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Interviews

15. Januar 2015

Interview: Zinnschauer

Mit „Hunger.Stille“ haben Zinnschauer auch bei uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Grund genug, den Jungs in Form eines Interviews ein wenig auf den Zahn zu fühlen.

Natürlich wollten wir uns neben den Einzelheiten zum Album und dessen Entstehung, auch nach den Beweggründen der Band erkundigen.
Nicht zu vergessen, die stilistischen Einflüsse und einen kleinen Ausblick in die Zukunft.

Auf geht es zum „On Tour“-Interview.

Christopher: Hallo! Zunächst einmal zum Auflockern: Wie ist das Allgemeinbefinden?

Zinnschauer: Selber Hallo! Wir sind gerade auf der Autobahn und es geht uns ganz gut soweit.

Christopher: Bitte beschreibt, was genau bedeutet der Name „Zinnschauer“?

Zinnschauer: Es gibt mehrere Möglichkeiten, was „Zinnschauer“ bedeutet. Die offensichtlichsten Möglichkeiten sind die Interpretation als ein Metallregen oder als eine Person, die auf das Zinn schaut.
Der Name beschreibt nichts Reales und ist trotzdem zugänglich.

Christopher: Was macht die Musik von „Zinnschauer“ aus und welche Intentionen stecken hinter eurer Musik und euren Texten?

Wir haben Lust, mit dem Projekt Hörgewohnheiten zu irritieren und den Versuch zu unternehmen, etwas Neuartiges zu finden, was jenseits von bekannten Genregrenzen funktioniert.

Zinnschauer: Was die Musik ausmacht: Kein klassisches Songwriting, jedes Album erzählt eine zusammenhängende Geschichte. Elemente aus verschiedenen Stilrichtungen und Spielarten treffen dynamisch abwechselnd aufeinander, es wird gesungen, geschrien und gesprochen. Wichtig ist der räumliche Klang, den wir auch bei den Studioaufnahmen versucht haben deutlich hörbar zu machen. Live zeigt sich dies noch direkter, Zinnschauer findet nicht ausschließlich auf der Bühne statt.

Wir haben Lust, mit dem Projekt Hörgewohnheiten zu irritieren und den Versuch zu unternehmen, etwas Neuartiges zu finden, was jenseits von bekannten Genregrenzen funktioniert. Trotz eines relativ minimalistischen Set-Ups wünschen wir uns Ausdruckskraft und wollen unser Publikum emotional abholen und bewegen. Wenn das funktioniert, sind wir darüber sehr glücklich. Dasselbe gilt für die Texte, die sich zwischen metaphorischen Passagen, Prosa und direkten Aufrufen bewegen und gleichzeitig Emotionalität als verbindendes Element in sich tragen.

Christopher: Eure Platte „Hunger.Stille“ kam Ende letzten Jahres raus. Seid ihr mit dem Ergebnis zufrieden und wie fiel die Resonanz bisher aus?

Das Cover der aktuellen CD "Hunger.Stille" (Copyright: Kapitän Platte)

Das Cover der aktuellen CD „Hunger.Stille“ (Copyright: Kapitän Platte)

Zinnschauer: Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden und danken allen, die an der Entstehung beteiligt waren von Herzen.
Die Resonanz ist erstmal aus unserer Perspektive beeindruckend hoch. Die Rückmeldungen auf das Album sind so polarisierend wie noch nie. Von himmelhochlobenden Reviews, die das Projekt als bedeutenden Teil der Musikgeschichte bezeichnen bis zum absoluten Verriss à la „Das ist doch lyrischer Durchfall“ ist alles dabei.

Christopher: Das wohl Auffälligste auf „Hunger.Stille“ ist die Gitarrenarbeit. Gibt es etwas, was diese komplexen Songstrukturen beeinflusst (hat)?

Zinnschauer: Beeinflusst ist das Songwriting auf der Gitarre einerseits von der Musik, die Jakob hört und mag, und gleichzeitig sind die Songstrukturen genau so, weil sie in dieser Form im Projekt ihren Platz finden.

Christopher: Wenn wir gerade schon von Einflüssen reden: Eure Songtexte könnte man aufgrund der vielen stilistischen Mittel ja schon fast einer Schulklasse zum Analysieren im Deutschunterricht vorsetzen. Habt ihr – was die Lyrics angeht – irgendwelche Vorbilder gehabt wie Künstler, Dichter, Schriftsteller, etc.? Was sind eure Inspirationsquellen?

Wir zitieren uns lyrisch und melodisch selbst und es gibt einige Leitmotive.

Zinnschauer: Zuerst einmal inspiriert uns all das, was wir erleben. Das geht von unserer Wahrnehmung der Welt und persönlichen Erfahrungen bis zu der Kunst, die wir schätzen.
Ein großer Einfluss sind einige der frühen Emobands aus den 90er-Jahren wie z.B. Yage und einige aktuellere Bands wie The Mars Volta, Circa Survive, La Dispute, Loma Prieta oder Paan.
Schriftsteller, die wir beeindruckend finden sind z.B. Rainer Maria Rilke oder Hermann Hesse, Kafka oder Nietzsche, aber auch junge Autorinnen und Autoren wie Lisa Kränzler.

