Review

Dass wir hier große Freunde des südkoreanischen Kinos sind, dürfte an der einen oder anderen Stelle schon aufgefallen sein („A Tale of Two Sisters“, „The Wailing – Die Besessenen“). Spätestens mit der genialen Gesellschaftssatire „Parasite“ von Bong Joon-ho, der als erster fremdsprachiger Film überhaupt den Oscar für den besten Film des Jahres erhielt, dürften auch einem breiteren Publikum die Kunstfertigkeit und Kreativität des südkoreanischen Films gewahr geworden sein.

Mit „Ashfall“ bringt capelight pictures nunmehr den größten koreanischen Katastrophenblockbuster aller Zeiten hierzulande auf den Markt. Ob sich dieser Film einreiht in das, was man schlechterdings das beste, weil facettenreichste Kino der letzten Jahre bezeichnen darf, verraten wir euch nachfolgend.

„2012“ 2.0

„Ashfall“ von den Regisseuren Kim Byung-seo und Lee Hae-jun ist zweifellos ein aufwendig produzierter und im großen Stile inszenierter Katastrophenfilm. Wenn die Erde bebt und die Häuser wackeln, dann ist das hier bildgewaltig, effektreich und beeindruckend ganz im Sinne des anspruchsvollen US-Blockbuster-Kinos gelungen.

Allerdings ist der Film nicht etwa eine bloße Persiflage des US-Blockbusters, sondern folgt vielmehr in dessen Fußspuren. „2012“ 2.0 eben. Oder auch „The Day After Tomorrow“ 2.0. Oder schlicht zusammengefasst Roland Emmerich 2.0.
Wie Emmerich will man auch den hiesigen Filmemachern nicht die Leidenschaft für ihre Kunst absprechen. Es ist schlicht so, dass wir aus dem südkoreanischen Kino kreativere und facettenreichere Beiträge gewohnt sind.

„Ashfall“ ist ein nach dramaturgisch bekanntem Muster inszenierter Katastrophenfilm, der recht schlicht konstruiert ist und mit den üblichen Helden sowie klischeebehafteten Figuren des Katastrophenkinos daherkommt. Da gibt es mutige Soldaten, tapfere Familienväter und natürlich den ganz obligatorisch leicht zerstreuten Wissenschaftler. „Independence Day“, und abermals Roland Emmerich, lassen ganz herzlich grüßen.

Sprengstoff-Experte Jo In-chang und Informant Ri Jun-pyeong müssen zusammenarbeiten.
(Copyright: capelight pictures)

Der fantastische Ma Dong-seok („Train to Busan“, „The Gangster, the Cop, the Devil“), einer der momentan erfolgreichsten und gefragtesten koreanischen Schauspieler, ist vorliegend in seiner Rolle als klischeebehafteter Wissenschaftler leider völlig verschenkt, da die Rolle nicht viel hergibt, um zu glänzen.

Dafür, dass sich der Film auf das pure Action-Entertainment verlässt, und nur wenige genreübergreifende Themen bietet, könnte er auch etwas spannender und fesselnder sein. Das wirkt in seiner Gesamtheit wie am Reißbrett entworfen und vermag nur selten zu überraschen. Ähnlich wie in Bong Joon-hos („Parasite“) „The Host“ finden sich zwar auch hier USA-kritische Töne, doch bleiben diese so blass, dass sie auch zu vernachlässigen sind.

Fazit

Wer gerne eintaucht in die Welt der Katastrophen-Actioner im Stile von „San Andreas“ oder sämtlichen oben genannten und wer sich an den Stereotypen des Genres nicht zu stören vermag, der kommt auch mit „Ashfall“ auf seine Kosten. Der Film bietet Katastrophenkino mit starken visuellen Effekten, geradliniger Handlung und soliden schauspielerischen Leistungen. Wer es nachdenklicher und fesselnder mag, für den wird der Film zu wünschen übrig lassen.

Trailer

Handlung

Nach einem Vulkanausbruch entlang der Grenze von China und Nordkorea warnen Seismologen davor, dass eine weitere verheerende Eruption unmittelbar bevorsteht, die die gesamte Region in Schutt und Asche legen wird. Der renommierte Geowissenschaftler Bong-rae sieht nur einen Ausweg, um die Explosion zu stoppen: Durch den gezielten Einsatz von Atomsprengköpfen am Vulkan soll die Katastrophe verhindert werden. Zusammen mit seinem Team wird der Sprengstoffexperte In-chang nach Nordkorea geschickt, um den inhaftierten Spion Joon-pyeong zu befreien. Der politische Überläufer weiß als Einziger, wo sich die Sprengköpfe befinden. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, um ganz Korea zu retten.

(Quelle: capelight pictures)

Details

Format: Breitbild
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 2.39:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: capelight pictures
Erscheinungstermin: 05.06.2020
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: 128 Minuten

Copyright Cover: capelight pictures



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)