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29. Januar 2020

Film-Neuheiten bei Netflix & Prime Video zum Jahresausklang 2019

Auch zum Ende des Jahres 2019 erschien bei den Streaming-Giganten Netflix und Amazons Prime Video wieder eine beachtliche Auswahl an sehenswerten Filmen zum Abruf, von denen wir euch einige vorstellen wollen.

Vor allem Netflix macht diesmal mit seinen Eigenproduktionen auf sich aufmerksam. So regnete es kürzlich Nominierungen und Auszeichnungen für derartige Nicht-Kino-Filme. Insbesondere nach der medienwirksamen Kritik von Mastermind Christopher Nolan ist der Streaming-Anbieter nunmehr endgültig in Hollywood angekommen. Und so ist man bei den großen Award-Shows vertreten, den Golden Globes 2020 sowie den Oscars 2020.

The Irishman

Der Auftragsmörder Frank Sheeran blickt in diesem Filmhit von Martin Scorsese auf die Geheimnisse zurück, die er als treues Mitglied der Bufalino-Familie hüten musste.

Thematisch heißt es für Altmeister Martin Scorsese „back to the roots“, wenn er sich wieder einmal dem Gangster-Milieu widmet. Dabei geht es hier weniger schillernd und verherrlichend zu als noch in „Good Fellas“, „Casino“ oder auch „The Wolf of Wall Street“.

Scorsese entmystifiziert das Mafia-Geschäft und zeichnet das Bild alter, trauriger Männer. Der Film ist virtuos inszeniert und gespielt. Kein Wunder, denn immerhin versammelt Scorsese für sein von langer Hand geplantes Projekt die Schauspiellegenden Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci. Pesci ist für „The Irishman“ aus dem Ruhestand zurückgekehrt und Fans haben womöglich das letzte Mal die Chance, De Niro und Pacino in ein und demselben Film zu bewundern.

Sowohl bei den Globes als auch den Oscars war bzw. ist der Film in den prestigeträchtigen Kategorien nominiert. Das Klassentreffen der alten Haudegen sollte alle Scorsese-Fans beglücken, auch wenn das Epos mit einer Laufzeit von ca. 3,5 Stunden unbestreitbar Längen aufweist. Netflix ließ für die Umsetzung alle Freiheiten – im Guten wie im Schlechten.

Fazit: 4 Sterne

Marriage Story

Die Regie dieses eindringlichen und mitfühlenden Porträts einer Familie, die trotz einer implodierenden Ehe zusammenhält, führte der Oscar-Kandidat Noah Baumbach.

„Marriage Story“ ist die nächste große Award-Hoffnung von Netflix. Laura Dern wurde für ihre Darstellung der knallharten Scheidungsanwältin bereits mehrfach ausgezeichnet (u.a. Golden Globe als Beste Nebendarstellerin) und im Übrigen stehen noch sechs Oscar-Nominierungen aus, darunter für das Beste Originaldrehbuch (Noah Baumbach), Hauptdarsteller (Adam Driver), Hauptdarstellerin (Scarlett Johansson) und schließlich Bester Film.

Noah Baumbach erzählt eine Geschichte in bester Woody Allen-Manier: „Szenen (vom Ende) einer Ehe“. Einfühlsam, erwachsen und gut beobachtet, aber nicht romantisch verklärt, geht es um die Strapazen einer Scheidung. Scarlett Johansson und Adam Driver brillieren hier gleichermaßen. Ein ganz toller Film.

Fazit: 4 Sterne

Klaus

Ein eigennütziger Postbote und ein eigenbrötlerischer Spielzeugmacher freunden sich an und bescheren einem kalten, dunklen Dorf die Freude, die es so bitter nötig hat.

Mit „Klaus“ hat sich die Streaming-Plattform einen Film an Land gezogen, der schlichtweg das Potenzial hat, ein Weihnachts-Kultfilm zu werden. Der Film von Sergio Pablos verfügt über die Reize klassischer Disney-Zeichentrickfilme, erinnert visuell etwa an den kantigen „Hercules“. Wundervoll schrullige Figuren, witzige Dialoge und ein Ende, das dem Zuschauer ans Herz geht.

Am Abend in die Decke kuscheln, Tee trinken und unbedingt anschauen – nicht nur an Weihnachten.

Fazit: 4 Sterne

6 Underground

Ein Tech-Milliardär täuscht seinen Tod vor und begibt sich mit einem internationalen Team auf eine gewagte und tödliche Mission: den Sturz eines brutalen Diktators.

Ebenso wie Martin Scorsese ließ man auch Michael Bay völlig freie Hand. Und der macht dann eben auch Michael Bay-Sachen. Die Handlung von „6 Underground“ kann man daher getrost vergessen. Ein bildgewaltiger und stumpfer Actionfilm, in typisch pathetischer Bay-Optik mit einem gut aufgelegten Ryan Reynolds, der sichtlich Freude am Stumpfsinn hat. Ein kostspieliges Spektakel, das kurzweilig unterhält.

Fazit: 3 Sterne

The King

Ein Prinz auf Abwegen muss sich nun als Kriegerkönig beweisen. Im Kampf um England erwarten ihn Feindseligkeiten sowohl innerhalb als auch außerhalb der Palastmauern.

In „The King“ von David Michôd gibt Shooting Star Timothée Chalamet glaubhaft den König wider Willen, Heinrich V. In dem shakespearischen Stoff sind außerdem noch Robert Pattinson als Widersacher, (nur kurz) Ben Mendelsohn als sterbender Vater und König sowie Joel Edgerton zu sehen. Letzterer verfasste gemeinsam mit Michôd das Drehbuch und produzierte mit. In dem Film wird auf eine ausgefeilte Figurenzeichnung mehr Wert gelegt als auf ausladende Schlachtszenen.

Fazit: 3 Sterne

Ich habe meinen Körper verloren

Ein junger Mann verliebt sich und eine amputierte Hand sucht in Paris ihren Eigentümer. Willkommen zu einer faszinierenden Melange aus Liebe, Mystery und Abenteuer.

Mit „J’ai perdu mon corps“ hat Netflix außerdem noch einen ausgefallenen Animationsfilm im Programm. Der Film von Jérémy Clapin gewann bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2019 bereits den Grand Prix Nespresso der Sektion „Semaine de la critique“ und ist bei den Oscars 2020 in der Kategorie Bester Animationsfilm nominiert. In dem interpretationsbedürftigen Stoff geht es um die Strapazen des Lebens, Liebe, Verlust und Schicksal.

Visuell eigenwillig und mit einem tollen Score – sehenswert.

Fazit: 3,5 Sterne

Streaming-Dienst Prime Video konnte im Nov./Dez. 2019 eher im Bereich der lizenzierten Filme punkten.
Eigenproduktionen haben es nicht in unsere Liste geschafft.

The Hateful 8

Wyoming, einige Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg: Eine Kutsche bahnt sich mühsam ihren Weg durch den Schnee in Richtung der Stadt Red Rock. An Bord befinden sich der Kopfgeldjäger John „Der Henker“ Ruth (Kurt Russell), dessen Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) sowie der Anhalter Major Marquis Warren (Samuel L. Jackson), der früher Soldat war und nun ebenfalls als Kopfgeldjäger sein Geld verdient, und Chris Mannix (Walton Goggins), ein Deserteur aus den Südstaaten, der behauptet, der neue Sheriff der Stadt zu sein. Ein Schneesturm zwingt die Gruppe zu einem Zwischenstopp in Minnies Miederwarenladen. Sie treffen dort zwar nicht auf Minnie aber dafür auf den mysteriösen Mexikaner Bon (Demian Bichir), auf den verschwiegenen Cowboy Joe Gage (Michael Madsen), auf den Konföderierten-General Sandford Smithers (Bruce Dern) sowie auf Oswaldo Mobray (Tim Roth). Während der Sturm draußen immer heftiger tobt, begreifen die acht Fremden, dass ihr Zusammentreffen vielleicht gar nicht so zufällig ist und sie Red Rock möglicherweise nie erreichen werden … (Quelle: Universum Film)

In den USA existiert mittlerweile die Extended Version von Quentin Tarantinos achtem Film als vierteilige Miniserie auf Netflix. Nach Deutschland hat es diese Schnittfassung leider noch nicht geschafft. Wer den dialoglastigen Western in seiner ursprünglichen Form noch gar nicht gesehen hat – Schande über sein Haupt -, kann dies nunmehr bei Prime nachholen.

