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24. Juni 2014

Es haben sich Enten auf DeepGround eingeschlichen…

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Verfasst von: Conny
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Eigentlich lag ein arbeitsreiches Wochenende vor uns. Es sollten CDs besprochen, die Tourdaten ergänzt und Bücher gelesen sowie rezensiert werden. Doch wie so oft im Leben kam alles anders.

Und so waren wir am schon sonnigen Samstagmorgen gerade dabei, uns an die Arbeit zu machen, als ein permanentes Quaken uns vor dem PC innehalten ließ.
Als wir uns anschließend im Garten auf die Suche nach dem Ursprung des animalischen Geräusches machten, entdeckten wir auf dem Grundstück unseres Nachbarn eine Entenmutter mit sechs Küken, die desorientiert und aufgebracht ihre Runden drehten und keinen Ausweg mehr aus den eng an eng liegenden Grundstücken fanden.

Die Frage, wie die Enten dort hingekommen waren, rückte schnell in den Hintergrund, denn gemeinsam mit unseren Nachbarn machten wir uns daran, Erste Hilfe zu leisten und funktionierten zunächst kurzerhand ein Kinderplanschbecken zum Ententeich um, während wir unermüdlich mögliche Helfer abtelefonierten, die die verirrte Entenfamilie wieder auf den richtigen Weg bringen sollten.

Die erste Ernüchterung folgte binnen kürzester Zeit: Niemand sah sich für die in Not geratenen Enten verantwortlich. Die sogenannten „Tierretter“ waren sich hingegen schnell einig: Wenn die Enten in die Gärten reingekommen sind, kommen sie auch wieder selbst hinaus. Engmaschige Zäune, hohe Mauern und eine zwar flugfähige Mutter, dafür aber sechs hilflose, dem Fliegen noch nicht mächtige Küken vereitelten den Plan der Retter jedoch recht schnell und so wurden wir mit dem „Problem“ bald alleingelassen.

Das Unglück der Entenfamilie nahm allerdings einen weiteren dramatischen Verlauf, denn durch den ebenfalls in der Nachbarschaft vorhandenen Hund und einiger Katzen wurde die Entenmutter derart verschreckt, dass sie die Flucht ergriff und die Küken sich selbst überließ. Diese hatten sich inzwischen in unserem Garten eingefunden und verharrten dort verängstigt auf das, was da noch kommen sollte – oder eben nicht, denn auch in den nächsten Stunden ließ sich die Entenmutter nicht mehr blicken.

Erste Akklimatisierung (Copyright: Conny Ohm)

Erste Akklimatisierung (Copyright: Conny Ohm)

Nach Recherchen im Internet und der daraus resultierenden Erstversorgung der Kleinen hofften wir bis zum späten Nachmittag, dass die Mutter wiederkommt. Dem war leider nicht so und so fielen uns quasi sechs Entenküken in den Schoß, bei denen wir nicht der Meinung waren, sie ihrem Schicksal überlassen zu können, wie von den Experten schockierenderweise einschlägig vorgeschlagen.

Nach „Rücksprache“ mit unserem Zwergkaninchen Lordi überließ jener uns Teile seines Außengeheges, in dem wir die Küken erst einmal im Garten versammelten. Mit Decken, Handtüchern, Futter, einer Wärmflasche als Entenmutterersatz und einigen Wasserstellen ausgestattet, kamen die sechs Küken, die erst ca. 3-4 Tage alt waren, schließlich ein wenig zur Ruhe.
Als sich dann aber der Abend näherte, die Sonne unterging, von der Entenmutter immer noch weit und breit nichts zu sehen war und sich die Stubentiger diverser Nachbarn wieder auf ihre Streifzüge begaben, siedelten wir die Kleinen ins Haus um.

Erst einmal trinken! (Copyright: Conny Ohm)

Erst einmal trinken! (Copyright: Conny Ohm)

Nun war es an uns, einen Weg zu finden, die Küken nicht zu sehr an Menschen zu gewöhnen, ihnen aber trotzdem die noch allzu nötige Nestwärme zu geben. Piepsende Wohlfühllaute, schlafende Entchen und ein regelmäßiger Gang zum Futter zeigten uns, dass sich die sechs mit der Situation anzufreunden schienen.

