Review

Apokalypse für Zuhause

Mit „8 Tage – Staffel 1“ erscheint ein eindringliches Sky Original im Heimkino – und liefert die Apokalypse für Zuhause.

Das Setting: Der Asteroid „Horus“ rast auf die Erde zu und Deutschland liegt in der Todeszone. Es bleiben nur noch acht Tage bis zum Einschlag. Die Uhr tickt.

Im Angesicht der nahenden Apokalypse werden Instinkte, Ängste und archaische Triebe geweckt; moralisches Versagen ist eine Folge dessen, Recht und Ordnung sind aufgehoben und von Zivilisation und Kultur ist kaum mehr etwas zu spüren.
Die Entwicklung der Figuren, der Serie sowie der verbleibenden acht Tage spiegeln bereits die einzelnen Episodentitel „Panik“, „Trennung“, „Glaube“, „Hoffnung“, „Krieg“, „Verzweiflung“, „Absolution“ und „Frieden“ der jeweils knapp 50-minütigen Folgen wider.

Mit dem Fokus auf eine überschaubare Anzahl an Figuren mitten in Berlin zeigt Regisseur Stefan Ruzowitzky jene Menschen in dieser Extremsituation. Über allem schwebt zudem die Frage:

Das Ende kommt. Was wirst du tun?

Was machst du mit deinen letzten 8 Tagen?
Fliehen? Flehen? Gott suchen? Gott spielen? Bunker bauen? Grab schaufeln?

Diese Fragen stellen sich nicht nur die Charaktere aus „8 Tage“, sondern zunehmend auch die Zuschauer – vor allem dank eines großen Identifikationspotenzials und authentischer Figuren.

In teils expliziten, teils expressiven Bildern liefert die Serie mögliche Antworten. Dass dabei das eine oder andere Mal die Logik ein wenig auf der Strecke bleibt, sei zugunsten des Spannungsaufbaus verziehen. Denn davon abgesehen gelingt eine gute Inszenierung, die den Zuschauern auch die Figuren – durch immer wieder eingebundene Rückblicke in die Vergangenheit ebenjener – näher bringt.

Rette sich. Wer kann?

Dazu trägt ebenfalls das Staraufgebot an deutschen Schauspielern bei, die sich hier verabredet haben, um den Weltuntergang zu drehen.

Als besonders herausragend ist in diesem Zusammenhang Devid Striesow als selbst auserkorener „Überlebender“ Klaus Frankenberg zu nennen. Der Besitz eines privaten Bunkers macht ihn bei anderen Figuren zunehmend beliebt – und lässt ihn zu einem egozentrischen Verteidiger werden, der auch vor Bluttaten nicht zurückschreckt.

Henry Hübchen, Nora Waldstätten, Christiane Paul, Fabian Hinrichs, Mark Waschke, Murathan Muslu und David Schütter liefern nicht minder glaubwürdig ab, während zudem die Youngsters Lena Klenke und Luisa-Céline Gaffron den großen Namen in nichts nachstehen. Dabei spielt allerdings die Schauspielkunst eine eher untergeordnete Rolle; vielmehr gelingt es den Akteuren, ihren Charakteren die nötigen Emotionen und eine gewisse Natürlichkeit zu entlocken, die bei den Zuschauern nachvollziehbar ankommen. Packend bleibt man somit am Ball.

Brüche im Erzähltempo

Ausnahmezustand in Berlin in der Drama-Serie „8 Tage – Staffel 1“ (Copyright: Sky/ Neuesuper / Stephan Rabold)

Inmitten dieser Spannung behält „8 Tage – Staffel 1“ das Erzähltempo jedoch nicht konsequent bei, sodass es mitunter zu einigen vermeidbaren und entbehrlichen Längen kommt. Diesbezüglich hätte man den in acht Episoden geschilderten Wettlauf mit der Zeit auch in der Erzählweise deutlich straffer und temporeicher widerspiegeln können.

Fazit

Alles in allem ist „8 Tage – Staffel 1“ eine moderne Drama-Serie, bei der man nach der letzten Folge erst einmal durchatmen muss. Gerade in Zeiten von leeren Supermarktregalen, Panik, Hysterie und scheinbar apokalyptischen Zuständen durch Corona gewinnt die Produktion einmal mehr an Glaubwürdigkeit sowie Intensität und erzielt eine nachhaltige Wirkung. Die Frage „Was würdest du tun?“ stellt sich der Zuschauer immer wieder – ein Fakt, der auch dazu führt, dem Agieren der unterschiedlichen Figuren von der ersten bis zur letzten Minute gebannt folgen zu wollen.

 

Trailer

Handlung

Nur noch acht Tage bis zum Ende – Was würdest Du tun?

Ein Asteroid rast auf die Erde zu. Laut den Berechnungen wird er in 8 Tagen an der französischen Altantikküste einschlagen und weite Teile Europas vollständig vernichten. Ein Versuch der Nasa, den Himmelskörper mit Raketen aus seiner Bahn zu schießen, ist gescheitert – Deutschland liegt in der Todeszone.

Physik-Lehrer Uli Steiner (Mark Waschke) und seine Frau Susanne (Christiane Paul), wollen mit ihren Kindern auf dem Landweg nach Russland fliehen. Gleichzeitig versucht Susannes Bruder Herrmann (Fabian Hinrichs) mit Hilfe seiner Regierungskontakte, die Familie samt Vater Egon (Henry Hübchen) und Herrmanns hochschwangerer Freundin Marion (Nora Waldstätten) in die USA zu evakuieren. Klaus Frankenberg (Devid Striesow), der autoritäre Vater von Leonies Freundin Nora, ist auf den Weltuntergang vorbereitet: Er hat sich einen Bunker gebaut. Doch Nora will sich nicht einsperren lassen, lieber feiert sie die letzten Tage ihres Lebens mit Freunden auf einer rauschhaft-exzessiven Endzeit-Party.

(Quelle: Eye See Movies)

Episoden

01 Panik
02 Trennung
03 Glaube
04 Hoffnung
05 Krieg
06 Verzweiflung
07 Absolution
08 Frieden

Details

Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Eye See Movies / AV Visionen
Erscheinungstermin: 05.03.2020
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: 415 Minuten
Extras: 12-seitiges Booklet / Making-of

Copyright Cover: © Sky/ Neuesuper / Stephan Rabold



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde