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Interviews

14. August 2014

Interview: Feuerschwanz

Es begab sich auf dem Mittelalterlich Phantasie Spectaculum zu Karlsruhe, dass wir niemand Geringeren als Prinz Hodenherz von der Spielmannsgruppe Feuerschwanz zu einem Gespräch trafen.
Lest selbst, was der Prinz über Feuerschwanz, das kommende Album und selbstverständlich Strumpfhosen zu sagen hat.

Jene, die nicht gewillt sind, so viel Text zu lesen, finden am Ende dieses Beitrages die Audioversion des Interviews zum gemütlichen Anhören.

Stefan: Es gibt einige wenige, die Feuerschwanz noch nicht kennen. Stelle Euch doch einmal vor.

Prinz Hodenherz: Wir sind Feuerschwanz und spielen im weitesten Sinne Folk-Rock bzw. Mittelalter-Folk-Rock mit deutlichem Hang zur Lustigkeit. D.h. wir sind sehr gute Laune fixiert.

Stefan: Im September erscheint Euer neues Album „Auf’s Leben“. Was erwartet uns auf dem Teil?

Prinz Hodenherz: Abgesehen davon, was jede Band über ihr neues Album erzählt, bin natürlich auch ich schwer überzeugt von dem Album. Es ist das beste, was wir je gemacht haben. Das sage ich aus voller Überzeugung, das sagt aber glaube ich auch jeder aus voller Überzeugung.

 Es ist das beste, was wir je gemacht haben. Das sage ich aus voller Überzeugung, das sagt aber glaube ich auch jeder aus voller Überzeugung.

Ich bin allerdings tatsächlich verliebt in dieses Album, muss aber auch sagen, dass wir uns wirklich viel Mühe damit gegeben haben. Wir haben uns nicht wie sonst 1,5 Jahre Zeit gelassen, sondern tatsächlich zwei Jahre, um damit wirklich ein dickes Ei zu legen. Wir wollten nach „Walhalligalli“ unseren Stil ein wenig neu erfinden. Das Ziel war, einen Bogen zu den ganz alten Sachen zu schlagen, gleichzeitig aber auch ganz neue Sachen auszuprobieren.

Stefan & Prinz Hodenherz (Copyright: DeepGround Magazine)

Stefan & Prinz Hodenherz (Copyright: DeepGround Magazine)

Das Besondere bei „Auf’s Leben“ ist allerdings auch, dass die Geschichten, die wir dort erzählen, in irgendeiner Weise alle wahr sind.

Es ist sehr ehrlich.

Stefan: Also ist es auch ein wenig autobiografisch?

Prinz Hodenherz: Ja. Allerdings ist natürlich nicht jede Geschichte so passiert, wie wir sie erzählen. Es geht vielmehr um Themen, die uns bewegen.
Tatsächlich haben wir aber auch autobiografische Songs auf der Scheibe. Zudem gibt es eine sehr ernste Ballade, die vom Tod eines von mir geliebten Menschen handelt. Dabei haben wir zum ersten Mal den Schritt gewagt, ein wirklich ernstes Lied ohne Augenzwinkern zu schreiben.

Dabei wollten wir vor allem ehrlich sein. Diese Geschichte wollten wir erzählen und haben es daher einfach gemacht.

Wir wollten halt nicht wieder ausschließlich Partymucke machen, sondern einfach auch mal sagen, was wir denken.

Stefan: Eure Texte sind in der Regel sehr ausgefallen. Wie kommt Ihr auf Eure Inhalte?

Prinz Hodenherz: Es war bei uns auch bisher so, dass immer ein Funken Wahrheit in unseren Texten zu finden ist. Als Beispiel sei „Genoveva“ vom Album „Walhalligalli“ genannt, welches vom Hauptmann geschrieben wurde und durchaus auch biografisch ist. Und das, obwohl es total durchgeknallt daherkommt.

Man kann also bei uns immer ehrliche Inhalte finden, egal wie blödsinnig die Songs im ersten Moment daherkommen.

Auch auf der neuen Platte gibt es so einen Song. Dieser heißt „Ohne Frage, Saufgelage“, ein sehr schlauer Titel. Aber in diesem Song geht es um das Verhältnis zwischen dem Hauptmann und mir. Dabei wurden wir sehr von einem Urlaub inspiriert, den wir zusammen auf Malle verbracht haben. Zwar nicht am Ballermann, aber immerhin zu zweit auf Malle.

Man kann also bei uns immer ehrliche Inhalte finden, egal wie blödsinnig die Songs im ersten Moment daherkommen. Natürlich ist aber der Blödsinn auch ein Ziel von uns. Wir wollen richtig auf die Kacke hauen und auch mal was richtig Blödes sagen.

Stefan: Auf Eurem Album „Met und Miezen“ hattet Ihr geniale Werbejingles. Warum macht Ihr so etwas nicht mehr?

Prinz Hodenherz: Das ist eine berechtigte Frage. Wir wollten auf unsere CDs mehr Musik und weniger Blödsinn bringen. Wir haben uns sehr auf die Musik konzentriert und für so blödsinnige Sachen wie Werbejingles oder Zwischensprüche gibt es ja mittlerweile YouTube.
Das, was früher, bevor Social Media so steil gegangen ist, noch als Zwischenansagen auf den Platten war, machen wir mittlerweile bei YouTube per Video.

Stefan & Prinz Hodenherz (Copyright: DeepGround Magazine)

Stefan & Prinz Hodenherz (Copyright: DeepGround Magazine)

Stefan: Eure Songs sind inhaltlich, gelinde gesagt, erotisch dominiert. Gibt es dennoch Aussagen, die Ihr transportieren wollt?

Prinz Hodenherz: Natürlich gibt es Aussagen, die wir transportieren wollen. Die wichtigste Aussage von allen ist: Habt Spaß im Leben! Das meinen wir absolut ernst, denn es ist im Grunde ein ernstes Thema. Bei aller Liebe zu beispielsweise mystischen oder generell ernsthaften Inhalten, über die man sich stundenlang Gedanken machen kann, ist es immer wichtig, vor allem Spaß im Leben zu haben, sonst macht eh alles überhaupt keinen Sinn.

Daher ist unsere wichtigste Aussage: Habt Spaß im Leben und genießt das Leben. Ich sage jetzt ganz schön oft Leben, aber genau deswegen heißt unser nächstes Album ja auch „Auf’s Leben“.

Stefan: Wie leicht oder schwer ist es Euch gefallen, Euch als im Grunde reine Unterhaltungsband in der teilweise doch recht biederen Mittelalterszene zu integrieren?

Prinz Hodenherz: Auch wenn es wahrscheinlich keine andere Band zugibt, sind wir zunächst einmal alle Unterhaltungsbands. Musik ist Unterhaltung. Du meinst aber wahrscheinlich unseren Klamaukanhang. Wir hatten und haben nach wie vor bei gewissen Leuten Schwierigkeiten. Manche Leute lieben es total, aber genauso finden es auch andere – seien es jetzt Veranstalter oder Szeneleute – auch mal doof. Wir polarisieren also nach wie vor, aber das machen wir in der Tat absichtlich.

Stefan: Ihr spielt ja nicht nur auf dem Mittelalterlich Phantasie Spectaculum, sondern seid aufgrund Eures Stils auf fast allen Festivals der „schwarzen Szene“ zuhause. Habt Ihr ein Lieblingsfestival?

Prinz Hodenherz: Mein Favourite, das muss ich ganz ehrlich sagen, ist das Summer Breeze. Das ist ja auch bei uns in der Nähe. Ich stehe selbst total auf Metal und besuche es auch ganz gerne. Da zu spielen ist der Wahnsinn. Im letzten Jahr sind wir da ja aufgetreten und hatten um 13 Uhr den Platz so voll, das war einfach irre. Zum Glück haben wir dieses Konzert auf DVD aufgenommen und dieses wird es in der Special Edition von „Auf’s Leben“ geben.

Stefan: Konzert oder Festival? Was spielt Ihr lieber?

Prinz Hodenherz: Eine blöde Frage, die immer wieder gestellt wird. Im Grunde ist es so, dass – wenn man den ganzen Sommer auf

MPS ist so ein Ding, da ist man einfach ganz nah dran und richtig drin in der Szene. Das finden wir sehr geil.

Festivals gespielt hat – man sich durchaus auch mal wieder auf ein Konzert freut. Es hat durchaus auch Vorteile, wenn man in seiner Halle für seine Fans sein Konzert spielt und nicht mit tausend anderen die Bühne teilen muss. Es ist im Grunde aber beides geil.

Stefan: Heute spielt Ihr auf dem Mittelalterlich Phantasie Spectaculum in Karlsruhe. Was ist für Euch der Reiz, gerade auf dem MPS zu spielen?

Prinz Hodenherz: MPS ist so ein Ding, da ist man einfach ganz nah dran und richtig drin in der Szene. Das finden wir sehr geil. Auch nicht zuletzt deswegen, weil man hier ja auch selber total eintaucht, wenn man hier den ganzen Tag ist. Es ist allerdings auch manchmal ultra-anstrengend. Wir sind heute Nacht aus Glauchau hierher gefahren und müssen / dürfen / wollen jetzt hier zwei Tage ranklotzen. Es ist nicht immer leicht, gleichzeitig aber total geil. Wir fallen nach einem Tag MPS immer tot ins Bett, möchten es aber durchaus immer wieder tun.

Stefan: Das heißt, das MPS ist für Euch eine Gelegenheit, ganz nah an den Fans zu sein und Euch nicht irgendwo in einem Backstagebereich abzuschotten? Ist Euch das wichtig, für Eure Fans greifbar zu sein?

Prinz Hodenherz: Es gibt Mucker, die darauf stehen, und es gibt welche, die davon eher genervt sind. Ich bin einer, der definitiv darauf steht. Ich mische mich schon sehr gerne unters Volk.

Stefan & Prinz Hodenherz (Copyright: DeepGround Magazine)

Stefan & Prinz Hodenherz (Copyright: DeepGround Magazine)

Stefan: Im Herbst tourt Ihr zusammen mit Schandmaul. Inwiefern harmoniert die Musik von Feuerschwanz, die ja eher klamaukig daherkommt, mit der – doch ernsteren – von Schandmaul?

Prinz Hodenherz: Wir meinen unsere Musik durchaus auch ernst. Das Wort Klamauk höre ich eigentlich nicht gerne, denn wir präsentieren eher eine Anleitung zu einem sinnvolleren Leben. Das machen Schandmaul eigentlich auch, aber eben auf eine andere

Du könntest mich aber was zu meinen supertollen, neuen Strumpfhosen fragen.

Art. Bei Schandmaul kann man sich schön wegträumen, bei Feuerschwanz kann man das auch und dabei einen trinken. Wir harmonieren aber auch privat sehr gut. Wir freuen uns tierisch auf die Tour.

Stefan: Gibt es eine Frage, die Dir bisher nie gestellt wurde, die Du aber immer schon einmal beantworten wolltest?

Prinz Hodenherz: Das ist wirklich schwer, weil wirklich schon alles Mögliche gefragt wurde. Du könntest mich aber was zu meinen supertollen, neuen Strumpfhosen fragen.

Stefan: Dann erzähl doch mal.

Prinz Hodenherz: Die habe ich mir diese Woche gekauft und sie haben einen neuen Rekord in Engheit aufgestellt.

Stefan: Sind das eigentlich Damenstrumpfhosen?

Prinz Hodenherz: Ja! Die gibt es tatsächlich nicht für Herren. Ich habe schon Geld ausgegeben für Strumpfhosen, die dann immer wieder Schrott waren. Die teuerste Strumpfhose, die ich mir je gekauft habe, hat 50 Euro bei einem Mittelalterversand gekostet. So ein Teil, das ich im Damengeschäft für 5 Euro bekomme. Und eben diese Strumpfhose ist beim ersten Auftritt – ich hatte damals noch ein vorne und hinten geschlitztes Kostüm – am Arsch über eine Länge von 20cm aufgeplatzt. Und das war beim Autogramme geben und ich hatte nichts drunter! Und danach hatten wir noch ein kleines Feature mit Saltatio Mortis auf der Bühne. Und! Bei eben diesem Auftritt kam auch Doro Pesch! Das heißt, ich stand vor Doro Pesch und mein Arsch hat hinten rausgeschaut. Das war ziemlich lustig, weil ich mich einfach nie zum Publikum umgedreht habe, d.h. das Publikem dachte, alles ist in Butter und hinter mir waren der Schlagzeuger, Dudelsackspieler, der Gitarrist und denen sind die Augen abgebrannt.

Stefan: Fand Doro es wenigstens geil?

Prinz Hodenherz: Ich glaube schon.

Stefan: Nun kommen unsere Keywords. Man stelle sich vor, ich würde Dir Worte an den Kopf werfen, die mir spontan eingefallen sind, als ich über dieses Interview nachgedacht habe. Bitte sage kurz zu jedem Wort, was Dir dazu einfällt.

Erotik

Titten!

Met

Saufen!

Miezen

Titten!

Freizeit

Titt… Nein, Quatsch. Dudelsack spielen.

Zusammenhalt

Feuerschwanz

MPS

Met!

Fans

Das erste, was mir einfällt, sage ich nicht. Das zweite auch nicht. Das dritte auch nicht. Spaß!

Musikindustrie


Total geil!

Stefan: Du lügst doch!

Prinz Hodenherz: Ja, wie gedruckt!

Internet

Facebook

Dudelsack

Laut

Wir bedanken uns für das unterhaltsame und ausführliche Interview!

 Audioversion des Interviews:
Feuerschwanz Face 2 Face Interview MPS Karlsruhe 26.07.2014

Video

Kurzbio

Deutschlands ausgefallenster Beitrag in Sachen Rockmusik: Feuerschwanz, die als erste und einzige Formation die Humor, Historisches, Feierlaune, Show und energetische Rockmusik miteinander verknüpfen.

Feuerschwanz haben auf Mittelaltermärkten begonnen, sind aber längst ein breites Phänomen. Aus der erst wenig ernst genommenen Klamauk-Truppe ist eine kredibile Rockgröße geworden, die die deutsche Musiklandschaft facettenreicher macht und auch mit prägt. Große Festivalauftritte auf dem Wacken oder Summer Breeze Open Air entwickelten sich zu gefeierten Partys, die Tournee zum letzten Album Wunsch Ist Wunsch war so gut wie ausverkauft.

(Copyright: Feuerschwanz)

Details

Feuerschwanz – Homepage
Feuerschwanz – Facebook
Feuerschwanz – Twitter

Diskografie:

Prima Nocte (2005)
Met und Miezen (2007)
Drachentanz – Live (2008)
Metvernichter (2009)
Wunsch ist Wunsch (2011)
Walhalligalli (2012)
Auf’s Leben (2014)



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.




 
 

 

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