Am Sonntag hieß es dann erneut die Drähte glühen zu lassen; es musste sich doch schließlich jemand finden, der sich für derartige Notfälle zuständig fühlt.
Und so wurden wir nach mehreren Fehlversuchen schließlich in einem naheliegenden „Vogelzucht- und Waldvogelliebhaberverein“ fündig, die sich am Telefon umgehend bereiterklärt haben, die flauschigen Winzlinge aufzunehmen. Ein Blick auf deren Internetpräsenz verriet uns, dass sie bereits Enten haben und somit sollte eine Vergesellschaftung der Küken durchaus möglich sein.
Daher: Entchen eingepackt, hingefahren und bei der Ankunft ernüchternd festgestellt, dass die Bezeichnung „Vogelzucht- und Waldvogelliebhaber“ eine reine Farce ist.
Wir können nur vermuten, wie viel Promille die frühschoppengeschädigten selbsternannten „Vogelfreunden und –liebhabern“ innehatten, aber von Tierliebe war keine Spur. Vielmehr hatten wir den Eindruck, die Herren, die wir dort antrafen, gründeten diesen Verein lediglich, um einen Grund zum sonntäglichen Trinken zu haben. Bemerkungen wie „Nehmt sie wieder mit“ auf die Frage, ob wir sie denn in den nächsten Tagen mal besuchen könnten, um zu schauen, wie es ihnen ergeht – ein eindeutiger Hinweis darauf, dass sie als Futtermittel für andere größere Vögel eingesetzt werden sollten – , das Vorführen eines verdreckten Käfigs, der uns mit den Worten „Da kommen die rein, ’n bisschen Wasser und Futter dazu“ gezeigt wurde und die Vorliebe für das Wort „Scheiße“, welches in jedem Satz mindestens einmal und auch in Bezug auf den schmutzigen Käfig (mit den Worten „Muss ich noch sauber machen, scheiße, aufm Sonntag!“) fiel, (um nur einige der Highlights dieses Besuches hier nachzubilden) machte uns deutlich: Verein = ja! Vogelfreunde = nein! Und so fackelten wir nicht lange und nahmen die Küken wieder mit nach Hause.

Unverrichteter Dinge arrangierten wir uns den restlichen Sonntag damit, den Kleinen möglichst ein artgerechtes Umfeld zu schaffen, bedacht darauf, dass es ihnen gut geht.

Schimmausflug in der Badewanne (Copyright: Conny Ohm)

Schimmausflug in der Badewanne (Copyright: Conny Ohm)

Und das tat es; ein Highlight bildete an diesem Tag nicht nur die Bekanntmachung mit Zwergkaninchen Lordi, dem nach dem Motto „Bist du Mutter oder Futter“ zweimal beherzt mit dem kleinen Schnabel auf die Vorderpfote gepickt wurde, sondern auch der Ausflug in die Badewanne vor dem Schlafengehen, wo sie erste Tauchgänge und zahlreiche Gründelversuche unternahmen und eine Menge Spaß (auch auf dem improvisierten Floß) hatten. Von der Wärmflasche und ausgiebigen Putzorgien, die danach folgten, getrocknet und gewärmt, kuschelten sie sich schlafend aneinander und ließen den Tag auf wohlige Weise ausklingen.

Gestern stand schließlich der Besuch beim Tierarzt an, von dem wir uns erhofften, rettende Lösungen zu finden – und dieses Mal wurden wir nicht enttäuscht. Über einige weitere Umwege trafen wir auf eine nette Mitarbeiterin des „Vogelparks Haßloch“, die sich umgehend bereiterklärt hat, die Küken aufzunehmen. Auch hier haben wir vorab natürlich im Internet recherchiert – mit dem Ergebnis, dass dies durchaus ein potenzielles neues Zuhause für unsere kleinen Entchen werden könnte.

