Review

Bildungsreform der etwas anderen Art

Mit ihrer dystopischen Gewaltorgie Battle Royale“ aus dem Jahr 2000 erschufen Vater und Regisseur Kinji Fukasaku sowie Sohn und Drehbuchautor Kenta Fukasaku einen knallharten und erbarmungslosen Vorreiter für das US-Blockbuster-Kino à la „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“.

In der düsteren japanischen Zukunftsvision existiert das sogenannte „BR-Gesetz“, die Grundlage für eine barbarische Battle Royale. Schüler der Mittelschule werden – nur scheinbar – zu einem harmlosen Ausflug abgeholt, um später unfreiwillige Teilnehmer eines unmenschlichen „Spiels“ zu werden. Die Jugendlichen werden auf einer einsamen Insel, ausgestattet mit metallenen Explosionshalsbändern, ausgesetzt, und sind gezwungen, sich gegenseitig bis auf einen Überlebenden abzuschlachten – Flucht unmöglich.

Am Ende des Films haben jedoch das Mädchen Noriko Nakagawa (Aki Maeda) sowie der Junge Shuya Nanahara (Tatsuya Fujiwara) ihre Battle Royale überlebt.

Der Tragödie zweiter Teil

Im Jahr 2003 ist dann die Fortsetzung „Battle Royale II“ erschienen, die auch den Handlungsfaden drei Jahre nach Nanaharas und Nakagawas Überleben der Battle Royale weitererzählt.

Capelight pictures bringt das Sequel hierzulande – wie gewohnt – in einem prächtigen 3-Disc Limited Collector’s Mediabook auf den Markt. Dieses enthält neben dem ursprünglichen „Requiem Cut“ auch die Langfassung, den sog. „Revenge Cut“, der mit knapp 150 Minuten Spielzeit noch einmal rund 20 Minuten länger ist, sowie eine Bonus-Disc und ein 24-seitiges Booklet.

Aufgrund des Ablebens von Kinji Fukasaku stammt der Film diesmal überwiegend von Kenta Fukasaku, der nicht nur das Drehbuch verfasste, sondern auch die Regie übernahm und den Film zu Ende drehte.

Inhalt

Unter der Führung von Shuya Nanahara haben sich die Überlebenden früherer Battle Royales zusammengeschlossen und die Wild Seven gegründet. Die „Terrorgruppe“ hat den Erwachsenen den Kampf angesagt und will das „BR-Gesetz“ mit allen notwendigen Mitteln zu Fall bringen.

In Anlehnung an Takeshi Kitano (gespielt von Takeshi Kitano) in Teil 1 tritt nunmehr Riki Takeuchi (gespielt von Riki Takeuchi) als Vertreter der Erwachsenen auf den Plan und rekrutiert eine ahnungslose Klasse der Mittelschule für seine Zwecke. Diesmal sollen sich die Schüler jedoch nicht gegenseitig zur Volksbelustigung niedermetzeln, sondern den Anführer der Wild Seven, Shuya Nanahara, und dessen Anarchisten auslöschen. Die todgeweihten Schüler verfolgen jedoch schon bald andere Pläne …

Würdigung

Es hapert an allen Ecken und Enden. Wo man dem ersten „Battle Royale“ sein geringes Budget zwar jederzeit deutlich ansieht, konnte dieser jedoch durch eine spannende Prämisse und seine provokante und polarisierende Art überzeugen und Eindruck hinterlassen. Dies gelingt der Fortsetzung leider nicht.

Der Film beginnt mit einer Szene, in der nach einer Explosion Zwillingstürme einstürzen, die nicht zufällig an das weltbekannte World Trade Center und an die Terroranschläge vom 11. September 2001 erinnern.
Ebenso wenig zufällig erinnert das anschließende Bekennervideo der Wild Seven rund um Shuya Nanahara an Osama bin Laden, Gründer und Anführer der terroristischen Vereinigung al-Qaida.

In einer weiteren Szene zählt Riki Takeuchi diverse Länder auf, die die USA seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zum Wohle der Menschheit und zur Erhaltung des Friedens angegriffen haben.

Derartige anti-amerikanische Ressentiments sowie offensichtliche Kritik an der US-amerikanischen Außenpolitik finden sich durchgehend in Fukasakus Film. Darüber hinaus reichert er die Geschichte – wie schon Teil 1 –  mit gesellschaftskritischen Inhalten in Bezug auf Japan, und insbesondere auf das japanische Bildungssystem und den allgemein vorherrschenden Leistungsdruck an. Die einzelnen Elemente des Films – und womöglich guten Ideen – wollen aber nicht recht zusammengreifen und keine stimmige Komposition ergeben.

Shuya Nanahara (Tatsuya Fujiwara) ruft in „Battle Royale II“ die Wild Seven als Widerstand gegen die Erwachsenen ins Leben. (Copyright: capelight pictures)

Die eigentliche Haupthandlung bleibt weitgehend blass und hat nur wenig Spannung zu bieten. Es gibt viel zu viele Figuren, aber viel zu wenig Raum und Zeit, diese mit Leben zu füllen, weshalb dem Zuschauer von der Vielzahl an Figuren keine so recht ans Herz wachsen will. Darüber hinaus muss sich das Publikum mit bisweilen bodenlos dümmlichen Dialogen abfinden. Die zuweilen stümperhaften schauspielerischen Leistungen (insbesondere Riki Takeuchi und Shugo Oshinari sind gemeint) sind mit Overacting nicht mal annähernd gerecht umschrieben und tun ihr Übriges. Am Ende von „Battle Royale II“ muss man festhalten, dass rund 150 Minuten Film eine schmerzhaft lange Erfahrung sein können.

Fazit

Das Mediabook aus dem Hause capelight pictures ist über jeden Zweifel erhaben. Wer den Film schätzt, bekommt ihn in der „3-Disc Limited Collector’s Edition“ in seiner bestmöglichen Form. Im Gegensatz zum Vorgänger rechtfertigt der Inhalt des Nachfolgers meines Erachtens schlechterdings keine Empfehlung. Einige gute Ideen reichen nicht aus, um sich einen Film anzuschauen, der über seine Haupthandlung kaum punkten kann.

Trailer

Inhalt

Drei Jahre nach den Ereignissen der letzten Battle Royale haben sich Shuya Nanahara, Noriko Nakagawa und weitere Überlebende des BR-Programms zum Widerstand zusammengeschlossen. Unter dem Namen Wild Seven erklären sie den Erwachsenen den Krieg und verfolgen nur ein Ziel: die Abschaffung des BR-Gesetzes! Doch Staat und Gesellschaft haben aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt. Sie verleumden Shuya und seine Anhänger als Terroristen und schicken die nächste Schulklasse in das ausweglose Spiel. Doch die Regeln haben sich geändert! Die todgeweihten Schüler haben einen Auftrag: Shuya Nanahara und seine Wild Seven müssen vernichtet werden!

(Quelle: capelight pictures)

Details

Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: capelight pictures
Erscheinungstermin: 13.12.2019
Produktionsjahr: 2003
Spieldauer: 285 Minuten

Copyright Cover: capelight pictures



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)