich nachdrücklich für künftige Rollen und verfügen dabei noch über eine völlig natürlich wirkende Chemie, die ihre gemeinsame Reise für den Zuschauer noch packender macht.

Im Gegensatz zu „Moonlight“, wo Jenkins immer wieder auch mit grau-grün-bläulichen Farbtönen – im Stile des Mondlichts – gearbeitet hat, dominiert in „Beale Street“ eine gänzlich andere Farbgebung. In ihren schönsten Momenten ist die – mit intimen Nahaufnahmen gespickte – Liebesgeschichte in fröhlichen rot, orange, zimtfarbenen Tönen in Szene gesetzt. Barry Jenkins beweist hier abermals nicht nur seine kritische politische Stimme, sondern auch seine wunderbar gekonnte Bildsprache. 

Fazit

Weniger faszinierend und besonders als der Vorgänger und mitunter etwas zu entschleunigt und schwer, ist „Beale Street“ dennoch ein legitimer Nachfolger für den großartigen „Moonlight“. Eine packende wie zärtliche Geschichte über die Liebe zweier Menschen und die Fratze des Rassismus gegenüber Schwarzen. Barry Jenkins ist bereits jetzt kein One-Hit-Wonder mehr – wohlverdient.

 

Trailer

Inhalt

Harlem, New York in den 1970ern: Der Bildhauer Fonny verliebt sich Hals über Kopf in Tish, seine beste Freundin aus Kindertagen. Alles scheint perfekt zwischen den beiden Verliebten, bis Fonny fälschlicherweise der Vergewaltigung beschuldigt wird und ins Gefängnis muss. Als Tish kurze Zeit später feststellt, dass sie ein Kind von Fonny erwartet, versucht sie alles, um seine Unschuld zu beweisen. Mit der Unterstützung ihrer Familie begibt sie sich auf die Suche nach der Wahrheit in einer Welt voller Rassismus und Ungerechtigkeiten.

(Quelle: DCM)

Details

Format: Breitbild
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: DCM / Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 30.08.2019
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 119 Minuten
Extras: Behind the Scenes

Copyright Cover: DCM



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)