Ein großer Dank gilt daher den engagierten Mitarbeitern des „Vogelpark Haßloch“, die fortan die Verantwortung für die kleinen Enten ohne zu zögern übernommen haben. Wir hoffen, dass sich das flauschige Sechsergespann weiterhin so gut entwickelt und sie nach ihrem turbulenten Start ins Leben nun endlich ein artgerechtes Entendasein führen können.
Die Zusicherungen, dass ihnen später weder die Flügel gestutzt werden, sodass sie jederzeit, wenn sie groß genug sind, in die weite Welt hinausflattern können, noch die Käfighaltung auf Dauer sein wird, sondern erst einmal lediglich dem Schutz der Kleinen dient, stimmen uns optimistisch.
Auch zukünftig stehen wir mit den Mitarbeitern in engem Kontakt, und wir werden es uns ebenfalls nicht nehmen lassen, den kleinen Findelkindern regelmäßige Besuche abzustatten; der erste steht am kommenden Sonntag an.

Ihr fragt Euch nun vielleicht: Wieso dieser Blogeintrag auf einem Unterhaltungs- und Lifestyle-Magazin? Das ist berechtigt, gleichzeitig aber auch ganz leicht zu erklären:
Wir finden zum einen, Tierschutz geht uns alle an, egal, welche Musik man hört, welcher Subkultur man angehört oder wie unterschiedlich die Hobbys und Interessen jedes Einzelnen auch sind.
Zum anderen waren wir persönlich schockiert über die wenige Hilfsbereitschaft, die einem gerade von Tierschutzorganisationen entgegengebracht wurde. Auf diesen Missstand möchten wir hiermit aufmerksam machen und dringend davor warnen, derartigen Vereinen oder Organisationen Geld in Form von Spenden oder anderen Zuwendungen in den Rachen zu werfen. Es ist empfehlenswert, sich bei Interesse vorab zu informieren; auch ein Besuch vor Ort, der Einblick in die Organisation und in dessen Arbeit gewährt, ist anzuraten. Nur so verhindert man, dass man selbsternannte Tierschützer unterstützt, die sich in der Öffentlichkeit tierlieb und sachverständig zeigen, während ihre Arbeit aber im krassen Gegensatz dazu steht, und eben jenen die finanziellen Mittel oder anderweitige Unterstützung überlässt, denen das Wohl des Tieres tatsächlich am Herzen liegt.

Minis im Mini-Schwimmbad (Copyright: Conny Ohm)

Minis im Mini-Schwimmbad (Copyright: Conny Ohm)

Und letztlich möchten wir uns bei allen Lesern dafür entschuldigen, keine neuen Inhalte am Wochenende geboten zu haben, aber uns lag das Wohl der verwaisten Enten mehr am Herzen als die Gier nach Besucherzahlen. Ich denke, dafür habt ihr alle Verständnis und dafür sind wir eben auch „mehr als nur ein weiteres Magazin“.

Eine Bitte abschließend noch von uns: Dieser Artikel soll euch nicht ermuntern, junge Vögel oder scheinbar verwaiste Tiere ohne nachzudenken aufzulesen und mit nach Hause zu nehmen.
Die Betreuung nimmt viel Zeit und Arbeit in Anspruch und nicht jeder wird den Bedürfnissen der Findel-Tierkinder gerecht. Außerdem ist es nicht immer der Fall, dass die Tiere tatsächlich Hilfe benötigen. Solltet ihr daher jemals in eine ähnliche Situation kommen: Beobachtet das Geschehen eine Weile und entscheidet dann – immer zum Wohle der Tiere – und holt euch Hilfe von fachkundigen Menschen. Gerade Letzteres ist nicht immer einfach, Hartnäckigkeit zahlt sich irgendwann aber aus.



Über den Autor

Conny
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"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde




 
 

 

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One Comment


  1. Goldkind

    Ich bin total begeistert von eurem Einsatz! Gleichzeitig war ich ob deiner Schilderungen über bestimmte „Tierfreunde“ mehr als erschüttert … Wie gut, das die Sechs jetzt ein gutes zuhause gefunden haben!



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