Review

Es ist im Grunde eine goldene Regel, dass gesellschaftliche Ereignisse über kurz oder lang mehr oder weniger dokumentarisch in Form von Filmen verarbeitet werden. Im Fall der Schlecker-Insolvenz hat es zwei Jahre gedauert, bis zeitgleich zwei Filme darüber erschienen. Der Privatsender SAT.1 schickte „Die Schlikkerfrauen“ ins Rennen um die Gunst des Publikums und der öffentlich-rechtliche Sender ZDF brachte die Produktion „Alles muss raus – Eine Familie rechnet ab“ heraus.

Letztere wurde uns von Studio Hamburg Enterprises freundlicherweise zur Verfügung gestellt, sodass wir einen genaueren Blick auf diesen TV-Zweiteiler werfen konnten.

Zunächst einmal sei gesagt, dass „Alles muss raus – Eine Familie rechnet ab“ nicht unbedingt dokumentarisch vorgeht. Die Schlecker-Pleite bildet den Rahmen eines Dramas, bei dem zwei Familien beleuchtet werden. Zum einen die Familie Faber, Inhaber der gleichnamigen Drogeriekette, die kurz vor dem Aus steht, zum anderen Janine Krause, die als Verkäuferin bei Faber arbeitet, und ihr krimineller Freund.

Beide Familien haben zunächst nicht wirklich viel miteinander zu tun. Erst als die Faber-Pleite unaufhaltsam voranschreitet, wird Janine von der Tochter der Fabers als Marketinginstrument benutzt, um die Leute wieder zum Kaufen bei Faber zu bewegen. Der Weg dahin ist voller Dramen, Intrigen und tatsächlich überraschender Wendungen.

„Alles muss raus – Eine Familie rechnet ab“ ist ein Film, in dem man sich verlieren kann. Dies liegt vor allem an der perfekt erzählten Geschichte. Es fällt leicht, die „Guten“ von den „Bösen“ zu unterscheiden, da die Rollen in dieser Beziehung sehr klar angelegt sind. Dennoch schafft es dieser Film, immer wieder zu überraschen.

Robert Atzorn brilliert als Max Faber (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Robert Atzorn brilliert als Max Faber (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Ein weiterer Grund dafür, dass dieser Streifen durchaus großartig ist, ist die Besetzung; sei es die vor allem aus der legendären Serie „Türkisch für Anfänger“ bekannte Josefine Preuß, welche die Rolle der Janine Krause hervorragend darstellt, oder der durch „Unser Lehrer Doktor Specht“ bekannt gewordene und mittlerweile durchaus gereifte Robert Atzorn, welcher den Manager Max Faber derart überzeugend verkörpert, dass man ihm diese Rolle vollständig abkauft.

Auch die übrigen Darsteller wurden mit viel Fingerspitzengefühl ausgewählt und spielen sehr authentisch.

„Alles muss raus – Eine Familie rechnet ab“ ist ein Film, der trotz seiner Länge von knapp drei Stunden (aufgeteilt auf zwei Teile in Spielfilmlänge) zu begeistern weiß. Man kann lachen, hassen und weinen, wenn man sich richtig auf diesen Film einlässt. Fakt ist auf jeden Fall, dass unsere Gebührengelder in diesem Fall sehr gut investiert wurden und sich auch die Anschaffung der DVD lohnen wird.

Trailer

Handlung

Inspiriert von wahren Begebenheiten wie der Schlecker-Pleite und anderen Insolvenz-Skandalen der vergangenen Jahre, erzählt das zweiteilige Gesellschafts- und Familiendrama anhand eines fiktiven Einzelfalls vom persönlichen und wirtschaftlichen Überlebenskampf der Menschen am oberen und unteren Ende der Gesellschaft.
Auf der einen Seite steht der vermögende Firmengründer Max Faber (Robert Atzorn) mit seiner Familie, die nach außen eine einheitliche Front zu bilden scheint und doch im Innern immer mehr zerrüttet: Zwischen dem Patriarchen und seiner ehrgeizigen Tochter Kerstin (Lisa Martinek) entbrennt ein erbitterter Kampf um die richtige Rettungsstrategie. Auf der anderen Seite stehen Tausende von Arbeitnehmerinnen, die sich in ihrer Existenz bedroht sehen – hier repräsentiert von der jungen Verkäuferin Janine (Josefine Preuß), die wider besseren Wissens in jeder Lebenslage einen unerschütterlichen Optimismus bewahrt und sich dazu entschließt, für ihr Recht zu kämpfen. Die Folgen der Pleite schüren einen sozialen Konflikt, der die unterschiedlichsten Menschen miteinander verbindet.

(Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Studio Hamburg Enterprises
Erscheinungstermin: 17.10.2014
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: 180 Minuten

Copyright Cover: Studio Hamburg Enterprises



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.