Review

Wer Thriller liest, insbesondere jene skandinavischen Ursprungs, der kommt früher oder später an Autor Arne Dahl nicht vorbei. Seine Geschichten sind komplex und spannend und damit wie gemacht für Film- und Fernsehadaptionen.

Und so wundert es nicht, dass Edel:Motion nach „Arne Dahl – Volume 1“ nun mit der zweiten Staffel nachlegt.
Diese umfasst die Folgen „Rosenrot“ und „Tiefer Schmerz“, basierend auf den gleichnamigen Romanen rund um die A-Gruppe, einer Sonderermittlungsgruppe der schwedischen Polizei, des mit Preisen und Auszeichnungen gekrönten Schriftstellers.

Der schwedische Erfolgsautor Arne Dahl (Copyright: Sara Arnald, 2011)

Der schwedische Erfolgsautor Arne Dahl (Copyright: Sara Arnald, 2011)

Wer Dahls Krimiwerke jedoch noch nicht kennt und sich zur Vorabinformation nur die Inhaltsangaben der DVD-Box durchliest, der wird nicht nur ansatzweise der Tragweite der hier behandelten Fälle gewahr, sondern auch mit falschen Informationen versorgt. So findet man zum Beispiel in „Tiefer Schmerz“ keine Leiche in einem Freizeitpark, sondern in einem Tierpark auf, ein Fakt, der für den Mordfall eine zentrale Rolle spielt, auf der DVD-Beschreibung jedoch fälschlich angegeben ist. Insgesamt lässt die DVD-Inhaltsangabe keine Rückschlüsse darauf zu, wie vielschichtig und verschachtelt „Rosenrot“ und „Tiefer Schmerz“ im Ergebnis ausfallen. Man sollte sich also nicht unbedingt auf die Inhaltsangaben der DVD-Box verlassen, sondern vielmehr gleich mit der ersten Folge „Rosenrot“ starten.

Dabei hat man – wie auch bei der Episode „Tiefer Schmerz“ – die Wahl zwischen der ZDF-TV-Fassung und einer ungeschnittenen Version, die jeweils auf zwei Teile gesplittet wurde.
Damit hält die DVD-Box „Arne Dahl – Volume 2“ insgesamt vier Silberlinge parat, die es lohnt, anzuschauen.

Doch worin bestehen die Unterschiede der beiden Fassungen?
Beide Versionen wurden ab 16 Jahren freigegeben und sind somit gleich blutig und voller drastischer Gewalt. In den ungekürzten Versionen sind allerdings Szenen enthalten, die intensivere und persönlichere Einblicke in die einzelnen Figuren des Ermittlerteams gewähren. Wer also nicht nur auf Verbrecherjagden epischen Ausmaßes steht, sondern zudem einen Nordic-Crime-Streifen mit tiefgründiger Figurenausarbeitung erleben möchte, der wird diesbezüglich zwar mit den TV-Fassungen bereits glücklich gemacht, kommt aber in den ungeschnittenen Varianten noch mehr auf seine Kosten.
Wie man sich letztlich auch entscheidet, ein netter Zusatz und somit ein großer Pluspunkt für die Veröffentlichung ist diese Wahlmöglichkeit allemal.

Dahls ausgedachte Morde sind viel komplexer als es auf den ersten Blick scheint. (Copyright: Edel:Motion)

Dahls ausgedachte Morde sind viel komplexer als es auf den ersten Blick scheint. (Copyright: Edel:Motion)

Warum darüber hinaus zu „Arne Dahl – Volume 2“ greifen?
Die Antwort darauf ergibt sich schon beim Schauen der ersten Folge „Rosenrot“.
Beginnt diese zunächst eher langatmig und gewöhnungsbedürftig für jene, die mit den Figuren des Ermittlerteams noch nicht vertraut sind, kommt die Episode dann richtig in Fahrt, sobald der erste Mord geschehen ist.
Was für die Eliteeinheit und die Zuschauer auf den ersten Blick recht eindeutig erscheint, entpuppt sich durch Dahls Hang zur Komplexität schnell zu einem weitverzweigten Fall, der die Ermittlerin Kerstin Holm in den Fokus rückt. Diese übernimmt in „Rosenrot“ die Hauptrolle aufseiten der Guten und ist schließlich – ohne spoilern zu wollen – maßgeblich und im anfangs nicht zu ahnenden Ausmaß an der Lösung des Falls beteiligt.

In „Tiefer Schmerz“ hingegen wird die Arbeit der Sonderermittler wieder von allen Figuren geschultert; keine Rolle sticht protagonistisch heraus, auch wenn Ermittler Aarto Söderstedt, gespielt von Niklas Åkerfelt, sehr viel Bildschirmpräsenz aufweist und den hier behandelten Fall auch europaweit verfolgt, wodurch zudem Schauplatzwechsel stattfinden, welche die Folge zusätzlich auflockern.

Inhaltlich fallen die beiden Episoden sehr unterschiedlich aus und bieten dadurch abwechslungsreiche Crime-Unterhaltung.
Überraschende Wendungen und der Grad an Komplexität fesseln den Zuschauer an die Folgen, die dadurch für alle Hobbyermittler auf dem Sofa nahezu bis zum Schluss unlösbar bleiben. Das schürt die Spannung und bringt schließlich den Aha-Effekt mit sich.

Manche Morde erschrecken auch die erfahrene und eingespielte A-Gruppe noch. (Copyright: Edel:Motion)

Manche Morde erschrecken auch die erfahrene und eingespielte A-Gruppe noch. (Copyright: Edel:Motion)

Wie es für skandinavische Produktionen typisch ist, fällt die Farbgebung der Serie dunkel bzw. oft sepiaartig aus. Diese distanzierte Kühle wird auch durch die einzelnen Rollen widergespiegelt, denn nicht immer trifft man bei Arne Dahl auf korrekte Polizeiarbeit. Vielmehr geht man unkonventionell, manchmal sogar im Umgang mit Tatverdächtigen gewaltbereit vor. Auch eine gewisse Empathiefähigkeit und Sensibilität gegenüber den Opfern und dessen Angehörigen ist nicht immer auszumachen. Das wirkt teilweise auf den Zuschauer befremdlich, unterstützt jedoch die raue Natur dieser Serie, mit der man sich von Minute zu Minute mehr anfreundet.

„Arne Dahl – Volume 2“ bringt daher alles mit, was für eine gelungene mehrstündige (und sogar zeitintensive) Krimi-Filmnacht nötig ist: Tiefgründige, verschachtelte Fälle, Figuren mit Ecken und Kanten, Schauspieler mit Talent und ohne 08/15 Gesicht sowie Spannung, Gewalt und Blut. Und das Schöne, man muss nicht einmal die erste Staffel kennen, um an „Arne Dahl – Volume 2“ Anschluss zu finden. Ein Faible für typische Nordic Crime-Veröffentlichungen sollte man aber mitbringen, denn die „Rosenrot“ und „Tiefer Schmerz“ sind weit von modernen Produktionen à la „CSI“ und Co. entfernt. Das ist in diesem Fall aber auch gut so, würde der Serie doch andernfalls sehr viel Charme abhandenkommen.

Handlungen

Die als A-Gruppe bekannte Eliteeinheit der schwedischen Polizei unter der Führung von Kerstin Holm ist für die schwierigsten und gefährlichsten Fälle von internationaler Tragweite zuständig. Nun steht sie vor neuen Herausforderungen.

Was in „Rosenrot“ zunächst aussieht wie der tödliche Ausgang einer Razzia im Milieu illegaler Einwanderer, entpuppt sich bald als brisanter Spionagefall in der internationalen Pharmaindustrie. Bei ihren Ermittlungen offenbart sich ein schreckliches Geheimnis.

Außerdem hält eine ungewöhnliche Mordserie die Stockholmer Sonderermittler aus der Feder von Bestsellerautor Arne Dahl in Atem. Steht der brutale Mord an einem Nobelpreiskandidaten wirklich in Zusammenhang mit der bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten Leiche in einem Freizeitpark? Die Suche nach der Wahrheit führt das Team in „Tiefer Schmerz“ nicht nur durch halb Europa, sondern auch auf die Spur eines lange zurückliegenden grausamen Verbrechens.

(Quelle: Edel:Motion)

Arne Dahl

Arne Dahl, Jahrgang 1963, hat mit seinen Kriminalromanen um die Stockholmer A-Gruppe, zuletzt den Bestsellern „Bußestunde“ und „Der elfte Gast“, eine der weltweit erfolgreichsten Serien geschaffen. International mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, verkauften sich allein im deutschsprachigen Raum über eine Million Bücher. 2012 begann er mit „Gier“ ein neues Thriller-Quartett, dessen Folgebände „Zorn“ und „Neid“ ebenfalls Bestseller wurden.

(Quelle: Piper Verlag)

Arne Dahl – Homepage
Arne Dahl – Facebook
Arne Dahl – Twitter

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Schwedisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 20.02.2015
Produktionsjahr: 2011
Spieldauer: 594 Minuten
Extras: Die DVD-Box beinhaltet die TV-Fassungen und die Uncut-Versionen

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde