Review

Als „fesselnder Mystery-Krimi à la Agatha Christie“ kündigt der Klappentext die Heimkinoveröffentlichung „An Inspector Calls“ an, die auf DVD via Pandastorm auf den deutschen Markt gebracht wird.

BBC-Verfilmung eines britischen Kriminaldramas

Erwartet werden darf dabei die BBC-Verfilmung des Theaterstücks „An Inspector Calls“ von J. B. Priestley, der damit ein sozialkritisches Kriminaldrama für die Bühnen erschuf, das 1946 seine Premiere in London feierte.

Seither ist einige Zeit ins Land gegangen, an der Relevanz der Themen des Stückes (Probleme der Klassengesellschaft, Stellung der Arbeiter und insbesondere arbeitender Frauen, (soziale) Verantwortung, Generationenunterschiede) hat sich jedoch bis heute kaum etwas geändert. So wundert es nicht, dass „An Inspector Calls“ von der ersten Minute an die Zuschauer zu packen versteht und das Interesse und die Spannung bis zum Ende aufrechterhalten kann.

Geschuldet ist dies u.a. sowohl der theateresken Inszenierung der Adaption als auch dem hervorragenden Cast.

Theatereske Inszenierung

So hat Regisseurin Aisling Walsh nicht nur die zeitlichen, sondern auch die formellen Determinanten des ursprünglichen Theaterstücks in ihrer Version von „An Inspector Calls“ beibehalten.

Sie entführt die Zuschauer nach England ins Jahr 1912 und gewährt einen Blick hinter die Fassade der selbstherrlichen englischen Upper Class im blühenden Industriezeitalter des frühen 20. Jahrhunderts.
Wie schon im Theaterstück, spielt auch die Verfilmung an nur einem einzigen Abend. Es gibt weder Nebenhandlungen noch viele Schauplatzwechsel. So fokussiert sich die Handlung auf kontinuierliche Dialoge, die im Esszimmer der Familie Birling durch ebenjene und den mysteriösen Inspektor Goole stattfinden.

Dieser platzt mitten in die abendlichen Feierlichkeiten der Familie herein, die die Verlobung von Tochter Sheila mit dem ebenso wohlhabenden Gerald Croft zelebriert, und konfrontiert alle Anwesenden mit der Nachricht des Suizids der jungen Eva Smith, einer früheren Angestellten in der Fabrik der Birlings.

Fortan geht es um die Frage: Wer trägt die Verantwortung oder gar Schuld am Selbstmord der jungen Frau?
Auf der Suche nach Antworten wird deutlich, dass alle Charaktere eine Verbindung zur Verstorbenen hatten und es entfaltet sich eine zeitlose Parabel über den gedanken- und rücksichtslosen Umgang der Menschen mit- und untereinander.

Die überschaubare, kammerspielartige Kulisse mit der übersichtlichen Anzahl an Figuren machen es leicht, Zugang zur Handlung zu finden und prompt mitzurätseln. Einzelne Zwischensequenzen visualisieren und erzählen dabei die Geschichte der Eva nach, brechen die räumliche Einheit immer mal wieder auf und gewähren den Zuschauern den bereits erwähnten „Blick hinter die Fassade“.

In „An Inspector Calls“ muss sich Familie Birling der Schuldfrage stellen. (Copyright: Pandastorm / Laurence Cendrowicz)

Sowohl die moralischen Haupt- und Untertöne von „An Inspector Calls“ als auch dessen Ende lassen Raum für Interpretationen und regen zusätzlich zum Nachdenken an.

Aussagekräftiges Spiel

Für ein aussagekräftiges Spiel sorgen indes Namen wie David Thewlis (den meisten vermutlich besser bekannt als Remus Lupin aus den „Harry Potter“-Filmen), Golden Globe-Gewinnerin Miranda Richardson (u.a. „Sleepy Hollow“), Ken Stott (u.a. „Der Hobbit“, „The Missing“), Sophie Rundle (u.a. „Mord auf Shetland“, „Peaky Blinders“), Chloe Pirrie (u.a. „Death in Paradise“), Finn Cole (u.a. „Fast & Furious 9“, „Lewis – Der Oxford-Krimi“) und Kyle Soller (u.a. „Poldark“). Ob Haupt- oder Nebenrolle, ihnen allen steht durch die Art der Inszenierung und Entwicklung der Geschichte ausreichend Screentime zur Verfügung, die sie ausnahmslos mit einer überzeugenden Leistung zu füllen verstehen.

Fazit

Trotz oder gerade in seiner Einfachheit weiß „An Inspector Calls“ auf ganzer Linie zu überzeugen. Ohne sich auf eine Zielgruppe festzulegen, vermag es die filmische Adaption, Zuschauer mit unterschiedlichen Genre-Vorlieben und Interessen abzuholen. Da darüber hinaus die thematischen Inhalte brisant und aktueller denn je ausfallen, ist und bleibt „An Inspector Calls“ einfach (und wohl auch leider) absolut zeitlos.

Ein Stück, das sich daher sowohl in der heimischen DVD-Sammlung als auch im Schulunterricht gut macht.

 

Trailer

Handlung

England, 1912: Die wohlhabende Familie Birling feiert eines Abends die Verlobung von Tochter Sheila mit Gerald Croft – eine Ehe, die zwei erfolgreiche Unternehmen zusammenführen wird. Doch der feierliche Anlass wird von einem Überraschungsbesuch Inspektor Gooles (David Thewlis, „Harry Potter“) unterbrochen: Eine junge Frau, eine frühere Angestellte in der Fabrik der Birlings, hat sich das Leben genommen. Goole verhört die Anwesenden und deckt auf, dass alle eine Verbindung zur Verstorbenen hatten. Doch wer trägt die Verantwortung für ihren Tod?

(Quelle: Pandastorm Pictures)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Pandastorm Pictures
Erscheinungstermin: 15.11.2019
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 86 Minuten
Extras: 2 Feauturettes: Eine Adaption für eine neue Generation / Die zeitlose Kraft von An Inspector Calls

Copyright Cover: Pandastorm Pictures



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde