Review

Über den Ausbruch eines tödlichen Virus‘, das spezielle Bevölkerungsgruppen angreift, handelt die Thriller-Serie „Arctic Circle – Der unsichtbare Tod“, die – und damit konnte wohl noch niemand zur Zeit der Dreharbeiten rechnen – durch das Ausbrechen der Corona-Virus-Epidemie nun eine aktuelle Brisanz erhält.

Filmische Reise zum finnischen Polarkreis

Die deutsch-finnische Koproduktion konfrontiert die Zuschauer somit nicht nur mit ähnlichen zeitaktuellen Geschehnissen, darüber hinaus katapultiert sie die Zuseher in die Kälte des finnischen Polarkreises.

Die Kühle, das nahezu endlose Weiß und die vermeintliche Reinheit des zu sehenden Schnees beeindrucken visuell und bilden einen gelungenen Kontrast zum inhaltlichen „Bösen“. Das – und damit unterscheidet sich „Arctic Circle“ von anderen Thriller-Veröffentlichungen – kommt in diesem Fall nicht in persona daher, sondern in Form des eingangs erwähnten Virus‘. Auf knapp 430 Minuten heißt es daher:

Das Böse ist ansteckend

Dieser „unsichtbare Tod“ zieht binnen weniger Folgen bereits erste große Kreise; die zehn Episoden ziehen sich wiederum ab und zu mal gerne in die Länge.
Dadurch kommt es immer mal wieder zu einem Spannungsabbruch und der Zuschauer läuft Gefahr, an diesen Stellen das Interesse an der Serie zu verlieren.

Und das, obwohl viel geboten wird. So beschränkt sich „Arctic Circle“ nicht nur auf die Ausbreitung des Virus‘, sondern fügt dieser Handlungsebene viele weitere Nebenhandlungen hinzu.
Ob private Probleme jeder einzelnen Figur, der allem vorausgehende Mord an einer Prostituierten, der für den nötigen Krimi-Aspekt sorgt, oder ein hinter allem stehendes Netz aus kriminellen MachenschaftenRegisseur Hannu Salonen hat hier einiges zu tun, um sowohl einen roten Faden beizubehalten, als auch den an die Serie gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Gelingen tut ihm dies zuweilen ganz gut. Vermehrt verliert sich „Arctic Circle“ jedoch in irrelevanten Nebenplots, unnötigen Langatmigkeiten, unausweichlichen Vorhersehbarkeiten, lückenhafter Logik und damit einhergehender Unglaubwürdigkeit sowie fehlplatziertem Detailreichtum.

Abstriche müssen gemacht werden

Der Zuschauer muss somit nicht nur einen langen Atem, sondern auch sehr viel Aufmerksamkeit mitbringen, um bei der zunehmenden Komplexität das Wesentliche vom Verzichtbaren herauszufiltern und insgesamt den Überblick zu behalten.

Iina Kuustonen als Nina Kautsalo in der Thriller-Serie „Arctic Circle“. (Copyright: Edel:Motion)

Lohnen tut sich dies insofern, da die Thriller-Serie prinzipiell thematisch und visuell sehr packend ausfällt. Umso bedauerlicher, dass hier einige Abstriche in Kauf genommen werden müssen.

Darunter fällt auch die deutsche Synchronisation, die eher semipassabel ausfällt. Unumstritten ist es kein Leichtes, die finnische Sprache möglichst lippensynchron ins Deutsche zu übertragen. Doch auch mit diesbezüglich großzügigem Blick wirken viele Dialoge zu konstruiert und „unecht“. Dass es einigen Figuren durch ihre Sprecher auch an Emotionalität fehlt, macht die Sache nicht besser.

Fazit

„Arctic Circle – Der unsichtbare Tod“ möchte viel und neigt dadurch zur Überfrachtung. Das eigentliche Potenzial gerät darüber in Vergessenheit und wird entsprechend wenig ausgeschöpft. Schade, hätte aus der deutsch-finnischen Zusammenarbeit doch etwas weitaus Größeres hervorgehen können.

Wer aus gegebenem Anlass derzeit in häuslicher Quarantäne verweilt und wem dadurch Langeweile droht, kann dennoch einen Blick riskieren. Auch Fans des kühlen Nordens und Freunde des Winters kommen – auf alle Fälle optisch – auf ihre Kosten. Ein Must-have für Genre-Fans stellt die Serie jedoch nicht dar.

 

Trailer

Handlung

Inmitten der unbarmherzigen, eisigen Landschaften Lapplands entdeckt die finnische Polizistin Nina Kautsalo eine halbtote Prostituierte in einer verlassenen Hütte. Als im Blut der Frau ein tödlicher Erreger entdeckt wird, nimmt der Fall eine überraschende Wendung. Um das Virus zu untersuchen, reist der deutsche Virologe Thomas Lorenz nach Lappland, finanziert von Marcus Eiben, Multimillionär und Vorstandsvorsitzender eines Pharmakonzerns.

Die Ermittlungen führen Nina und Thomas in ein undurchsichtiges Netz aus kriminellen Machenschaften. Um den Auslöser der viralen Bedrohung zu identifizieren, sehen sich die beiden gezwungen, den Pfad der Legalität zu verlassen. Denn es geht um Leben und Tod. Und die Zeit wird knapp …

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

01 Der Keller
02 Spuren im Schnee
03 Im Schneesturm
04 Auge um Auge
05 Gottes Wille
06 Das erste Opfer
07 Die Jagd beginnt
08 Die Infizierten
09 Murmansk
10 Venla

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 20.03.2020
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 429 Minuten

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde