Review

Mit „Archive“ erobert ein Science-Fiction-Thriller der besonderen Art – durch capelight pictures und EuroVideo Medien – die Bildschirme der Heimkinos.

Verantwortlich für den atmosphärisch dichten Film zeichnet Gavin Rothery, der damit sowohl sein Langfilmdebüt als Regisseur feiert, als auch auf den Spuren von Streifen wie „Ex Machina“, „Ghost in the Shell“, „Transcendence“ oder auch „I Am Mother“ wandelt.

Liebe, Tod & Roboter

Allgemein gesagt, geht es in „Archive“ über die Liebe, die Verheißungen von künstlicher Intelligenz und einem Leben nach dem Tod.

Konkreter formuliert steht Robotik-Ingenieur George Almore im Mittelpunkt des kammerspielartigen Films. Jener versucht, Tote durch Wissenschaft und Technik wiederzubeleben, indem er in Roboter menschliches Bewusstsein downloaden möchte.

So erschafft er mehrere Prototypen als Begleiter(innen) – und diese entwickeln allzu menschliche Züge …

Viel mehr als dies (und das, was die unten stehende Inhaltsangabe verrät), kann man an dieser Stelle leider auch über „Archive“ nicht sagen, ohne Gefahr zu laufen, zu spoilern. Festzuhalten bleibt aber, dass der Film darüber hinaus die Frage aufwirft: Wie weit kann und darf ein Mensch mithilfe der Wissenschaft und Technik gehen?

Dem Zuschauer lässt er – nicht nur für die Beantwortung dieser Frage – indessen viel interpretatorischen Spielraum.

Kammerspielartige Sci-Fi der besonderen Art

Seiner diesbezüglichen moralischen Verantwortung muss sich eigentlich auch Protagonist George Almore stellen, der durch Schauspieler Theo James (u.a. „Die Bestimmung“-Reihe) gelungen verkörpert wird.

Und er hat eine Menge zu tun, denn viele schauspielerische Mitstreiter hat James nicht. Reduziert auf wenig Figuren, wenig Schauplatzwechsel und teils äußerst minimalistisch gehaltene Szenen erzielt „Archive“ dennoch eine große Wirkung. Und das auch, obschon hier für einen Sci-Fi-Thriller die Thriller-Elemente erstaunlich rar gesät sind. An Drama, Tragik und Melancholie mangelt es hingegen nicht. Entsprechend entschleunigt wirkt der Film stellenweise auf sein Publikum. Das trägt zur düster-kühlen Atmosphäre bei und erzeugt letztlich auch eine teilweise gar beklemmende Spannung. Die gewählte Kulisse, das damit einhergehende Produktionsdesign inklusive der sterilen Farbgebung sowie die gezeigte Witterung bei Außenaufnahmen (Schnee, Regen, Kälte) tun ihr Übriges dazu.

Einblick in den Sci-Fi-Thriller „Archive“ mit Theo James und Stacy Martin. (Copyright: capelight pictures)

Selten finden außerdem Cyberpunkansätze Eingang in den Film, der dadurch – neben dem Kostümdesign, das den 80er und 90er Jahre Sci-Fi-Filmen entsprungen scheint – auch moderne Aspekte verliehen bekommt.

Begleitet wird „Archive“ darüber hinaus von einem stimmungsvollen Soundtrack. Dominant sticht dabei die Kombination aus Streichern und elektronischer Musik heraus, die die einzelnen Szenen effektvoll untermalt.

Fazit

Über weite Strecken der insgesamt 109-minütigen Laufzeit mag sich der Zuschauer gebannt fragen: Wo will der Film eigentlich (stilistisch und inhaltlich) hin? Aufschluss darüber gibt nicht zuletzt das für Überraschung sorgende und überaus gelungene, da wendungsreiche Ende.

Ohne daher zu viel zu spoilern, bleibt nur zu sagen: „Archive“ ist gut, aber vor allem ist „Archive“ ein etwas anderer Sci-Fi-Film. Er steckt voller Emotionen und emotionalisiert auch die Zuschauer auf verschiedene Ebenen. Zusätzlich besitzt er das Potenzial, zum Nachdenken anzuregen. Reinschauen lohnt sich also!

Trailer

Handlung

Der Tod ist nicht das Ende

2049. Auf einer abgelegenen Forschungsbasis entwickelt der junge Cyber-Engineer George Almore (Theo James) unter strengster Geheimhaltung eine neue Form der künstlichen Intelligenz: eine Androidin mit menschlichem Bewusstsein. Sein neuestes Modell J3 (Stacy Martin) steht kurz vor der Vollendung. Doch George gerät zunehmend unter Druck. Seine Vorgesetzten verlieren das Vertrauen in seine Arbeit und fordern Ergebnisse. Sie drohen damit, seine Forschungsmittel zu streichen und die Basis zu schließen. George rennt die Zeit davon – vor allem, da er noch ein weiteres Ziel hat, das um jeden Preis verborgen bleiben muss …

(Quelle: capelight pictures)

Details

Bild: 2.39:1
Ton: DTS-HD Master Audio 5.1 Deutsch und Englisch
Untertitel: Deutsch
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: capelight pictures / EuroVideo Medien GmbH
Erscheinungstermin: 05.11.2020
Produktionsjahr: 2020
Spieldauer: 109 Minuten
Extras: Interviews mit Regisseur Gavin Rothery, Theo James und Stacy Martin / Kinotrailer

Copyright Cover: capelight pictures



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde