Review

Nach einer wahren Begebenheit und mit einer zusätzlichen Dramatisierung versehen, die auf ausführlichen Recherchen, Befragungen und veröffentlichten Zeugenberichten basiert, kommt die englische Miniserie „A Confession“ ins Heimkino.

Der True-Crime-Hintergrund

Die in „A Confession“ erzählte Geschichte behandelt die Untersuchungen zum Vermisstenfall der 22-jährigen Sian O’Callaghan aus dem südenglischen Swindon, die im März 2011 nach einem Clubbesuch spurlos verschwindet. Ihre Familie schaltet die Polizei ein, woraufhin Superintendent Stephen Fulcher den Fall übernimmt.

Indizien lassen ihn schnell Parallelen zu einem Cold-Case-Fall von vor acht Jahren ziehen: Die junge Frau Becky Godden-Edwards verschwand auf ähnliche Art und Weise. Ein Mörder wurde nie gefasst. Und ihre Mutter Karen sucht noch immer nach Antworten.

Die Ermittlungen führen DS Fulcher bald zum Taxifahrer Christopher Halliwell. Davon ausgehend, dass Sian noch lebt, setzt er alles daran, ihm bei dessen Festnahme ein Geständnis abzuringen – und überschreitet hierfür Grenzen, die ihn sowohl den Fall als auch seine Karriere kosten könnten. Denn erpicht auf weitere Ermittlungserfolge unterlässt es Fulcher, Halliwell formell über seine Rechte zu belehren. Dadurch werden zwar schließlich zwei Leichen gefunden, die als die vermissten Mädchen identifiziert werden; im Polizeirevier angekommen, schweigt Halliwell jedoch auf Anraten seines Anwalts beharrlich und streitet auch im darauf folgenden Prozess jegliche Tatbeteiligung ab.

Da es zwar für die Ermordung Sians unumstößliche Beweise für Halliwells Schuld gibt, er jedoch aufgrund des rechtswidrig erlangten Geständnisses für den zweiten Mord an Becky nicht belangt werden kann, wird Halliwell lediglich für den Mord an Sian schuldig gesprochen. DS Fulcher wird nach einer disziplinarischen Anhörung degradiert, da er gegen den sogenannten Police And Criminal Evidence Act (PACE), der das Vorgehen bei Verhaftungen regelt, verstoßen hat, und verlässt letztendlich den Polizeidienst. Beckys Mutter Karen Edwards kämpft daraufhin dafür, dass der Täter für Beckys Mord bestraft werden kann und der PACE geändert wird. Drei Jahre später wird Halliwell aufgrund neuer Indizien der Prozess wegen des Mordes an Becky gemacht, wobei auch Fulcher gegen ihn aussagt …

Vom Polizeithriller zum Justiz- und Charakterdrama

Die in sechs Episoden gegliederte Produktion lässt dabei nicht nur Entwicklungen einzelner Figuren sichtbar werden, sondern mausert sich selbst von einem (Polizei)thriller zum Justiz- und Charakterdrama.

Entsprechend liegt der Fokus in der ersten Hälfte der Gesamtlaufzeit der Serie auf dem Verschwinden der jungen Sian O’Callaghan. Während den Zuschauern in dieser Zeit Raum gegeben wird, um einzelne Figuren kennenzulernen, wird den Thriller- und Krimi-Elementen Platz eingeräumt, um sich entfalten zu können.

Die damit einhergehende Ermittlungsarbeit an einem Vermisstenfall entwickelt sich schon bald zu einer Aufklärung eines Mordfalls, sodass in der zweiten Hälfte der Serie der Fokus auf dem Hauptermittler und auf den Familien der Opfer liegt.

Statt Thrill dominieren nun dramatische Aspekte das Geschehen. Gleichzeitig nimmt die Serie als Justizdrama verstärkt ihren Lauf.

Moralisch richtig, juristisch falsch?!

Dabei beschäftigen sich Figuren wie Zuschauer gleichermaßen permanent mit den Fragen:

  • Wann kann etwas moralisch richtig sein, obwohl es juristisch falsch ist?
  • Hat juristisches Recht immer auch etwas mit Gerechtigkeit und gesundem Menschenverstand zu tun?
  • Ist die diesbezügliche Gesetzgebung noch aktuell und zeitgemäß?
  • Wie hätte man selbst in einer ähnlichen Situation gehandelt?

Martin Freeman und Joe Absolom in „A Confession“. (Copyright: Matt Frost / ITV Studios / Edel:Motion)

Die Geschehnisse der einzelnen Episoden laufen dabei weiter, ohne diesen Denkprozess zu unterbrechen. Zu verdanken ist dies u.a. sowohl der entschleunigten Art der Serie als auch der angenehmen Laufzeit einer jeweiligen Folge, die durchschnittlich rund 45 Minuten dauert.

Etwas störend wirkt hingegen die teils eigenwillige Kameraführung, die oftmals sehr hektisch und zu verwackelt erscheint.

Ganz ohne Kritik kommt hingegen die Besetzung der Serie aus, die z.B. aus namhaften SchauspielerInnen wie Martin Freeman („Der Hobbit“, „Black Panther“, „Sherlock“ u.v.m.), Siobhan Finneran (u.a. „Downton Abbey“) und Imelda Staunton (u.a. „Harry Potter“, „Maleficent“, „Paddington“) besteht.

Fazit

„A Confession“ regt zum Nachdenken an, sorgt für spannende Momente und liefert nicht zuletzt Krimi- und Thriller-Fans einige unterhaltsame Fernsehstunden. Für Schauwerte sorgen dabei jedoch weniger die oftmals als hektisch wahrgenommene Kameraführung als der exzellente Cast, der fern jeder Kritik agiert.

Trailer

Handlung

„A Confession“ wirft die Frage auf, ob juristisches Recht immer etwas mit Gerechtigkeit und gesundem Menschenverstand zu tun hat.

Swindon, England, März 2011. Es ist ein Tag wie jeder andere. Doch als Elaine O’Callaghan einen Anruf ihres Sohnes Liam erhält, ändert sich für sie auf einmal alles: Ihre 22-jährige Tochter Sian ist nach einem Clubbesuch letzte Nacht nicht nach Hause gekommen. Seitdem gibt es kein Lebenszeichen von ihr. Die O’Callaghans schalten die Polizei ein und den Fall übernimmt Superintendent Stephen Fulcher.

Indizien lassen ihn schnell Parallelen zu einem Cold-Case-Fall von vor acht Jahren ziehen: Die junge Frau Becky Edwards verschwand auf ähnliche Art und Weise und ein Mörder wurde nie gefasst. Ihre Mutter sucht nach all den Jahren immer noch nach Antworten. Die Ermittlungen führen Fulcher zu einem Taxifahrer namens Christopher Halliwell. In der Hoffnung, dass Sian noch lebt, setzt Fulcher alles daran, Christopher ein Geständnis zu entlocken, und das ohne anwaltlichen Beistand. Wird Halliwell am Ende ungestraft davonkommen?

(Quelle: Edel:Motion)

Details

Sprache: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel:Motion
Erscheinungstermin: 30.10.2020
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: 6 x 45 Minuten
Extras: Interviews mit Cast & Crew / Featurettes

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde