Review

Südkoreanisches Gourmet-Kino

Der südkoreanische Film hat insbesondere seit den 2000er Jahren bis heute – im Zuge des Korean New Wavediverse cineastische Perlen hervorgebracht. Ob Autorenfilmer Park Chan-wook mit seiner Rache-Trilogie, und darin vor allem Oldboy“, „I’m a Cyborg, But That’s OK“ oder auch „Die Taschendiebin“; ob Bong Joon-ho mit „Memories of Murder“, „The Host“ oder zuletzt „Parasite“, der bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes gar als erster südkoreanischer Film die Goldene Palme gewann.

In den letzten Jahren haben außerdem der Mystery-Horror-Thriller „The Wailing – Die Besessenen“ des südkoreanischen Regisseurs Na Hong-jin, der Zombie-Horror Train to Busan“ des Regisseurs Yeon Sang-h sowie in jüngster Vergangenheit „Burning“ von Lee Chang-dong nachhaltigen Eindruck in der Filmlandschaft hinterlassen. Die Liste könnte problemlos fortgeführt werden, bietet für den einen oder anderen aber womöglich einen Einstieg in diese aufregende Welt.

Zu diesen großen Filmschaffenden gehört zweifellos auch Auteur Kim Jee-woon, der ein künstlerisches genreunabhängiges Werk sein Eigen nennen kann und damit – auch in westlichen Ländern – ebenso kommerziell erfolgreich wie ehrgeizig und ambitioniert unterwegs ist. Neben dem harten „I Saw the Devil“ oder auch Arnies Comeback „The Last Stand“ findet sich in dessen Filmografie eben auch das hier zu besprechende Werk „A Tale of Two Sisters“, einer der besten und erfolgreichsten südkoreanischen Horrorfilme, der im Jahr 2009 bereits ein US-Remake namens „The Uninvited“ bzw. „Der Fluch der 2 Schwesternnach sich zog.

Zur Freude aller Liebhaber des südkoreanischen Kinos bringt capelight pictures diesen bisweilen märchenhaften Horrorfilm in einer prachtvollen „2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook“ in die deutschen Heimkinos.
Die
Sammleredition umfasst neben dem Spielfilm auf Blu-ray und DVD noch ein 24-seitiges Booklet und über zwei Stunden Bonusmaterial, u.a. den Audiokommentar von Regisseur Kim Jee-woon. 

Inhalt

Nach einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt kehren die Schwestern Su-mi (Lim Su-jeong) und Su-yeon (Moon Geun-young) mit ihrem Vater (Kim Kap-soo) in das abgelegene Landhaus der Familie zurück. Dort wartet jedoch schon die böse Stiefmutter (Yeom Jeong-a) auf die beiden Mädchen und vermiest diesen die ersehnte Heimkehr. Während sich die jüngere Su-yeon vor der geheimnisvoll feindseligen Frau fürchtet und von dieser auch körperlich misshandelt wird, tritt ihr die ältere Su-mi provokant und widerspenstig entgegen und macht keinen Hehl aus ihrer Verachtung gegenüber der psychotischen Ersatzmutter. Der Vater wirkt dabei durchgehend seltsam teilnahmslos. 

Zu allem Überfluss wird das dunkle Landhaus offenbar noch von übernatürlichen Gefahren heimgesucht. Insbesondere der Kleiderschrank in ihrem Zimmer hat es der jungen Su-yeon angetan. Doch was hat es damit auf sich?

Atmosphärisch dichter und gruseliger Horrorfilm und noch mehr

Wie oben bereits geschwärmt, strotzt das südkoreanische Kino vor Kreativen und vor unbändiger Kreativität, präsentiert oftmals eine beneidenswert eigenwillige und formvollendete Bildsprache, zeichnet sich durch ein komplex-vielschichtiges Angebot aus, das abseits ausgetretener Genre-Pfade verläuft, und fragt im Subtext immer wieder auch nach dem größeren Ganzen bzw. nach der Natur des Menschseins.

Insofern ist der Horrorfilm „A Tale of Two Sisters“ ein ganz typischer Vertreter der Korean New Wave oder auch des K-Horror. Auf der Oberfläche ist der Film ein klassischer Horrorfilm, der bis zum Ende geheimnisvoll ist und sich mit einer besonders packenden und unheimlichen Atmosphäre umgibt.

Die beiden Schwestern Su-mi und Su-yeon treffen auf ihre böse Stiefmutter Eun-joo. (Copyright: capelight pictures)

Dabei bedient sich Regisseur Kim Jee-woon immer wieder auch den üblichen Versatzstücken des Horrorgenres, wobei er allerdings nie dem Mainstream-Horror oder den (heutigen) Jump-Scare-Eskapaden verfällt. Der Film lebt insbesondere von seiner bedrohlichen und atmosphärischen Stimmung und der Stilsicherheit Kim Jee-woons.

Wie so viele andere südkoreanische (Horror-)Filme auch, ist „A Tale of Two Sisters“ aber eben auch ein tiefschürfendes Werk und ein gekonnter Genremix. Thriller, Horror, Märchen und insbesondere psychologisches Familiendrama zugleich, und das, ohne sich der Stärken und der Reize des Horrorgenres zu berauben.

Fazit

Wer verschachtelt erzählte, komplexe und ebenso anspruchsvolle wie beanspruchende Horrorfilme – wie z.B. „Hereditary – Das Vermächtnis“ von Ari Aster – gerne sieht und noch lange nach der Sichtung eines Films grübelt, der sollte sich diesen Horror-Klassiker nicht entgehen lassen.

Trailer

Inhalt

Nach ihrem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik kehren die Schwestern Su-mi und Su-yeon nach Hause zurück. Die ersehnte Heimkehr hatten sich die beiden allerdings friedlicher vorgestellt. Ihr Vater lebt inzwischen mit einer neuen Frau zusammen, die den Mädchen nur Misstrauen entgegenbringt und ihnen das Leben zur Hölle macht. Während sich Su-yeon immer mehr zurückzieht, macht Su-mi keinen Hehl aus ihrem Hass und ihrer Verachtung gegenüber der psychotischen Stiefmutter. Als das dunkle Landhaus auch noch von seltsamen Geschehnissen heimgesucht wird und die Mädchen von Albträumen geplagt werden, droht die ohnehin angespannte Situation zu eskalieren …

(Quelle: capelight pictures)

Details

Format: Dolby, PAL
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: capelight pictures
Erscheinungstermin: 29.11.2019
Produktionsjahr: 2003
Spieldauer: 115 Minuten

Copyright Cover: capelight pictures



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)