Review

Weniger spektakulär und Kaufanreiz schaffend hätte man das Cover einer DVD-Veröffentlichung wohl kaum gestalten können. Beschränkt auf die (hierzulande bis dato eher unbekannten) Titelhelden der neuen französischen Krimiserie „Balthazar“ muss diese daher umso mehr mit ihren sechs Episoden der ersten Staffel zeigen, was in ihr steckt – und das tut sie.

Worum geht es?

Im Mittelpunkt der Serie steht der Gerichtsmediziner Raphaël Balthazar, gespielt von Tomer Sisley. Als begabtester Rechtsmediziner seiner Generation nimmt er sich nicht nur einiges heraus, er gilt auch als „Leichenflüsterer“ und entlockt den Toten durch seine ganz spezielle Art ihre Geheimnisse.

Dies ganz zur Freude von Capitaine Hélène Bach, gespielt von Hélène de Fougerolles, die durch seine Hilfe den Tätern schnell auf die Schliche kommt. Auf privater und persönlicher Ebene will es zwischen den beiden allerdings weniger gut klappen; denn vor allem seine rechthaberische und arrogante Art lässt das ungleiche Duo – beinahe schon „Castle“-like – bei ihren Ermittlungen immer wieder aneinandergeraten. 

Dennoch müssen sie zusammen teils komplexe und teils verstörende Mordfälle lösen, die in der ersten Staffel von „Balthazar“ durchaus abwechslungsreich ausfallen.

Der Leichenflüsterer

Dabei legt die Krimi-Produktion den Fokus nicht auf die Ermittlungsarbeit als solche, wie man es von anderen Krimiserien gewohnt ist. Vielmehr steht der Gerichtsmediziner als „Leichenflüsterer“ im Zentrum einer jeden Folge – und um ihn und sein Wissen baut man die Ermittlungsergebnisse auch auf.

Dass die Hauptfigur dafür Tote zum Sprechen bringt, wie es in der Inhaltsangabe der DVD-Veröffentlichung geschrieben steht, ist dann auch wörtlich zu nehmen, was sich durch visualisierte mentale Projektionen für den Zuschauer bemerkbar macht. Diese surreale Ebene der Serie könnte für die einen zwar gewöhnungsbedürftig sein, für die anderen aber einen innovativen Ansatz im Genre der Krimiserien darstellen.

Der Fokus auf die Figuren

Bei Nicht-Fans solcher „kreativen Ideen“ innerhalb einer Serie macht diesen etwaigen Kritikpunkt die Charakterdarstellung respektive die Figurenausarbeitung wieder wett.

Trotz einiger stereotyper Elemente hinsichtlich der Charaktere wirken diese insgesamt doch originell, authentisch, sympathisch und alles in allem derart interessant, dass man gerne mehr von ihnen sehen und erfahren möchte.

Zudem dachten die Macher auch an Diversität und präsentieren rund um das Protagonisten-Duo diesbezüglich ansprechende (Neben)rollen, die für eine zusätzliche Bereicherung der Serie sorgen.

Für eine französische Produktion fällt zudem die deutsche Synchronisation überraschend gut aus. Einzig die Tochter der Ermittlerin wirkt sprecherisch etwas monoton und offensichtlich „nachsynchronisiert“.

Resümee

Meint man zu Beginn von „Balthazar – Staffel 1“ noch, die Sprüche des Titelhelden und seine Dialoge könnten bissiger bzw. scharfzüngiger ausfallen, um die Serie dadurch noch etwas humorvoller, auflockernder und die Dialogsequenzen pointierter zu gestalten, erweist sich das diesbezüglich präsentierte Maß als durchaus passend für eine erste Staffel. Diese lässt den Zuschauern somit ausreichend Zeit, die Figuren kennenzulernen und sorgt nebenbei noch – Genre gemäß – für ein paar spannende oder auch blutige Szenen.

Gerichtsmediziner Raphaël Balthazar (gespielt von Tomer Sisley) in der Krimiserie „Balthazar – Staffel 1“ bei der Arbeit. (Copyright: Edel:Motion)

Bevor die Zuschauer den Eindruck gewinnen können, die einzelnen Episoden von „Balthazar“ liefen stets nach gleichem Schema ab (nämlich: Mord bzw. Leichenfund -> etwas rechtsmedizinisches Gewerkel -> erste Verdächtige -> Wendung durch neue Erkenntnisse -> Täterüberführung), bricht man schon bald mit diesem Vorgehen und sorgt für kleine Überraschungen.

Dadurch – und nicht zuletzt durch einen insgesamt hervorragenden Serienauftakt, der Lust auf mehr macht, wirken sechs Episoden eindeutig zu wenig. „Balthazar – Staffel 1“ schreit daher nach mehr und da Staffel 3 bereits bestellt ist, sollte auch die zweite Staffel hoffentlich schon bald ins hiesige Heimkino kommen. Man darf gespannt sein.

Trailer

Handlung

Raphaël Balthazar (Tomer Sisley) ist der typische „Homme fatal“ – französischer Charmeur, charismatisch, gutaussehend und gebildet, und nebenbei der begabteste Gerichtsmediziner seiner Generation: Nur er weiß, wie man Tote zum Sprechen bringt. Balthazar ist aber auch temperamentvoll und sozial alles andere als verträglich. Für ihn gelten keine Normen oder Konventionen, wodurch er genauso faszinierend, wie auch anstrengend sein kann.

Seine rechthaberische und arrogante Art lernt auch die Neue auf dem Polizeirevier, Capitaine Hélène Bach (Hélène de Fougerolles), schnell kennen, wodurch das ungleiche Duo bei ihren Ermittlungen immer wieder aneinandergerät. Trotz alledem schätzt Hélène Balthazars beruflichen Qualitäten. Zusammen werden sie mit komplexen und verstörenden Mordfällen konfrontiert: von der brutalen Ermordung eines Richter-Ehepaars, über einen eiskalten Fund in einem LKW, bis hin zu einem blutgetränkten Mord in einem Pariser Kino. Darüber hinaus versucht Raphaël noch auf eigene Faust, den Mörder seiner Frau zu finden … Und Hélène? Auch sie muss sich privat neuen Herausforderungen stellen …

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

01 Aus Fleisch und Blut
02 Todesurteil
03 Blindlings
04 Seelenverwandte
05 Das Leben in Stücken
06 Die Verschwundenen

Details

Sprache: Deutsch, Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Edel:Motion
Erscheinungstermin: 13.11.2020
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: 6 x 55 Minuten

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde