Review

Ant-Man? Dieser Marvel-Superheld dürfte wohl nur Comic-Fans ein Begriff sein, denn in den elf bisherigen Verfilmungen im Marvel Cinematic Universe spielte er überhaupt keine Rolle. Dass er in diesem Sommer dann sein Filmdebüt sogar mit einem Soloauftritt feiern durfte, sorgte im Vorfeld für spöttische Spekulationen. Doch was dem Zuschauer hier in 115 Minuten und 3D geliefert wird, sollte die meisten (positiv) überraschen. Aber der Reihe nach.

Die Story von Scott Lang als Ant-Man beginnt mit einem kleinen Zeitsprung: Anno 1989 verteidigt der Wissenschaftler Hank Pym seine Forschungsergebnisse gegen eine militärische Nutzung. Im Kern geht es um ein geheimnisvolles Serum, das Gegenstände und Lebewesen unbeschadet schrumpfen und so Pym zum allerersten Ant-Man werden lässt. Er erkennt jedoch die Gefährlichkeit dieser Erfindung und versucht sie vor aller Welt und besonders vor seinem Schützling Darren Cross zu verstecken.
Da der Streit zwischen den Beteiligten eskaliert, ist Pym in der Gegenwart in Rente und Cross gefährlich nah an einem eigenen Durchbruch für diese Technik.

Waffeln und Verbrechen - eine gute Kombination? V.l.n.r.: Kurt (David Dastmalchian), Scott Lang/Ant-Man (Paul Rudd) und Dave (T.I.) (Copyright: Zade Rosenthal / © Marvel 2014)

Waffeln und Verbrechen – eine gute Kombination? V.l.n.r.: Kurt (David Dastmalchian), Scott Lang/Ant-Man (Paul Rudd) und Dave (T.I.) (Copyright: Zade Rosenthal / © Marvel 2014)

Während des Ringens um Erkenntnis und Macht sitzt Scott für einen Einbruch drei Jahre im Knast. Am Tag seiner Entlassung beschließt er, von nun an ein gutbürgerliches Leben zu führen, um künftig für seine kleine Tochter Cassie da sein zu können. Doch obwohl er mit seinem Masterabschluss ideale Voraussetzungen und mit seinem Kind die beste Motivation hat, fällt ihm der Start in sein „neues“ Leben schwer.
Da hilft es auch nicht, dass seine Kumpel Luis, Dave und Kurt Waffeln essend zu Hause rumhocken und vom „nächsten großen Ding“ ihrer Kleinkriminellenkarriere träumen – Szenen, die ein wenig an den Spieleklassiker „Grand Theft Auto“ erinnern. Als Scott jedoch erkennt, wie viel Arbeit und Zeit es ihn kosten wird, auf normalem Wege das Vertrauen seiner Exfrau und so auch regelmäßigen Umgang mit Cassie zu erlangen, greift er nach dem nächstbesten Strohhalm: Er stimmt dem „todsicheren Ding“ zu, das Luis aufgetan hat, und wie in GTA macht sich der Protagonist mit seiner Crew auf zum Beutezug. Die anschließende Enttäuschung ist groß, als sie nur „einen alten Motorradanzug“ erbeuten. Dass dies der Beginn einer Superheldenkarriere sein könnte, ahnt neben dem Zuschauer nur Pym, der im Hintergrund die Fäden zieht. Eins ist jedoch klar: Scott braucht nicht nur Training, um der neuen Rolle gerecht zu werden, sondern darf vor allem nicht bei jeder Gelegenheit den Schwanz einziehen.

„Ant-Man“ beschreibt insgesamt also den Ursprung zweier (wenn man es genau nimmt, sogar von vier!) Superhelden und ihrer passenden Antagonisten. Dabei wird ganz marvel-mäßig nicht an flotten Sprüchen, Gags und Selbstironie gespart; fast bekommt man beim Zuschauen den Eindruck, Paul Rudd würde hier nicht nur seiner Rolle als Ant-Man Leben einhauchen, sondern spielerisch auch mit der Erwartungshaltung des Publikums umgehen. Ja, er ist nicht derjenige, den wir als Superheld erwarten – genau so sieht er das aber auch. Die persönliche Entwicklung zum Helden und die Dynamik zwischen den Figuren stehen daher im Zentrum, dadurch braucht der Film allerdings eine gewisse Zeit zum warm werden. Einige Anfangsszenen sind somit etwas zäh.

Enttäuschung nach einem ansonsten gelungen Einbruch - Marvel's Ant-Man Scott Lang (Paul Rudd) (Copyright: Zade Rosenthal / © Marvel 2014)

Enttäuschung nach einem ansonsten gelungen Einbruch – Marvel’s Ant-Man Scott Lang (Paul Rudd) (Copyright: Zade Rosenthal / © Marvel 2014)

Dieses Manko wird allerdings ganz gut ausgeglichen: Wie die Filmtrailer im Übrigen schon erwarten ließen, haben die Miniaturkampfszenen eine besonders humoristische Note. Entgleisende Züge sind einfach witziger, wenn es sich um ein Spielzeug handelt! Außerdem zahlt sich hier durch das Schrumpfen und Wachsen auch mal der 3D-Effekt richtig aus. Optisch daher mal wieder großes Kino!

Abgerundet durch kleine Referenzen, wie beispielsweise eine Anspielung auf S.H.I.E.L.D. oder einen Gastauftritt eines Avengers, ohne dabei Vorwissen aus anderen Marvel-Filmen vorauszusetzen, ergibt sich insgesamt ein unterhaltsames Filmerlebnis.
Und wie immer gilt: Nach Stan Lee Ausschau halten und wirklich bis zum allerletzten Moment sitzen bleiben!

Trailer

Handlung

Trickbetrüger Scott Lang (Paul Rudd) besitzt die unglaubliche Fähigkeit, auf winzige Körpergröße zu schrumpfen und gleichzeitig seine Kräfte zu vervielfachen. Gemeinsam mit seinem Mentor Dr. Hank Pym (Michael Douglas) muss Lang das Geheimnis um Pyms einzigartigen Ant-Man-Anzug vor einer gefährlichen Bedrohung beschützen und mithilfe eines spektakulären Raubzugs die Zukunft der ganzen Welt entscheiden.

(Quelle: Disney)

Details

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany
Kinostart: 23.07.2015
Spieldauer: 115 Minuten

Copyright Filmposter: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer