Review

Beliebte Videospiele in Animationsfilme zu adaptieren ist heutzutage nichts Unübliches mehr. So war es nur eine Frage der Zeit, bis auch der Hack ’n‘ Slay-Klassiker „Bayonetta“ seinen eigenen Film „Bayonetta: Blood Fate“ bekam.
Für eine actionreiche Grundlage ist also schon einmal gesorgt, aber verbirgt sich auch etwas dahinter? Zumal man bei solchen Spielen doch dazu tendiert, das Gehirn lieber auszuschalten.

Wo also bei diesem zweischneidigen Schwert anfangen? Vielleicht bei der animierten Umsetzung des eigentlichen Gameplays. Diese ist nämlich durchaus gelungen.
Action- und Battleszenen werden stark rübergebracht und unterstützt durch bunte CGI-Effekte. Liebhaber des Videospiels werden eine Menge wiedererkennen: die interessant gestalteten Gegner, Waffen und man darf sogar noch ein paar Bosskämpfe erneut durchleben. Auch die „Climax“-Spezialattacken, in denen Protagonistin Bayonetta wie im Spiel grausame Bestien beschwört, sorgen für Begeisterung.

Bayonetta ist die "freundliche" Hexe aus der Nachbarschaft mit einem Fetisch für Waffen und Gewalt (Copyright: Universum Film)

Bayonetta ist die „freundliche“ Hexe aus der Nachbarschaft mit einem Fetisch für Waffen und Gewalt (Copyright: Universum Film)

Leider handelt es sich bei „Bayonetta: Bloody Fate“ zwar um eine Anlehnung an das Spiel, aber hauptsächlich um einen Anime. An dieser Stelle wird es nun schwierig.

Zu Beginn eine Einleitung der Story über „Umbra-Hexen“ und „Lumen-Weisen“ nach dem üblichen Prinzip „Licht gegen Schatten“. Aber natürlich muss da noch eine Romeo-Julia-Story rein, in der sich eine Hexe und ein Weiser ihrer verbotenen Liebe widmen. Das alles klingt einfach nach einer billigen Ausrede dafür, dass man sich gegenseitig auf die Mütze geben kann. Für ein Spiel wie „Bayonetta“ reicht so etwas völlig aus, aber nicht für einen Animefilm, der von der Substanz lebt.

Da ist es nicht verwunderlich, wenn man sich durch die Pseudo-Handlungsstränge zwischen den Kämpfen quält, weil man nur darauf wartet, wann es endlich wieder knallt. Ich hab mich immer wieder dabei erwischt, wie ich nebenbei andere Dinge gemacht habe.

Erwartungsgemäß sind die Charaktere auch ziemlich platt. Die Beweggründe werden nur kurz und unzureichend aufgegriffen, sodass man sich nicht wirklich in die Personen einfühlen kann. Es gab ein paar Standards wie Amnesie oder Rache, aber am Ende von „Bayonetta: Bloody Fate“ ist von der Hauptperson bei mir nichts hängen geblieben, außer dass sie „Engel“ jagt, Gewalt antörnt und große Brüste hat.

Die Kämpfe gegen die „Engel“ sind zwar gut in Szene gesetzt, wirken aber zwanghaft zusammengepresst. Der übliche Ablauf ist: „Engel“ erscheint – Bayonetta ballert rum – beschwört das Dämonenmonster – Dämonenmonster frisst „Engel“ auf. Keine Höhepunkte während der Kämpfe und Bayonetta kommt einem zu übermächtig vor. Allein das große Finale bringt etwas Abwechslung mit sich.

Außerdem ist das Erste, was einem ab der ersten halben Stunde auf die Nerven geht, das Wort „Mami“, welches Bayonettas Kinder-Ich aus der Vergangenheit ständig von sich gibt. Ups, Spoiler. Nein, doch nicht, man weiß es eigentlich schon ab der ersten Sekunde, in der ihre schrille Stimme die Trommelfelle zerreißt.

Noch etwas zur Synchro, denn auch wenn diese an sich nicht schlecht ist, klingen die Sprecher zu distanziert von ihren Figuren. Ich nehme es Natascha Schaff einfach nicht ab, wenn sie Bayonetta sagen lässt: „Was guckst du so? Bist du scharf auf mich? Willst du mich gleich hier nehmen? Mit Gewalt?“ Mehr als unter Fremdscham mit den Augen rollen, ist da einfach nicht drin.

Eine andere Sache, die besonders in den Dialogen sauer aufstößt, ist die teilweise vulgäre Sprache. An sich ist es ja ganz witzig, wenn ab und zu mal das Sch-Wort fällt, allerdings wirkt es hierbei zu plump und geplant. Hauptsache derbe Sprache. Dabei kommen in der japanischen Originalsprache (dieses Feature ist übrigens auf der DVD verfügbar) nur halb so viele Flüche vor. War das auf Deutsch also wirklich nötig?

Genau wie im Videospiel geht es auch in den Actionszenen des Anime blutig vonstatten (Copyright: Universum Film)

Genau wie im Videospiel geht es auch in den Actionszenen des Anime blutig vonstatten (Copyright: Universum Film)

Was allerdings mehr als genug nötig war, ist die Musik. Wow, was für ein Soundtrack. Während der Kampfszenen rockige Elektromelodien und – wenn es etwas ruhiger zugeht – smoother Jazz. Dieser Sound verleiht dem Anime noch einmal eine Spur Dynamik und bringt einen sogar zum Mitwippen.

„Bayonetta: Bloody Fate“ wird vor allem Fans des Videospiels begeistern, da eine Menge Erinnerungen an ein klasse Hau-drauf-Spiel wach werden. Den „Casual“-Zuschauer wird es insgesamt allerdings nicht vom Hocker reißen. Was schade ist, da sich der Anime durchaus sehen lassen kann. Die Gegner- und Waffendesigns sind innovativ, Hintergründe stechen imposant hervor und auch die Animationen sind super flüssig.
Leider leidet „Bayonetta: Bloody Fate“ unter einer schwachen Story und leeren Charakteren. Allein die Actionszenen sind sehenswert. Dennoch fesselt der Anime nicht und spornt auch nicht zum erneuten Durchgang an. Kann man sich anschauen, man verpasst aber auch nichts, wenn man es nicht tut.
Aber immerhin der Trailer zu „Evangelion 3.33“ auf der DVD war ein Highlight für sich.

Trailer

Handlung

Bayonetta, die letzte Überlebende eines Hexenclans, der einst das Gleichgewicht zwischen Licht, Dunkelheit und Chaos garantierte, erwacht aus einem 500-jährigen Schlaf zu neuem Leben. Ohne jede Erinnerung an ihre Vergangenheit kämpft sie fortan gegen Engel, die sich scharenweise auf sie stürzen. Und auch der Reporter Luka sitzt der erstklassigen Kämpferin im Nacken, da sie angeblich seinen Vater ermordet hat. Zwanzig Jahre später, folgt sie einer bruchstückhaften Erinnerung und macht sich mit ihren Anhängern auf Richtung Vigrid, einer abgelegenen Region in Europa. Doch wird es Bayonetta gelingen, der Wahrheit auf die Spur zu kommen und ihre Erinnerungen wiederzuerlangen?

Copyright: Universum Film

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Japanisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Universum Film
Erscheinungstermin: 28.11.2014
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: 86 Minuten
Extras: Trailer zu „Canaan“, „Space Pirate Captain Harlock“, „Evangelion: 3.33“, „009: Cyborg“, „Eden The East“, „Madoka Magica“, „Appleseed XIII“

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Christopher