Deutlich gemächlicher als in den Vorgängern „Inglourious Basterds“ und „Django Unchained“ geht es hier zu, wenn Tarantino seine alten Recken (wie Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Tim Roth oder auch Michael Madsen) zusammentrommelt. Nicht nur aufgrund des Ensembles erinnert der Film an „Reservoir Dogs“. Pflichtprogramm.

Fazit: 4,5 Sterne

Hereditary

Familie Graham führt ein beschauliches Leben: Annie (Toni Collette) ist eine liebevolle Mutter und lebt zusammen mit ihrem Mann Steve (Gabriel Byrne) und ihren beiden Kindern Peter (Alex Wolff) und Charlie (Milly Shapiro) etwas abgelegen am Waldrand. Als Annies Mutter Ellen, das Oberhaupt der Familie, stirbt, muss sich die Familie mit mysteriösen und grauenhaften Ereignissen auseinandersetzen. Nach und nach kommen die furchterregenden Geheimnisse ihrer Ahnen ans Licht. Für Annie, Steve, Peter und Charlie beginnt plötzlich ein Wettlauf gegen ihr dunkles und unheilvolles Schicksal, welches ihre Ahnen ihnen hinterlassen haben… (Quelle: Splendid Film)

Ari Asters „Hereditary“ verbindet gekonnt die klassischen Elemente des Horrorfilms mit einer Geschichte um eine dysfunktionale Familie sowie vererbliche psychische Krankheit. So erschafft er eine verstörende Atmosphäre und eine unvergleichlich intensive filmische Erfahrung. Dass der Film bei der Oscarverleihung nicht einmal mit einer Nominierung bedacht worden ist, ist schlicht und ergreifend lächerlich. Die Academy ignoriert bestimmte Genres und Filme. Mit einer wahnsinnigen Tour de Force hat Toni Collette jeden an die Wand gespielt.

Fazit: 5 Sterne – Meisterwerk des Horror-Genres

Hard Powder

Blutiger Schnee in Kehoe – Regisseur Hans Petter Moland und Liam Neeson vereinen ihre Kräfte für einen packenden Thriller voller eiskalter Rache und bitter-bösem Humor.

Der angegraute Liam Neeson („The Commuter“, „Non-Stop“) hat sich in den letzten Jahren wohlig im Action-Genre eingerichtet. Auch „Hard Powder“ macht da keine Ausnahme und bietet die gewohnte Action-Rache-Kost. Allerdings kommt dieser Film überraschend unterhaltsam und schwarzhumorig daher. Mit dem Film macht man nichts falsch.

Fazit: 3 Sterne

Destroyer

Nicole Kidman als LAPD-Detective Erin Bell in einem unerbittlichen Neo-Noir-Thriller ist nach ihren unzähligen Leinwanderfolgen auf dem absoluten Höhepunkt ihrer eindrucksvollen Karriere angekommen.

Der abgehalfterte Cop mit Alkoholproblem und düsterer Vergangenheit ist ein Archetyp des Kinos, insbesondere des Films Noirs. Nur selten sieht man allerdings eine Frau in einer solchen Rolle. Da Nicole Kidman aber mittlerweile alles mit Bravour spielt – vom Superhelden-Popcorn-Kino („Aquaman“), über einfühlsames Drama („Lion – Der lange Weg nach Hause“) bis hin zum anspruchsvollen Thriller („The Killing of a Sacred Deer“) -, gelingt ihr auch die Verwandlung in die schlurfende Ermittlerin – mit viel Mut zur Hässlichkeit.

Dazu gesellt sich noch ein cleveres und verschachteltes Drehbuch sowie die gekonnte Regie von Karyn Kusama und schon haben wir einen empfehlenswerten Film.

Fazit: 3,5 Sterne

Was waren eure Highlights zum Ende des Jahres 2019? Welche Filme und Serien haben euch besonders begeistert? Schreibt es uns in den Kommentaren!



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)




 
 

 

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