Christopher: Mir ist aufgefallen, dass ihr viele Textpassagen in manchen Songs wiederverwendet. Hat das einen bestimmten Grund oder wolltet ihr eine Verbindung unter den Songs schaffen?

Zinnschauer: Wir zitieren uns lyrisch und melodisch selbst und es gibt einige Leitmotive. Die Gründe, warum wir das so einsetzen, dürfen gern selbst hergestellt und herausgehört werden.

Christopher: Es fällt oft der Satz „Deine Zähne zittern, wenn du lachst“. Was genau wollt ihr damit ausdrücken?

Zinnschauer: Mit den Zähnen können sowohl die menschlichen Zähne gemeint sein, als auch die eines Zahnrades. Somit dienen sie auf beiden Ebenen als Metapher oder Symbol.

Christopher: Laut der Informationen des Albums hat das Schreiben der Platte von Winter bis Sommer gedauert, wurde aber dann in nur zehn Tagen fertig und in guter Qualität aufgenommen. Wie konnten die Zahnräder des Schaffensprozesses so gut ineinandergreifen?

Zinnschauer (Copyright: Zinnschauer)

Zinnschauer (Copyright: Zinnschauer)

Zinnschauer: Wir haben uns bei „Hunger. Stille“ viel Zeit genommen, sind mit einem fertigen Album ins Studio gegangen und hatten daher die Möglichkeit uns mit Details auseinanderzusetzen. Hervorzuheben ist dabei die Rolle unseres Produzenten BiT aus Leipzig, der einen sehr großen Teil zu dem gelungenen Aufnahme- und Schaffensprozess beigetragen hat.

Christopher: Favorisiert ihr Songs auf „Hunger.Stille“? Wenn ja, welche?

Zinnschauer: „Hunger. Stille“ funktioniert als Gesamtwerk, das favorisieren wir.

Christopher: Was erwartet die Besucher eurer Konzerte? Wie werden die Songs live umgesetzt?

Zinnschauer: Ein Live-Konzert ist etwas roher und ein etwas vielschichtigeres Erlebnis als das Hören der Platte. Die Besucher/innen eines Konzertes werden das dann hören und sehen.

Christopher: Wie wird es in Zukunft mit „Zinnschauer“ weitergehen? Was können wir von euch diesbezüglich erwarten?

Zuerst einmal wollen wir bei „Hunger. Stille“ bleiben und dem Album Raum geben

Zinnschauer: Wir spielen im Januar und Februar über 30 Konzerte, also eine Tour zum Album. Während dieser Zeit werden wir viel darüber nachdenken, wie es weitergeht in Sachen „Zinnschauer“, aber zuerst einmal wollen wir bei „Hunger. Stille“ bleiben und dem Album Raum geben.

Christopher: Nun kommen unsere Keywords. Man stelle sich vor, wir würden euch Wörter an den Kopf werfen, die uns spontan eingefallen sind, als wir über dieses Interview nachgedacht haben. Bitte schreibt kurz unter jedes Wort, was euch dazu einfällt:

Musik

kann sehr viel.

Erfolg

ist relativ.

 Hunger

Stille.

 Emotionen

sollten sich eingestanden werden.

 Zinnschauer

ist unser Name.

 Lyrik

ist wie Musik. Kann viel.

 Stille

Hunger.

 Familie

Friends and Family, forever in our hearts.

Hat nicht unbedingt mit Verwandtschaft zu tun.

 Arbeit

nervt.

 Grenzen

Nationalstaaten abschaffen, Grenzen in der Kunst einreißen und persönliche Grenzen respektieren. Punkt.

Wir bedanken uns für das Interview!

Video

Kurzbio

Zinnschauer sind zu dritt, tragen aber auf den ersten Blick das konventionelle Gewand der Liedermacherkultur. Auf der Bühne steht Jakob alleine, singt, spielt und performt. Hinter dem Publikum stehen Sjard und Jonatan und manipulieren Licht und Ton, schaffen akustisch und visuell die Räume, die der jeweilige Liedauszug gerade benötigt. Mal ist Jakob nur eine Silhouette und manchmal brennt und leuchtet der ganze Raum. Und manchmal liest Sjard etwas aus dem Off oder Jonatan schreit. Dann schreien beide und dann schreien alle. Zinnschauer versuchen aufheben, wie sich auf der Bühne und vor der Bühne anfühlt und wollen die Zuschauer aus dem Konzept bringen um sie danach an die Hand nehmen zu können. Diskutiert werden, wenn auch anders verpackt, Sorgen und Ängste, die niemandem vorenthalten sein sollten.

(Quelle: Kapitän Platte)

Details

Zinnschauer – Facebook

Diskografie:

Kalter Blick, Scharfer Zahn (2012)
Ich bin deine wachsenden Arme (2013)
Hunger.Stille (2014)

Copyright Artikelbild: Zinnschauer



Über den Autor

Christopher





 
 

 

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