Review

Luc Besson und die Frauen

Dass Luc Besson ein Faible für schöne Schauspielerinnen und für starke Frauenfiguren hat, lässt sich an dessen Filmografie immer wieder beobachten. Ob in jüngerer Vergangenheit etwa Cara Delevingne in „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“, Scarlett Johansson in „Lucy“ oder weiter zurückblickend Milla Jovovich in „Das fünfte Element“ oder die junge Natalie Portman im Klassiker „Léon – Der Profi“ – es zeigt sich eine eindeutige Tendenz in Bezug auf den französischen Regisseur.

Für seinen neuesten Action-Thriller „Anna“ hat der Filou nunmehr das russische Supermodel Sasha Luss als Hauptdarstellerin auserkoren. Luss debütierte auf der Leinwand in Bessons „Valerianund übernimmt hier ihre erste Hauptrolle. An ihrer Seite ist neben Luke Evans („High-Rise“) und Cillian Murphy („The Party“) auch Hollywood-Ikone Helen Mirren („Der Nussknacker und die vier Reiche“, „Catherine The Great“) zu sehen.

Ob der Film über eine russische Killerin überzeugen kann, verraten wir nach einer kurzen Inhaltsangabe.

Handlung

Die ex-drogenabhängige und wunderschöne Anna Poliatova (Sasha Luss) kommt aus ärmlichen Verhältnissen in Russland und will als Supermodel in Paris durchstarten. Allerdings kam ihr dieser Einfall gar nicht selbst. Angeworben von einem Agenten des KGB (Luke Evans) und dessen kaltschnäuziger Chefin (Helen Mirren) führt Anna in der Stadt der Liebe ein waghalsiges Doppelleben: High Fashion Model am Tage, eiskalte und gefürchtete Killerin bei Nacht. Eines Tages nimmt sie jedoch der CIA – in Person von Agent Miller (Cillian Murphy) – ins Visier. Im Geflecht der internationalen Spionage ergibt sich schon bald ein unberechenbares Verwirrspiel aus Lügen und Intrigen…

Kritik

Gleich zu Beginn möchte man anmerken, dass es Neu-Schauspielerin Sasha Luss gelingt, in ihrer ersten Hauptrolle an der Seite eines beachtlichen Starensembles zu überzeugen. Obwohl ihr die Titelrolle der Anna Poliatova ausweislich quasi auf den Leib geschrieben ist, schafft es Luss einer – nur vermeintlich – schablonenhaften Figur verschiedene Facetten abzugewinnen.

Der übrige (an sich großartige) Cast hat dagegen mit eher blassen Charakteren vorliebzunehmen und schafft es kaum, den Figuren Erinnerungswürdiges zu verleihen. Allein Helen Mirrens schrullige Verkörperung der KGB-Chefin Olga mit riesiger Brille und zerzaustem schwarzen Haar, die erheblich an Edna aus Disneys „Die Unglaublichen“ erinnert, hinterlässt komödiantischen Eindruck.

In Sachen Action bietet Besson seinem Publikum grundsolide Genre-Kost. Mit den stärksten Vertretern des Genres (wie etwa „John Wick: Kapitel 3“) kann es „Anna“ allerdings keinesfalls aufnehmen.

In Sachen choreografierte Kampfszenen, Intensität und Wucht hat der Film schlechterdings zu wenig Fleisch am Knochen. Einige gute Ansätze bleiben zu sporadisch und unzureichend.

Für seinen neuesten Action-Thriller „Anna“ hat Regisseur Luc Besson das russische Supermodel Sasha Luss als Hauptdarstellerin auserkoren. (Copyright: Studiocanal)

Dass Besson sich aufbürdet, seinen Film noch mit Kritik an einer exaltierten Modewelt anzureichern, schadet mehr, als dass es nützt. Der kraftlose und wenig scharfsinnige Versuch verpufft wirkungslos. Zudem kostet er unnötig Zeit, die besser in ein Action-Inferno oder jedenfalls in die Nebenfiguren investiert gewesen wäre. 

Positiv hervorgehoben werden soll allerdings noch, dass „Anna“ eine angenehme Länge hat und insgesamt äußerst kurzweilig ausfällt. Dabei helfen überraschende Plot Twists am Ende, die auch über ebenso ärgerliche wie sinnentleerte Zeitsprünge zu Beginn des Films hinweghelfen.

Fazit

Was daherkommt wie Nikita 2.0 entpuppt sich als einer der schwächeren Filme Bessons, der mit dessen früheren cineastischen Meisterwerken nicht mithalten kann. Auch die ähnlich gelagerten Filme „Atomic Blonde“ oder „Red Sparrow“ sind diesem in der einen oder anderen Hinsicht überlegen. Wo ihn der eine in Sachen Inszenierung und Atmosphäre hinter sich lässt, da schafft es der andere mit Blick auf Wucht, Emotion und Brutalität.

Am Ende des Tages schafft Luc Besson hier einen kurzweiligen Agenten-Thriller für die Couch, der vor allem mit einer überraschend soliden Schauspielerin Sasha Luss aufwarten kann.

Trailer

Inhalt

Hinter Anna Poliatovas atemberaubender Schönheit verbirgt sich ein Geheimnis: Sie ist nicht nur eines der gefragtesten Models in Paris, die junge Russin besitzt auch einzigartige Fähigkeiten, die sie zu einer der weltweit gefürchtetsten Killerinnen des KGB macht. Als die CIA sie ins Visier nimmt, verstrickt Anna sich zunehmend in einem Netz aus Lügen und Intrigen, aus dem es scheinbar keinen Ausweg gibt.

(Quelle: Studiocanal)

Details

Format: Breitbild
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: STUDIOCANAL
Erscheinungstermin: 28.11.2019
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: 119 Minuten

Copyright Cover: Studiocanal



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)